Finanzen

Wertpapiere statt Tagesgeld: Sparkassen planen eigenes Neo-Broker-Modell

Deutschlands Sparkassen blasen zum Angriff auf die moderne Konkurrenz: Um mehr Kunden vom klassischen Sparbuch an den Aktienmarkt zu locken, setzt der Verband verstärkt auf das Modell der Neo-Broker. Ziel ist es, privates Kapital massiv zu mobilisieren und direkt in europäische Investitionen zu lenken. DSGV-Präsident Ulrich Reuter fordert hierfür einen politischen Kurswechsel, der den „ganz normalen Privatanleger“ stärker als Motor für die europäische Wirtschaft ins Zentrum rückt.
17.03.2026 13:42
Lesezeit: 1 min

Tagesgeld: Beliebt, aber oft unrentabel

"Wir regen an, gemeinsam neue Modelle für eine Mobilisierung privaten Kapitals für europäische Infrastrukturen zu entwickeln. Und dem mindestens genau so viel Aufmerksamkeit wie einer europäischen Kapitalmarktunion zu schenken", sagte Reuter.

Tatsächlich schlummern gewaltige Summen auf meist niedrig verzinsten Tagesgeldkonten - auch bei den öffentlich-rechtlichen Sparkassen, die dafür nach Analysen von Vergleichsportalen wie Verivox im Schnitt sogar noch weitaus weniger Zinsen zahlen als überregionale Kreditinstitute.

Die - in aller Regel unverzinsten - Sichteinlagen bei den 339 Sparkassen erhöhten sich 2025 im Vergleich zum Vorjahr um fast 48 Milliarden Euro auf 845,1 Milliarden Euro. "Gerade in unsicheren Zeiten will man liquide bleiben. Faktisch verliert man damit aber Geld", sagte Reuter.

Zwar investierten die Privatkunden der Sparkassen der Jahresbilanz zufolge auch stärker in Wertpapiere wie Fonds und ETFs: Der Nettoabsatz, also Käufe minus Verkäufe, lag mit 18,4 Milliarden Euro deutlich über dem Vorjahresergebnis. Vor allem mit Blick auf das Rekordjahr 2023 sei aber noch Luft nach oben, sagte Reuter.

Wertpapierhandel soll einfacher werden

Mit "S-Neo" ermöglichen die Sparkassen künftig den Handel von mehr als 21.000 Wertpapieren direkt in der App. Zunächst soll das Angebot den 19,8 Millionen Nutzerinnen und Nutzern der Sparkassen-App zur Verfügung stehen, perspektivisch soll es auch für Menschen geöffnet werden, die bislang noch keine Sparkassenkunden sind.

"Die Preisentscheidung liegt bei den Instituten selbst. Ich habe aber die Erwartung, dass S-Neo in der Angebotsbreite und bei den Preisen absolut wettbewerbsfähig zu anderen Neo-Brokern sein wird", sagte Reuter. "Wir glauben sogar, dass wir im Gesamtpaket besser sein werden als jeder heutige Neo-Broker."



Bilanziert wird im nächsten Jahr. Für 2025 ergab sich für die Sparkassen nach vorläufigen Zahlen ein Vorsteuergewinn von 7,9 (2024: 7,4) Milliarden Euro. Unter dem Strich stehen unverändert 2,8 Milliarden Euro Überschuss.

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