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Biotech-Strategie: Warum Gubra bewusst auf spätere Deals setzt

Ein Biotech-Unternehmen stellt seine Strategie radikal um und geht bewusst höhere Risiken ein. Gubra will Wirkstoffe länger selbst entwickeln, um deutlich höhere Milliarden-Deals zu erzielen. Damit verschiebt sich die Logik der Branche. Entscheidend wird, ob Mut und Kapital am Ende tatsächlich mehr Wert schaffen
29.03.2026 05:45
Lesezeit: 3 min
Biotech-Strategie: Warum Gubra bewusst auf spätere Deals setzt
Vorstandschef Markus Rohrwild treibt bei Gubra eine riskantere Biotech-Strategie für höhere Unternehmenswerte voran. (Foto: Louise Munch Blicher/Gubra)

Biotech-Strategie: Mehr Risiko für höhere Lizenzwerte

Das dänische Biotech-Unternehmen Gubra will seine Strategie grundlegend anpassen und künftig stärker in eigene Wirkstoffe investieren. Ziel ist es, bei späteren Lizenzdeals deutlich höhere Bewertungen zu erzielen. Vorstandschef Markus Rohrwild erklärt im Interview mit unseren Kollegen von Børsen, dass das Unternehmen bewusst mehr Risiko eingehen will, um langfristig mehr Wert zu schaffen.

Im vergangenen Jahr schlossen sowohl Gubra als auch Zealand Pharma Partnerschaften für Medikamente zur Gewichtsreduktion aus der Amylin-Klasse ab. Allerdings liegt das potenzielle Vertragsvolumen bei Zealand Pharma um rund 2,68 Milliarden Euro höher. Die Differenz erklärt sich vor allem durch den unterschiedlichen Zeitpunkt der Lizenzvergabe. Während Zealand Pharma seine Wirkstoffe bis in eine fortgeschrittene klinische Phase entwickelte, suchte Gubra frühzeitig Partner. Genau das will das Unternehmen künftig ändern. Rohrwild spricht von einem strategischen Wendepunkt und kündigt eine Phase starken Wachstums an.

"Wir wollen die Wertschöpfung künftig optimieren, da ein klinischer Wirksamkeitsnachweis entscheidend ist, bevor man Wirkstoffe zu günstig abgibt", sagt Rohrwild. Künftig sollen neue Wirkstoffe mindestens die erste klinische Phase durchlaufen und idealerweise bereits in der mittleren Entwicklungsphase sein, bevor Gubra über Partnerschaften nachdenkt. Das erhöht zwar den Kapitalbedarf, verspricht aber höhere Erlöse. "Das Wichtigste ist, mutig zu sein, aber nicht unvernünftig. Es erfordert höhere Investitionen, aber nicht dramatisch mehr", so Rohrwild.

Biotech-Investitionen: Risiko gezielt steuern

Die Biotech-Branche gilt grundsätzlich als kapitalintensiv und risikoreich. Für Gubra bedeutet das, Investitionen sorgfältig auszuwählen und gezielt einzusetzen. Anders als viele Wettbewerber verfügt das Unternehmen über eine eigene Forschungsdienstleistungseinheit, die Aufträge für andere Biotech- und Pharmafirmen übernimmt. Diese Einnahmen dienen als stabile Finanzierungsquelle für riskantere Eigenprojekte. Rohrwild sieht darin eine solide Grundlage, um die eigene Pipeline weiter auszubauen. Gubra habe bereits mehrere vielversprechende Wirkstoffe entwickelt. Dazu zählen potenzielle Blockbuster-Medikamente, die in Kooperation mit dem US-Konzern Abbvie und dem deutschen Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim entstehen.

Ein zentraler Hoffnungsträger ist der Wirkstoff UCN2. Rohrwild bewertet ihn als besonders innovativ, da er nicht nur Gewichtsverlust ermöglicht, sondern gezielt Fett reduziert und gleichzeitig Muskelmasse erhält. Darüber hinaus könnten positive Effekte auf Herz- und Nierenfunktionen hinzukommen. "Ich könnte heute bereits eine Partnerschaft für dieses Medikament eingehen", sagt Rohrwild. "Aber dann würden wir auf den großen Wertzuwachs verzichten." Stattdessen will Gubra den optimalen Zeitpunkt für Partnerschaften abpassen, um maximale Erlöse zu erzielen.

Amylin-Medikamente: Wettbewerb mit Novo Nordisk und Eli Lilly

Die Einnahmen aus bestehenden Partnerschaften mit Abbvie und Boehringer Ingelheim sowie die Erlöse aus der Auftragsforschung sollen künftig in neue Wirkstoffkandidaten fließen. Zusätzlich baut Gubra ein Venture-Geschäft auf, um externe Projekte zu identifizieren und gemeinsam mit Investoren weiterzuentwickeln. "Ich sehe das als Verstärker für unsere Wertschöpfung", erklärt Rohrwild. Neben der eigenen Forschung eröffnet das Venture-Modell neue Investitionsmöglichkeiten in angrenzenden Bereichen wie Antikörpern oder Proteintherapien, insbesondere im Umfeld von Adipositas und Stoffwechselerkrankungen.

Im Jahr 2025 erzielte Gubra einen Umsatz von rund 348 Millionen Euro. Der operative Gewinn lag bei rund 295 Millionen Euro. Allein aus der Kooperation mit Abbvie erhielt Gubra eine Vorauszahlung von 350 Millionen Dollar sowie potenzielle Meilensteinzahlungen von bis zu 1,875 Milliarden Dollar. Im März veröffentlichte Studiendaten zeigen, dass ein Amylin-Wirkstoff von Gubra nach zwölf bis 13 Wochen eine Gewichtsreduktion von rund 8 bis 10 Prozent erreicht. Am Aktienmarkt fiel die Reaktion zunächst verhalten aus. Investoren bezweifeln, ob das Medikament mit Konkurrenzprodukten etwa von Eli Lilly mithalten kann. Rohrwild widerspricht dieser Einschätzung. "Zehn Prozent Gewichtsverlust bei gesunden Personen ist ein sehr starkes Ergebnis. Bei stark übergewichtigen Patienten könnte der Effekt noch deutlich größer sein", sagt er. Zudem seien die Studienteilnehmer überwiegend Männer gewesen, die in der Regel weniger Gewicht verlieren als Frauen.

Amylin-basierte Medikamente gelten als nächste Generation von Abnehmtherapien. Neben Novo Nordisk und Eli Lilly arbeiten auch Zealand Pharma und Roche an entsprechenden Wirkstoffen. Trotz des intensiven Wettbewerbs sieht Gubra weiterhin Chancen für seine Produkte.

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