Politik

Baltische Luftraumüberwachung wird zum Testfall für Europas Ostflanke

Eine Drohne dringt in estnischen Luftraum ein, kurz darauf kündigt Polen Kampfjets für Ämari an. Was wie ein regionales Signal wirkt, verweist auf eine größere Verschiebung in Europa. Die NATO-Ostflanke wird zum sicherheitspolitischen Prüfstand, an dem auch deutsche Interessen hängen.
26.05.2026 10:00
Lesezeit: 2 min

Polen verstärkt die baltische Luftraumüberwachung in Ämari

Polen wird in diesem Jahr eigene Kampfjets auf den estnischen Luftwaffenstützpunkt Ämari entsenden. Die Maschinen sollen an der baltischen Luftraumüberwachung teilnehmen und die Sicherheit der Region stärken. Das berichten unsere Kollegen von Äripäev.

Estlands Verteidigungsminister Hanno Pevkur traf am 22. Mai in Tallinn den polnischen Vizepremier und Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz. Im Mittelpunkt standen eine engere verteidigungspolitische Zusammenarbeit und die Sicherheitslage in Europa, teilte das estnische Verteidigungsministerium mit. Pevkur sagte, die kürzlich in den estnischen Luftraum eingedrungene und dort von einem Kampfjet abgeschossene Drohne zeige, dass Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine die Sicherheit Estlands unmittelbar betreffe. "Daher freue ich mich mitteilen zu können, dass Polen in diesem Jahr an der baltischen Luftraumüberwachung teilnehmen will, indem es seine Kampfjets auf den Luftwaffenstützpunkt Ämari verlegt. Das ist ein wichtiger und hoch geschätzter Beitrag zur Sicherheit unserer gesamten Region", sagte der Minister.

Estland und Polen sehen gemeinsame Bedrohungen an Europas Ostflanke

Neben einer ähnlichen Einschätzung der Gefahren für Europa und der Bedeutung glaubwürdiger Abschreckung arbeiten Estland und Polen nach Angaben Pevkurs auch in der Verteidigungsindustrie immer enger zusammen. "Gemeinsam mit Polen geben wir den Verbündeten ein Beispiel bei der vereinbarten Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent", sagte Pevkur. Die sich entwickelnde estnische Verteidigungsindustrie könne viel von Polen lernen. Zugleich könne Estland ein wertvoller Partner sein, ergänzte er.

"Als Staaten der Ostflanke arbeiten wir eng mit Polen zusammen, damit Europa sicher bleibt und der Aggressor auf der anderen Seite der Grenze gehalten wird. Wir tragen diese Verantwortung für ganz Europa und benötigen dafür die solidarische Unterstützung der Staaten der Europäischen Union, um Initiativen umzusetzen, die die Sicherheit von uns allen gewährleisten, etwa Eastern Flank Watch", sagte Pevkur.

Deutschland bleibt sicherheitspolitisch indirekt betroffen

Nach dem bilateralen Treffen besuchten die beiden Minister das in Tallinn liegende Mehrzweck-Unterstützungsschiff ORP Kontradmirał Xawery Czernicki der polnischen Marine. Das im Jahr 2000 fertiggestellte Schiff dient als Stabs- und Unterstützungseinheit des polnischen Minenabwehrgeschwaders, teilte das estnische Verteidigungsministerium mit.

Vor seiner Ankunft in Tallinn hatte das Schiff im Rahmen der von der NATO gestarteten Sicherheitsmission Baltic Sentry gemeinsam mit der EML Ugandi in der Ostsee patrouilliert. Zuletzt nahmen beide Schiffe auch an Übungen in lettischen Gewässern teil. Im Tallinner Minenhafen begrüßte zudem der Kommandeur der estnischen Marine, Kommodore Ivo Värk, die Minister.

Für Deutschland ist die Entwicklung sicherheitspolitisch relevant, da die baltische Luftraumüberwachung die Stabilität an der NATO-Ostflanke betrifft und damit auch die Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik berührt.

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