Wirtschaft

Russland stoppt Benzinexporte: Angriffe auf Raffinerien führen zu Exportstopp

Drohnenangriffe treffen Energiesektor: Das russische Gastankschiff "Arctic Mategaz" war Anfang März vor der Küste Libyens nach Explosionen in Brand geraten. Russland wirft der Ukraine vor, das Schiff mit Wasserdrohnen angegriffen zu haben. Daraufhin hat Russland bis Ende Juli einen befristeten Exportstopp für Benzin verhängt.
02.04.2026 21:16
Aktualisiert: 02.04.2026 21:16
Lesezeit: 4 min

Russland stoppt Benzinexporte: Angriffe auf Raffinerien führen zu Exportstopp

Vor der libyschen Küste treibt nach Behördenangaben ein manövrierunfähiger Flüssigerdgastanker unkontrolliert im offenen Mittelmeer. Eine Abschleppoperation des Tankers sei gescheitert, teilte die libysche Hafen- und Seeverkehrsbehörde unter Berufung auf das libysche Such- und Rettungskoordinationszentrum mit. Das Schiff treibe nun "unkontrolliert auf See".

Russischer Gastanker treibt unkontrolliert im Mittelmeer

Das russische Gastankschiff "Arctic Mategaz" war Anfang März vor der Küste Libyens nach Explosionen in Brand geraten. Russland wirft der Ukraine bis heute vor, das Schiff mit Wasserdrohnen angegriffen zu haben. Kiew hat den Vorfall noch nicht offiziell kommentiert. Die 30 Mann starke Besatzung wurde gerettet. Doch seitdem ist das Schiff führerlos. Den libyschen Behördenangaben zufolge sei der Schleppvorgang bisher aufgrund schlechter Wetterbedingungen gescheitert. Das Schleppboot sei unter den "gefährlichen" Wetterbedingungen nicht in der Lage gewesen, den Tanker erneut zu sichern. Alle Schiffe und Marineeinheiten wurden aufgefordert, das Gebiet zu meiden.

Russland exportiert bis Ende Juni kein Benzin mehr

Russland hat jetzt einen bis Ende Juli befristeten Exportstopp für Benzin verhängt. Dies teilte die Regierung in Moskau am Donnerstag mit. Mit der Maßnahme solle der heimische Markt stabilisiert werden, da die Nachfrage während der landwirtschaftlichen Aussaat saisonal hoch sei. Zudem verwies die Regierung auf die weltweit gestiegenen Ölpreise:

Am 27. März hat Russlands Vizepremier Alexander Nowak das Energieministerium angewiesen, ein vorübergehendes Exportverbot für Benzin auszuarbeiten. Wie kreisbote.de und die Weltwoche unter Berufung auf die russische Regierung berichten, soll das Verbot vom 1. April bis zum 31. Juli 2026 gelten – mit dem erklärten Ziel, die Inlandsversorgung zu sichern und steigende Preise zu bremsen. Nowak begründete den Schritt laut t-online ausdrücklich mit starken Preisschwankungen auf dem Weltmarkt infolge des Krieges im Nahen Osten.

Raffinerie in Jaroslawl unter Beschuss

Nach dem Angriff auf das russische Gastankschiff "Arctic Mategaz", kommt der Exportstopp kommt nicht unerwartet. Denn Ende März griffen ukrainische Drohnen bereits die Ölraffinerie Slavneft-YANOS in der Region Jaroslawl an, eine der größten Russlands mit einer Jahreskapazität von rund 15 Millionen Tonnen Erdölprodukte. Wie auch t-online berichtet, bestätigte der Gouverneur der Region Explosionen und Brände – und teilte gleichzeitig mit, die Luftabwehr habe über 30 Drohnen abgeschossen. Russland sprach von weitgehend abgewehrten Angriffen, ukrainische OSINT-Analysten verbreiteten Aufnahmen von Feuer und Rauch auf dem Raffineriegelände.

Die Raffinerie liefert Benzin, Diesel und Kerosin – Produkte, die für die militärische Logistik des russischen Heeres von direkter Bedeutung sind. Das Angriffsziel ist damit kein Zufall, sondern Teil der erklärten ukrainischen Strategie, Russlands Energieinfrastruktur zu treffen.

Doppelter Druck auf Moskaus Energiesektor

Auch die ukrainische militäranalytische Webseite Militarnyi berichtete, dass zudem die Schäden an Lagertanks und technischen Gestellen erkennbar sind. Russische Telegram-Kanäle veröffentlichten am Samstagmorgen Aufnahmen, die zeigen, wie weiterhin Rauch aus Ust-Luga und dem nahegelegenen Primorsk aufsteigt. Experten gehen davon aus, dass der heftige Brand durch eine Ölverschmutzung verursacht wurde, was die Lage weiter verschärft und die Eindämmung der Flammen erschwert.

Die Ukraine hat ihre Angriffe in der vergangenen Woche verstärkt, um den Geldsegen aus stark steigenden Ölpreisen und gelockerten Sanktionen zu schmälern, die Moskaus Einnahmen in den ersten drei Wochen des US-israelischen Krieges gegen den Iran verdoppelt hatten.

Am Samstag teilte Russlands Verteidigungsministerium mit, es habe 155 ukrainische Drohnen über 16 Regionen abgeschossen, darunter über Moskau und über dem besetzten Krimgebiet.

Ukraine greift Putins Öl-Raffinerien an

Auch das Terminal von Ust-Luga gilt nach mehreren Treffern zu Beginn der Woche weiterhin als geschlossen und verursacht laut Reuters einen Engpass, der die Ölverarbeitung in vier der größten russischen Raffinerien gefährdet. Kirishi, Jaroslawl, Moskau und Rjasan, die zusammen rund 400.000 Barrel Öl pro Tag verarbeiten, könnten wegen Einschränkungen bei der Verschiffung gezwungen sein, ihre Rohöldurchsätze zu reduzieren. Russische Ölproduzenten hatten Käufer gewarnt, sie könnten angesichts des Notstands gezwungen sein, die Lieferengpässe mit höherer Gewalt zu erklären – und sich so von der Haftung zu befreien, falls sie ihre Verpflichtungen nicht erfüllen können.

Analysten deuteten zudem an, dass die Angriffe eine „ernste Bedrohung“ für die Fähigkeit des Kremls darstellen könnten, Öl zu exportieren. Der Öl- und Gassektor machte im Jahr 2024 rund 30 Prozent des russischen Bundeshaushalts aus.

Indien kauft russisches Öl trotz steigender Preise

Doch Russland profitiert von Trumps Iran-Krieg: Üblicherweise wird russisches Öl auf den Weltmärkten mit einem Abschlag von mehreren Dutzend US-Dollar pro Barrel gegenüber dem internationalen Brent-Preis gehandelt. In diesem Fall zahlen Käufer jedoch 5 bis 15 US-Dollar pro Barrel mehr, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Für die 60 Millionen Barrel ergibt sich bei den Preisen vom Mittwoch ein Gesamtwert von rund 6 bis 6,6 Milliarden US-Dollar, entsprechend etwa 5,1 bis 5,6 Milliarden Euro. Öl, das nach Asien geliefert wird, ist derzeit deutlich teurer, als es der Brent-Preis vermuten lässt. Der Preis für omanisches Rohöl lag am Dienstag bei rund 140 US-Dollar, etwa 120 Euro pro Barrel. Die gekaufte Menge entspricht laut Bloomberg etwa dem Niveau vom März, ist jedoch mehr als doppelt so hoch wie im Februar.

Nahost-Krise treibt Nachfrage nach russischem Öl

Russisches Öl ist in Indien aktuell besonders gefragt. Normalerweise stammen etwa zwei Drittel der indischen Rohölimporte aus den Golfstaaten. Diese Lieferungen sind jedoch durch die Blockade in der Straße von Hormus erheblich beeinträchtigt, da viele dieser Staaten enge Verbündete der USA sind.

Der Kauf russischen Öls ist durch eine Ausnahmeregelung der USA möglich. Diese erlaubt Indien, russisches Öl zu importieren, das bereits vor dem 5. März verladen wurde. Die Regelung wurde eingeführt, um Lieferprobleme infolge der faktischen Schließung der Straße von Hormus abzufedern. Später wurde diese Ausnahme auch auf andere Länder ausgeweitet.

Indien ist stark von Ölimporten abhängig. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 entwickelte sich das Land zu einem der wichtigsten Abnehmer russischen Öls, das damals deutlich günstiger war. Ende des vergangenen Jahres reduzierte Indien unter Druck der USA seine Käufe und wandte sich verstärkt Saudi-Arabien und dem Irak zu. Diese Lieferungen wurden jedoch durch den aktuellen Konflikt teilweise unterbrochen.

Indische Behörden gehen nun davon aus, dass die US-Ausnahme verlängert wird, solange die Störungen in der Straße von Hormus anhalten. Mehrere Raffinerien, die zuvor auf russisches Öl verzichtet hatten, sind inzwischen wieder in den Markt zurückgekehrt.

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