Unternehmen

Sinkender Bierkonsum: Ostdeutsche Traditionsbrauerei Mauritius meldet Insolvenz

Überteuerte Rohstoffpreise und sinkender Bierkonsum bedrohen 165 Jahre Brautradition aus Sachsen: Mauritius Brauerei aus Zwickau hat Insolvenz beantragt. Die Traditionsbrauerei wurde 2018 von der Stuttgarter Brauerei Dinkelacker Schwaben Bräu übernommen. Eine Kooperation mit Rewe soll Rettung bringen.
27.03.2026 14:19
Lesezeit: 2 min

Zwickauer Mauritius Brauerei meldet Insolvenz an

Die Zwickauer Mauritius Brauerei hat Insolvenz angemeldet. Ein entsprechender Antrag des Unternehmens ist am Dienstag beim Chemnitzer Amtsgericht eingegangen, wie das Gericht der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Zuvor hatte die Chemnitzer "Freie Presse" berichtet.

Zum Insolvenzverwalter wurde der Fachanwalt für Insolvenzrecht Henry Girbig bestellt, teilte das Gericht mit. Gründe für die Insolvenz wurden bisher nicht genannt. Die Kanzlei des Insolvenzverwalters und auch die Brauerei wollten sich zunächst nicht äußern. Nach dpa-Informationen findet aktuell vor Ort ein Gespräch über die nächsten Schritte statt.

Die nach eigenen Angaben mehr als 160 Jahre alte Zwickauer Mauritius Brauerei war 2018 von der Stuttgarter Dinkelacker-Schwaben Bräu GmbH & Co. KG und dem geschäftsführenden Gesellschafter Jörg Dierig übernommen worden. Dierig war zuvor Geschäftsführer der Oettinger Brauerei.

Die Mauritius Brauerei ist vor allem in Ostdeutschland bekannt. Vom Mauritius Pilsner über Dunkel Bock bis hin zu einem Trabi-Bier deluxe in der Dose reicht das Sortiment, das in den Supermarktregalen der Region zu finden ist.

Neue Eigenmarke „Kosmonaut" als möglicher Rettungsanker

Erst 2025 brachte die Brauerei in Zusammenarbeit mit der Supermarktkette Rewe ein neues Produkt auf den Markt: die Eigenmarke „Kosmonaut", ein helles Feierabendbier, das in den Rewe-Ost-Märkten in Thüringen, Brandenburg, Berlin, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt verkauft wird. Nach Informationen der B.Z. könnte der langfristige Vertrag mit Rewe entscheidend dazu beitragen, das Überleben der Traditionsbrauerei zu sichern.

Ob die Kombination aus Preiserhöhungen, der Rewe-Kooperation und dem Sanierungsverfahren ausreicht, um die Mauritius Brauerei dauerhaft zu retten, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Sächsischer Brauerbund beklagt dramatische Lage

Die Insolvenz erfolgt vor dem Hintergrund eines schrumpfenden Biermarkts in Sachsen. Im vergangenen Jahr setzten die Brauereien im Freistaat rund 620 Millionen Liter ab, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das entspricht einem Rückgang um etwa 6,9 Prozent. Bundesweit schrumpfte der Biermarkt im selben Zeitraum um 6 Prozent – so stark wie noch nie seit der Wiedervereinigung.

Steffen Dittmar, Präsident des Sächsischen Brauerbundes, sprach von einer dramatischen Lage. „Mindestlohn, Energiekosten und Bürokratie seien zusätzliche Belastungen für die Brauereibranche“, zitierte die DPA den Verbandspräsidenten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KfW-Gründerkredite: 225 Millionen Euro zugesagt – doch Banken werden strenger
31.10.2026

Die staatliche Förderbank KfW hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Gründerkredite zugesagt. Gleichzeitig verschärfen deutsche...

DWN
Immobilien
Immobilien Gebäudetyp E: Weniger Extras sollen den Wohnungsbau günstiger machen
31.10.2026

Weniger Steckdosen, dünnere Decken und niedrigere Baukosten: Der Gebäudetyp E soll den Wohnungsbau in Deutschland erleichtern. Ein neuer...

DWN
Panorama
Panorama Volvo ebenso verdächtig wie BYD: Polnisches Militär verhängt Verbot für Friedhofsparkplätze
31.10.2026

Das Militär führt Einschränkungen für Autofahrer ein, die rund um Allerheiligen den Parkplatz am Osobowicki-Friedhof in Breslau nutzen...