Politik

Iran-Krieg spitzt sich zu: Erwägt Trump einen Rückzug?

Die Zustimmungswerte von Präsident Donald Trump sind so niedrig wie seit Beginn seiner zweiten Amtszeit nicht mehr. Das wirkt sich zunehmend auf die strategische Ausrichtung im Iran-Krieg aus und wirft die Frage auf, wie lange die USA ihr Engagement noch aufrechterhalten.
01.04.2026 15:13
Lesezeit: 3 min

Trump signalisiert Rückzug aus dem Iran-Krieg

Unter den zahlreichen und oft widersprüchlichen Aussagen des US-Präsidenten ragt eine besonders hervor, die erhebliche Risiken für die globale Sicherheit und Wirtschaft birgt. Laut Wall Street Journal hat Trump in Gesprächen mit engen Beratern signalisiert, dass er bereit ist, mit einer zentralen Regel der US-Außenpolitik zu brechen.

Die sogenannte Pottery-Barn-Regel besagt, dass ein Land Verantwortung für einen Konflikt trägt, den es selbst begonnen hat. Trump stellt diese Logik nun infrage und erwägt, sich aus dem gemeinsam mit Israel am 28. Februar begonnenen Krieg zurückzuziehen.

Politischer Druck durch sinkende Zustimmungswerte

Als Hauptgründe gelten steigende Kriegskosten sowie die deutlich gesunkenen Zustimmungswerte. Seit seinem Amtsantritt am 20. Januar des Vorjahres sind diese auf den niedrigsten Stand gefallen. Nur noch 40 Prozent der Befragten bewerten seine Amtsführung positiv, während 56 Prozent unzufrieden sind.

Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit lag die Zustimmung noch bei 52 Prozent, während 43 Prozent ablehnend waren. Parallel dazu sind die Benzinpreise infolge des Konflikts und der Blockade der Straße von Hormus auf über vier Dollar pro Gallone gestiegen.

Diese Entwicklung trifft eine zentrale Wählergruppe kurz vor den Zwischenwahlen am 3. November. Dort entscheidet sich, ob die Republikaner ihre Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses behalten können, wobei insbesondere das Repräsentantenhaus als gefährdet gilt.

Europa und Golfstaaten sollen die Kontrolle übernehmen

Vor diesem Hintergrund zeigt sich Trump offenbar bereit, den Krieg zu beenden, ohne eine gesicherte Kontrolle über die Straße von Hormus herzustellen. Stattdessen will er die Verantwortung auf europäische Staaten und Länder am Persischen Golf übertragen.

Diese Position steht im Kontext weiterer Aussagen, in denen Trump innerhalb kurzer Zeit auch militärische Eskalationen angedeutet hat, darunter mögliche Angriffe auf iranische Infrastruktur. Solche Schritte würden als schwere Verstöße gegen das Völkerrecht gewertet.

In sozialen Medien forderte Trump europäische Staaten offen auf, eigenständig militärisch aktiv zu werden. Länder wie Großbritannien sollten Mut zeigen, zur Straße von Hormus fahren und sich dort selbst mit Treibstoff versorgen.

Kritik an Europas Rolle widerspricht den tatsächlichen Abläufen

Gleichzeitig kritisierte Trump Verbündete, die sich nicht an den Angriffen auf den Iran beteiligt hatten. Diese Darstellung steht jedoch im Widerspruch zu den tatsächlichen Abläufen, da europäische Staaten weder eingebunden noch vorab informiert waren.

Trump erklärte zudem, die schwierigste Phase des Konflikts sei bereits überwunden und Europa könne nun auf ausreichende Ressourcen aus den USA zurückgreifen. Diese Einschätzung wird jedoch von zahlreichen Experten nicht geteilt. Sollten sich die USA militärisch zurückziehen, wäre selbst ein geschwächtes iranisches Regime weiterhin in der Lage, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus erheblich zu beeinträchtigen.

Strategische Bedeutung der Straße von Hormus für die Weltwirtschaft

Die Bedeutung dieser Route reicht weit über Öl und Gas hinaus. Sie betrifft auch den Transport von Düngemitteln, die globale Lebensmittelversorgung, industrielle Rohstoffe sowie zentrale Lieferketten vieler Industrien.

Der Iran hat erkannt, dass die Kontrolle über diese Passage ein wirkungsvolles Druckmittel darstellt, ähnlich wie China im Handelskonflikt mit den USA den Zugang zu seltenen Erden genutzt hat. Damit verschiebt sich das Kräfteverhältnis im Konflikt deutlich. Die Straße von Hormus wird zunehmend zu einem geopolitischen Hebel mit globaler Wirkung.

Warnungen vor einem vorschnellen Rückzug der USA

Suzanne Maloney, Iran-Expertin und Vizepräsidentin der Brookings Institution, bezeichnet ein Ende militärischer Operationen ohne Sicherung der Seewege als äußerst verantwortungslos. USA und Israel könnten sich ihrer Verantwortung für die Folgen des Konflikts nicht entziehen.

Sie betont, dass die Energiemärkte global verflochten sind und wirtschaftliche Schäden nicht auf einzelne Länder begrenzt bleiben. Eine anhaltende Blockade der Straße von Hormus würde die Auswirkungen deutlich verschärfen. Zugleich fehlt bislang eine klare Strategie zur Wiedereröffnung der Passage. Das iranische Parlament hat ein Gesetz verabschiedet, das Gebühren von rund zwei Millionen Dollar pro Schiff vorsieht.

Dilemma zwischen wirtschaftlichen Risiken und geopolitischen Folgen

Sollte die militärische Bedrohung bestehen bleiben, könnte dieses Modell zur Realität werden. Angesichts der Bedeutung der Route könnten Reedereien und Staaten gezwungen sein, diese Kosten zu akzeptieren. Dies würde dem Iran täglich erhebliche Einnahmen sichern und seine geopolitische Position weiter stärken, etwa durch verstärkte Unterstützung regionaler Akteure und engere Kooperation mit Russland.

Für Europa, die USA und die Nachbarstaaten Irans entsteht damit ein strategisches Dilemma. Einerseits droht bei einer Blockade eine massive Belastung der Weltwirtschaft, andererseits würde eine finanzielle Stärkung Teherans langfristige sicherheitspolitische Risiken erhöhen.

Deutschlands Industrie unter wachsendem Druck

Für Deutschland und die europäische Wirtschaft sind die Entwicklungen von zentraler Bedeutung. Steigende Energiepreise und gestörte Lieferketten könnten Industrieproduktion, Inflation und Wachstum spürbar belasten.

Zugleich wächst der Druck auf Europa, sicherheitspolitisch eigenständiger zu handeln und kritische Infrastruktur wie die Straße von Hormus aktiv abzusichern. Entscheidend wird sein, ob die EU hierzu politisch und militärisch in der Lage ist oder weiterhin auf die USA angewiesen bleibt.

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