Finanzen

Neuer Schufa-Score: Was sich beim Schufa-Bewertungssystem jetzt für Verbraucher ändert

Die Schufa krempelt ihr Bewertungssystem um: Der neue Schufa-Score soll transparenter und verständlicher werden. Millionen Verbraucher können erstmals nachvollziehen, wie ihre Kreditwürdigkeit entsteht. Doch bringt das neue System wirklich mehr Fairness – oder entstehen neue Risiken für bestimmte Gruppen?
17.03.2026 11:15
Lesezeit: 3 min
Neuer Schufa-Score: Was sich beim Schufa-Bewertungssystem jetzt für Verbraucher ändert
Mehr Klarheit beim Schufa-Score: Die neuen Regeln sollen Transparenz schaffen. (Foto: dpa) Foto: Andreas Arnold

Schufa-Score wird transparent: Neues Bewertungssystem startet

Die Schufa reformiert ihr Bewertungssystem grundlegend und stellt den Schufa-Score ab sofort transparenter dar. Seit dem 17. März können Verbraucherinnen und Verbraucher erstmals nachvollziehen, wie ihre Kreditwürdigkeit konkret berechnet wird. Das neue Schufa-Bewertungssystem reduziert die bislang rund 250 Datensätze auf nur noch 12 zentrale Kriterien und soll damit die bisherige „Blackbox“ öffnen.

Der Schufa-Score spielt im Alltag eine entscheidende Rolle: Er beeinflusst, ob ein Kredit gewährt wird, eine Wohnung vermietet oder ein Handyvertrag abgeschlossen werden kann. Der Punktewert liegt künftig einheitlich zwischen 100 und 999. Je höher der Schufa-Score, desto besser die Kreditwürdigkeit. Neu ist, dass jede einzelne Einflussgröße klar benannt und gewichtet wird.

Die 12 Kriterien im neuen Schufa-Bewertungssystem im Überblick

Zu den 12 Kriterien im neuen Schufa-Bewertungssystem gehören unter anderem Zahlungsstörungen, das Alter des ältesten Bankvertrags, die Dauer der aktuellen Adresse, bestehende Immobilienkredite sowie die Anzahl von Anfragen und Abschlüssen bei Girokonten oder Kreditkarten in den vergangenen zwölf Monaten. Auch der Kreditstatus und laufende Ratenkredite fließen in den Schufa-Score ein. Damit sollen Verbraucher den Schufa-Score künftig selbst berechnen und sogar simulieren können.

Laien können, so das Versprechen der Auskunftei mit Sitz in Wiesbaden, ohne großen Aufwand nachrechnen, wie die Angaben zur Kreditwürdigkeit zustande komme. Für die zwölf Kriterien werden Punkte vergeben, in Summe 100 bis 999:

  • Alter der ältesten Kreditkarte
  • Alter der aktuellen Adresse
  • Anzahl von Anfragen und Abschlüssen für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen 12 Monaten
  • Kredit mit der längsten Restlaufzeit
  • Anzahl von Anfragen im Bereich Telekommunikation & (Online)-Handel in den vergangenen 12 Monaten
  • Alter des ältesten Bankvertrags
  • Immobilienkredit oder Bürgschaft
  • Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen 12 Monaten
  • Kreditstatus
  • Vorliegen einer Identitätsprüfung
  • Jüngster Rahmenkredit
  • Zahlungsstörungen

"Jedes Kriterium, das in den Score einfließt, erhält Punkte, die ganz einfach zusammengerechnet werden können und die Gewichtung im Score widerspiegeln", erläutert die Schufa. Je höher die Gesamtpunktzahl, umso besser die Bonität des Verbrauchers, also die Wahrscheinlichkeit, dass Rechnungen pünktlich bezahlt und Kredite zuverlässig getilgt werden.

Schufa-Score jederzeit abrufbar über Schufa-App und Registrierung

Die Nutzung der Schufa-App erfolgt über einen neuen Schufa-Account, für den unter app.schufa.de eine Registrierung erforderlich ist – inklusive Identitätsprüfung etwa über den elektronischen Personalausweis oder per PIN-Brief. Damit wird der Schufa-Score erstmals jederzeit kostenlos abrufbar. Allerdings berichten Beobachter aktuell von Wartelisten beim Zugang.

Die Reform des Schufa-Bewertungssystems ist auch eine Reaktion auf Urteile des Europäischen Gerichtshofs aus den Jahren 2023 und 2025, die mehr Transparenz bei Scoring-Verfahren fordern. Ziel ist es, dass Verbraucher ihre Kreditwürdigkeit besser verstehen und gezielt verbessern können. So zeigt ein Beispiel: Wer mit 18 Jahren ein Girokonto mit Dispokredit und Kreditkarte eröffnet und eine Wohnung bezieht, startet mit 655 Punkten. Nach einem Jahr steigt der Schufa-Score bei ordnungsgemäßem Verhalten auf 742 Punkte, nach drei Jahren auf 789 Punkte.

Kritik am Schufa-Score: Nachteile für junge Verbraucher

Trotz dieser Neuerungen bleibt Kritik bestehen. Verbraucherschützer warnen, dass bestimmte Gruppen weiterhin benachteiligt werden könnten. Gerade junge Menschen hätten es schwer, einen hohen Schufa-Score zu erreichen, da ihnen die notwendige Kredithistorie fehlt. Auch häufige Anbieterwechsel oder Bonitätsabfragen könnten sich negativ auf die Kreditwürdigkeit auswirken.

Ein weiteres Problem sind mögliche fehlerhafte Einträge. Laut Experten kommt es immer wieder vor, dass unberechtigte Forderungen gemeldet werden. Diese können den Schufa-Score erheblich verschlechtern und damit die Kreditwürdigkeit beeinträchtigen. Betroffene müssen dann selbst aktiv werden, um Korrekturen durchzusetzen.

Dabei zeigt sich ein weiteres Defizit: Viele Verbraucher nutzen die neuen Möglichkeiten bislang kaum. Laut einer Verivox-Umfrage haben 55,6 Prozent der Deutschen ihren Schufa-Score noch nie abgerufen. Von 1.002 Befragten wusste zudem nur etwa jeder Zehnte, wie die Kreditwürdigkeit überhaupt berechnet wird. Gleichzeitig betont die Schufa, dass über 90 Prozent der gespeicherten Daten ausschließlich positive Einträge seien.

Schufa-Score bleibt entscheidend für Kredite und Verträge

Die Bedeutung des Schufa-Score bleibt dennoch hoch. Banken, Vermieter und Unternehmen greifen regelmäßig auf diese Daten zurück, um Risiken einzuschätzen. Eine schlechtere Bewertung kann Kredite verteuern oder Vertragsabschlüsse verhindern.

Verbraucherschützer empfehlen daher, die eigenen Daten regelmäßig zu überprüfen – unabhängig von der Schufa-App. Eine kostenlose Datenkopie kann direkt bei der Schufa beantragt werden. So lassen sich Fehler erkennen und korrigieren, bevor sie sich negativ auf den Schufa-Score und die Kreditwürdigkeit auswirken.

Der neue Schufa-Score: Mehr Transparenz, aber nicht ohne Risiken

Die Reform des Schufa-Bewertungssystems markiert einen wichtigen Schritt hin zu mehr Transparenz beim Schufa-Score und der Kreditwürdigkeit. Verbraucher erhalten erstmals nachvollziehbare Einblicke und können ihr Verhalten gezielter steuern. Gleichzeitig bleiben strukturelle Probleme bestehen: Junge Menschen und bestimmte Nutzergruppen könnten weiterhin benachteiligt werden, und fehlerhafte Daten bergen Risiken. Die Schufa-App erleichtert zwar den Zugang, ersetzt jedoch nicht die Eigenverantwortung. Wer seine Kreditwürdigkeit langfristig verbessern will, muss den Schufa-Score regelmäßig prüfen und aktiv auf korrekte Daten achten.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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