Wirtschaft

Porsche kämpft mit schwachen Zahlen: Wie Michael Leiters den Kurs verbessern will

Porsche steht nach schwachen Geschäftszahlen und sinkenden Margen vor einer tiefgreifenden Neuausrichtung unter CEO Michael Leiters. Gelingt es dem Porsche-CEO, den Sportwagenhersteller wieder auf Wachstumskurs zu bringen?
11.04.2026 16:04
Lesezeit: 3 min

Porsche-CEO Michael Leiters übernimmt in schwieriger Phase

Seit dem 1. Januar verantwortet Michael Leiters das operative Geschäft von Porsche nach einem turbulenten Jahr 2025. Auf seinem bisherigen Karriereweg hat er internationale Erfahrung gesammelt und betont, dass im Geschäft vor allem die Menschen entscheidend sind.

Porsche gehört traditionell zu den begehrtesten Automarken weltweit, bleibt aufgrund hoher Preise jedoch einer wohlhabenden Kundschaft vorbehalten. Während die Nachfrage über Jahrzehnte hinweg stabil war, zeigt sich inzwischen eine deutliche Abschwächung.

Im vergangenen Jahr lag der Absatz bei 279.449 Fahrzeugen und damit rund zehn Prozent unter dem Vorjahreswert von mehr als 310.000 Einheiten. Für den Sportwagenhersteller markiert dies eine spürbare Trendwende.

Auch die Geschäftszahlen fallen entsprechend schwächer aus. Der Umsatz sank von 40,08 Milliarden Euro auf 36,27 Milliarden Euro, während der operative Gewinn von 5,64 Milliarden Euro auf 413 Millionen Euro einbrach. Die operative Marge ging von 14,1 Prozent auf 1,1 Prozent zurück.

Wachsender Druck zwingt zu klaren Maßnahmen

Die Entwicklung erhöht den Druck auf das Management erheblich und macht die Rolle des Vorstandsvorsitzenden derzeit besonders anspruchsvoll. Michael Leiters, der das Amt von Oliver Blume übernommen hat, setzt auf eine grundlegende Neuausrichtung.

Das Unternehmen soll umfassend umgebaut, effizienter strukturiert und schneller werden. Gleichzeitig soll die Attraktivität der Modelle weiter gesteigert werden, um die Nachfrage wieder zu stabilisieren.

Teil dieser Strategie ist ein konsequenter Sparkurs. Bis 2030 plant Porsche den Abbau von 3.900 Stellen und will sich stärker auf besonders profitable und ikonische Sportmodelle konzentrieren. Leiters zeigt sich dennoch zuversichtlich und erwartet für das laufende Jahr eine operative Marge von mindestens 5,5 Prozent. Damit würde sich die Profitabilität gegenüber dem Vorjahr deutlich verbessern.

Internationale Erfahrung prägt den Führungsansatz

Leiters verfügt über umfangreiche Erfahrung in der internationalen Automobilindustrie. Zwischen 2022 und 2025 leitete er McLaren und trieb dort die Elektrifizierung sowie neue Designkonzepte voran.

Unter seiner Führung brachte das Unternehmen vier neue Modelle auf den Markt, darunter den 750S, der voraussichtlich das letzte reine Verbrennermodell sein dürfte. Die strategische Ausrichtung auf elektrifizierte Antriebe ist damit klar vorgegeben.

Porsche kennt Leiters bereits aus früheren Jahren. Zwischen 2000 und 2013 war er im Unternehmen tätig, unter anderem als Projektmanager für die Plug-in-Hybridversion des Cayenne. Anschließend wechselte er zu Ferrari und war dort an der Entwicklung der Hybridmodelle SF90 Stradale und 296 GTB beteiligt. Diese Stationen prägen seinen technologieorientierten Führungsstil bis heute.

Erfahrungen mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen

Der heute 54-jährige Ingenieur hat Maschinenbau an der RWTH Aachen studiert und promoviert. Branchenbeobachter sehen in ihm eine passende Besetzung, da er das Unternehmen und seine Strukturen gut kennt.

Gleichzeitig sieht er sich mit einem anspruchsvollen Marktumfeld konfrontiert. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Umgang mit unterschiedlichen Unternehmenskulturen und internationalen Arbeitsweisen.

Leiters beschreibt den Wechsel zwischen verschiedenen Kulturen als eine der prägendsten Erfahrungen seiner Laufbahn. Entscheidend sei es, zwischen Unternehmenskultur und nationaler Kultur zu unterscheiden.

Während in Deutschland Entscheidungen häufig stark faktenbasiert getroffen werden, spielen in Ländern wie Italien oder Großbritannien persönliche Beziehungen eine größere Rolle. Diese Unterschiede zu verstehen, sei eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Führung.

Anpassungsfähigkeit als Voraussetzung für Führung

In Italien habe er eine offenere und emotionalere Geschäftskultur erlebt, während britische Geschäftspartner zurückhaltender auftreten. Solche Unterschiede hätten ihn vor neue Herausforderungen gestellt.

Um sich darauf einzustellen, musste Leiters nicht nur neue Sprachen lernen, sondern auch kulturelle Besonderheiten im Alltag verstehen. Der Umzug mit der Familie habe ihm dabei geholfen, ein tieferes Verständnis zu entwickeln.

Zu Beginn seiner Karriere hatte er keine klare Vorstellung davon, was es bedeutet, Vorstandsvorsitzender zu sein. Seine Motivation lag zunächst in der Begeisterung für Automobile und Technik. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen in der deutschen Automobilindustrie entschied er sich bewusst für diese Branche. Sie galt bereits damals als anspruchsvoll und erforderte ein hohes Maß an Einsatz und Disziplin.

Entschlossenes Handeln und klare Prinzipien

Im Laufe seiner Karriere entwickelte Leiters ein klares Verständnis von Führung. Neben fachlicher Kompetenz seien Bescheidenheit, Selbstreflexion und Authentizität entscheidend. Gleichzeitig müsse man in der Lage sein, sich auf unterschiedliche Denkweisen einzustellen und flexibel zu reagieren. Gerade in internationalen Organisationen sei dies eine zentrale Voraussetzung.

Leiters betont zudem die Bedeutung von Entschlossenheit. Verzögerte Entscheidungen seien häufig ein Fehler, Führungskräfte müssten auch unter Unsicherheit handlungsfähig bleiben. Rückschläge sieht er als Teil des Lernprozesses. Jede Herausforderung könne dazu beitragen, künftige Entscheidungen fundierter und schneller zu treffen.

Mitarbeiter als entscheidender Erfolgsfaktor

Im Zentrum seines Führungsansatzes stehen Kunden, Produkte und Finanzen. Dennoch hebt Leiters hervor, dass letztlich die Mitarbeiter über den langfristigen Erfolg entscheiden. Mit einem starken Team lasse sich nahezu jede Herausforderung bewältigen. Gerade in einem zunehmend unsicheren globalen Umfeld sei eine leistungsfähige Organisation entscheidend.

Seine eigene Laufbahn sieht er auch durch günstige Umstände geprägt. So habe er etwa bei Ferrari in einer Phase großer Veränderungen gearbeitet und dabei von der Unterstützung des damaligen Managements profitiert. Langfristig wird sich zeigen, ob es ihm gelingt, Porsche wieder auf Wachstumskurs zu führen. Im Jahr 2023 hatte das Unternehmen mit 320.221 verkauften Fahrzeugen noch einen Rekordwert erreicht.

Umbau bei Porsche als Signal für die deutsche Industrie

Die Entwicklung bei Porsche steht exemplarisch für die Herausforderungen der deutschen Automobilindustrie. Sinkende Margen, wachsender Wettbewerb und der technologische Wandel erhöhen den Anpassungsdruck.

Für den Standort Deutschland wird entscheidend sein, wie erfolgreich etablierte Hersteller diesen Wandel gestalten. Der Kurs von Porsche unter Michael Leiters dürfte dabei als wichtiger Indikator für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Branche gelten.

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