Wirtschaft

Preissprung am Gasmarkt: Golf-Krise gefährdet Winter-Vorsorge

Die Eskalation im Persischen Golf erreicht die deutschen Heizungskeller: Durch die Angriffe auf Energieträger steigen die Gaspreise massiv an, was die Wiederbefüllung der Speicher zur riskanten Wette macht. Speicher-Betreiber schlagen nun Alarm: Ohne gezielte Anreize droht die Vorbereitung auf die nächste Heizperiode ins Stocken zu geraten, da das hohe Preisniveau die wirtschaftliche Einlagerung für den kommenden Winter fast unmöglich macht.
17.03.2026 13:17
Lesezeit: 2 min
Preissprung am Gasmarkt: Golf-Krise gefährdet Winter-Vorsorge
Iranische Angriffe im Persischen Golf treiben TTF-Gaspreise auf 52 Euro je MWh. Warum die Wiederbefüllung deutscher Gasspeicher zum Risiko wird (Foto: dpa).

Gasbörse reagiert: Drohnenangriffe treiben TTF-Preis über 52 Euro

Der Preis für europäisches Erdgas steigt nach weiteren Angriffen des Iran auf die Energiewirtschaft am Persischen Golf. Der Preissprung wird nach Einschätzung von Experten das Anlegen von Vorräten für den kommenden Winter in Deutschland erschweren.

An der Börse in Amsterdam legte die Notierung für den richtungweisenden Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat im frühen Handel um mehr als zwei Prozent auf 52,10 Euro je Megawattstunde (MWh) zu.

Zuletzt hat der Iran seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Persischen Golf verstärkt. Der Betrieb eines Erdgasfeldes in den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde eingestellt, während die Behörden die Schäden durch einen Drohnenangriff begutachteten.

Seit Kriegsbeginn Preisanstieg um mehr als 60 Prozent

Die Angriffe Teherans intensivieren sich zu einem Zeitpunkt, an dem sich Sorgen vor Lieferengpässen verstärken, nachdem der Krieg im Nahen Osten in seine dritte Woche geht.

Die starken Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus am Persischen Golf beginnen sich vor allem auf Verbraucher in Asien auszuwirken, die auf Lieferungen aus der Golfregion besonders angewiesen sind und zuletzt auch auf dem europäischen Markt verstärkt Gas nachfragten.

Betreiber: Wiederbefüllung der Gasspeicher große Herausforderung

Mit dem Preisanstieg hat sich europäisches Erdgas seit Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran um mehr als 60 Prozent verteuert. Wegen des Preissprungs wird die Wiederbefüllung der deutschen Gasspeicher in diesem Jahr nach Einschätzung von Speicherbetreibern eine große Herausforderung.

Nach Angaben der Initiative Energien Speichern (Ines) führt die Schließung der Straße von Hormus zwar nicht unmittelbar zu technischen Einschränkungen für die Gasversorgung Europas oder die Befüllung der Speicher in Deutschland. Sie habe jedoch zu erheblichen Preissteigerungen auf den globalen LNG-Märkten geführt. Der daraus resultierende Bieterwettbewerb zwischen Asien und Europa treibe die Preise nach oben.

In der Folge habe sich der saisonale Sommer-Winter-Spread - also die Differenz zwischen dem Gaspreis im Winter und dem Gaspreis im Sommer - ins Negative gedreht. Gas sei für den kommenden Winter derzeit günstiger als für den Sommer verfügbar. „Damit fehlen dem Markt derzeit jegliche ökonomischen Anreize zur Einspeicherung von Gas in die Speicher.“ Vor dem Hintergrund der historisch niedrigen Ausgangsfüllstände nach dem Winter stelle dies ein erhebliches Risiko für die Vorbereitung der kommenden Winterversorgung dar.

Aktuelle Entwicklungen zeigen Reformbedarf

„Die Versorgung für den restlichen Winter ist gesichert. Die eigentliche Herausforderung liegt jetzt vor uns – bei der Wiederbefüllung der Speicher für den kommenden Winter“, sagte Ines-Geschäftsführer Sebastian Heinermann.

„Der Status quo ist nicht tragfähig – bestehende Mechanismen sichern die Gasversorgungssicherheit nicht ausreichend ab, weil die Anreize zur Befüllung der Gasspeicher unzureichend sind.“ Der gesetzliche und regulatorische Rahmen müsse weiterentwickelt werden. Die Situation derzeit zeige zudem, dass geopolitische Schocks die Marktanreize in kürzester Zeit vollständig aushebeln könnten, teilte der Verband Ines mit.

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