Finanzen

Commerzbank-Unicredit-Übernahme: Banken-Poker spitzt sich zu – Commerzbank-Aktie haussiert

Jetzt wird es ernst um die potenzielle Commerzbank-Unicredit-Übernahme: Die italienische Großbank UniCredit will das zweitgrößte deutsche Geldhaus kaufen. Die Commerzbank sieht derzeit hingegen „keine Grundlage“ für eine Übernahme, die Commerzbank-Aktie haussiert dennoch. Und Verdi fürchtet großen Jobabbau.
16.03.2026 17:29
Aktualisiert: 16.03.2026 17:29
Lesezeit: 2 min

Commerzbank-Aktie haussiert: Anleger hoffen auf Commerzbank-Unicredit-Übernahme

Die Commerzbank-Aktie steht nach dem nächsten Vorstoß von UniCredit erneut im Zentrum des Interesses. Die italienische Großbank hat ein offizielles freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Commerzbank-Aktien angekündigt. Die Commerzbank wiederum sieht derzeit "keine Grundlage" für Gespräche. Für Anleger rückt damit die Frage in den Mittelpunkt, was die Offerte für die Commerzbank-Aktie, die Eigentümerstruktur und die künftige Strategie des Frankfurter Dax-Konzerns bedeutet.

Die Commerzbank teilte am Montag mit, das angekündigte Angebot sei nicht mit ihr abgestimmt. Außerdem enthalte die Kommunikation von UniCredit keine Informationen zu den Eckpfeilern einer wertstiftenden Transaktion. "Das wäre die notwendige Grundlage für etwaige Gespräche", erklärte die Bank. Für die Commerzbank-Aktie ist das eine klare Botschaft: Das Management setzt weiter auf Eigenständigkeit und profitables Wachstum.

Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp kritisierte zudem die Bewertung der Offerte. "Das in der Bekanntmachung erwartete Umtauschverhältnis enthält faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre", sagte sie. Zugleich betonte sie: Man sei überzeugt "von der Stärke und dem Potenzial unserer Strategie, die auf Eigenständigkeit und profitables Wachstum setzt".

Details des Tauschangebots für die Commerzbank-Aktie

UniCredit will den Aktionären der Commerzbank ein Tauschangebot unterbreiten. Vorgesehen ist nach Erwartung der Bieterin eine Gegenleistung von voraussichtlich 0,485 neue Stammaktien von UniCredit für jede angediente Commerzbank-Aktie. Das entspricht einem Preis von rund 30,80 Euro je Aktie und bewertet die Commerzbank mit etwa 35 Milliarden Euro.

Die neuen Aktien sollen im Rahmen einer Kapitalerhöhung ausgegeben werden, an der ausschließlich die Aktionäre der Commerzbank teilnehmen können. Offiziell soll das Angebot im Mai vorgelegt werden, mit einer Angebotsfrist von vier Wochen. Bis spätestens 4. Mai will UniCredit eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Die Commerzbank-Hauptversammlung ist für den 20. Mai geplant. Für die Commerzbank-Aktie ist damit klar: Die Entscheidung liegt nicht bei der Bank selbst, sondern bei den Aktionären.

Commerzbank-Unicredit-Übernahme: Italienische Großbank drängt über die 30-Prozent-Schwelle

UniCredit ist bereits heute der größte Anteilseigner der Commerzbank. Laut Mitteilung hält das Institut direkt rund 26,02 Prozent des Grundkapitals. Zusätzlich bestehen Total-Return-Swaps auf weitere rund 3,97 Prozent der Anteile. An anderer Stelle ist von 26 Prozent direkt und insgesamt 29,9 Prozent inklusive Finanzinstrumenten die Rede. Ab 30 Prozent wäre UniCredit gesetzlich zu einer Übernahmeofferte verpflichtet.

Mit dem Schritt will die italienische Bank nun die wichtige 30-Prozent-Schwelle überschreiten. UniCredit erklärte zugleich, sie erwarte, eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent an der Commerzbank zu erreichen, "ohne die Kontrolle zu erlangen". Das wäre laut Text erst ab 50 Prozent der Fall. Die Commerzbank-Übernahme bleibt damit in einer entscheidenden Phase.

Widerstand gegen die Commerzbank-Übernahme

Die Commerzbank-Übernahme stößt in Deutschland auf breite Ablehnung. Die Bundesregierung stellt sich weiter gegen eine Übernahme der Commerzbank durch UniCredit. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums erklärte, man sehe eine feindliche Übernahme "unverändert kritisch". Der Bund unterstütze die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank. Der Staat hält rund zwölf Prozent der Anteile.

Auch Verdi lehnt eine Übernahme ab und warnt vor einem Stellenabbau in großem Stil. Die Gewerkschaft verweist auf die Hypovereinsbank, die 2005 von UniCredit übernommen wurde und seitdem stark geschrumpft ist. Aus Sicht von Verdi ist eine eigenständige Commerzbank "die beste Ausgangslage für sichere Arbeitsplätze". Betriebsratschef Sascha Uebel nannte das Vorgehen "geschäftsschädigend" und sagte: "Das ist die nächste Stufe der Unverschämtheit. Das ist nicht nur unabgestimmt, das ist feindlich."

Was eine Commerzbank-Unicredit-Übernahme für die Commerzbank-Aktie bedeutet

Für Anleger bleibt die Commerzbank-Aktie damit zwischen Übernahmefantasie und Widerstand gefangen. Einige Investoren drängen auf einen "konstruktiven Dialog" mit UniCredit-Chef Andrea Orcel. Analysten sehen in der Offerte einen Schachzug, weil UniCredit so ihr Interesse an der Commerzbank untermauert und zugleich ihren Spielraum vergrößert.

An der Börse reagierte die Commerzbank-Aktie deutlich: Auf XETRA legt die Commerzbank-Aktie am Montag zeitweise 89,46 Prozent zu auf 32,39 Euro, während Titel von UniCredit in Mailand um 0,87 Prozent auf 64,05 Euro zulegen. Analyst Roger Degen hält den Angebotspreis allerdings für zu gering; sein Kursziel für Commerzbank-Papiere beträgt aktuell 38 Euro.

Fest steht: Die Commerzbank-Aktie bleibt eng an die Frage geknüpft, ob UniCredit nur die 30 Prozent überschreiten oder langfristig doch mehr erreichen will. Solange Vorstand und Aufsichtsrat auf Eigenständigkeit setzen und die Commerzbank-Übernahme politisch und gewerkschaftlich umkämpft bleibt, dürfte die Commerzbank-Aktie eines der spannendsten Themen im deutschen Bankensektor bleiben.

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