Politik

Indien bestellt russisches Öl für sechs Milliarden Dollar

Indische Raffinerien haben für April etwa 60 Millionen Barrel russisches Öl gekauft. Damit sollen Lieferengpässe ausgeglichen werden, die infolge des Kriegs im Nahen Osten und gestörter Ölströme entstanden sind.
30.03.2026 16:00
Lesezeit: 2 min
Indien bestellt russisches Öl für sechs Milliarden Dollar
Indische Ölraffinerien konnten sich lange Zeit mit billigem russischem Öl am Laufen halten, bis Trump ihnen dies mit Zolldrohungen untersagte. Russisches Öl darf nun wieder gekauft werden. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Indien kauft russisches Öl trotz steigender Preise

Üblicherweise wird russisches Öl auf den Weltmärkten mit einem Abschlag von mehreren Dutzend US-Dollar pro Barrel gegenüber dem internationalen Brent-Preis gehandelt. In diesem Fall zahlen Käufer jedoch 5 bis 15 US-Dollar pro Barrel mehr, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Für die 60 Millionen Barrel ergibt sich bei den Preisen vom Mittwoch ein Gesamtwert von rund 6 bis 6,6 Milliarden US-Dollar, entsprechend etwa 5,1 bis 5,6 Milliarden Euro. Öl, das nach Asien geliefert wird, ist derzeit deutlich teurer, als es der Brent-Preis vermuten lässt. Der Preis für omanisches Rohöl lag am Dienstag bei rund 140 US-Dollar, etwa 120 Euro pro Barrel. Die gekaufte Menge entspricht laut Bloomberg etwa dem Niveau vom März, ist jedoch mehr als doppelt so hoch wie im Februar.

Nahost-Krise treibt Nachfrage nach russischem Öl

Russisches Öl ist in Indien aktuell besonders gefragt. Normalerweise stammen etwa zwei Drittel der indischen Rohölimporte aus den Golfstaaten. Diese Lieferungen sind jedoch durch die Blockade in der Straße von Hormus erheblich beeinträchtigt, da viele dieser Staaten enge Verbündete der USA sind.

Der Kauf russischen Öls ist durch eine Ausnahmeregelung der USA möglich. Diese erlaubt Indien, russisches Öl zu importieren, das bereits vor dem 5. März verladen wurde. Die Regelung wurde eingeführt, um Lieferprobleme infolge der faktischen Schließung der Straße von Hormus abzufedern. Später wurde diese Ausnahme auch auf andere Länder ausgeweitet.

Indien ist stark von Ölimporten abhängig. Nach Beginn des Ukraine-Kriegs im Jahr 2022 entwickelte sich das Land zu einem der wichtigsten Abnehmer russischen Öls, das damals deutlich günstiger war. Ende des vergangenen Jahres reduzierte Indien unter Druck der USA seine Käufe und wandte sich verstärkt Saudi-Arabien und dem Irak zu. Diese Lieferungen wurden jedoch durch den aktuellen Konflikt teilweise unterbrochen.

Indische Behörden gehen nun davon aus, dass die US-Ausnahme verlängert wird, solange die Störungen in der Straße von Hormus anhalten. Mehrere Raffinerien, die zuvor auf russisches Öl verzichtet hatten, sind inzwischen wieder in den Markt zurückgekehrt.

Russland profitiert von steigender Nachfrage und Preisen

Neben russischem Öl sucht Indien auch nach alternativen Lieferquellen.

Ein Beispiel ist Venezuela, von wo die Importmengen auf den höchsten Stand seit mehreren Jahren steigen könnten. Gleichzeitig profitiert Russland erheblich von der aktuellen Entwicklung.

Die steigende Nachfrage und die höheren Preise führen zu deutlich höheren Einnahmen aus dem Ölgeschäft.

Steigende Ölpreise erhöhen die Energiekosten und belasten Industrie sowie Verbraucher. Gleichzeitig zeigt sich, dass globale Energiemärkte zunehmend von geopolitischen Konflikten geprägt sind, was die Planungssicherheit für Unternehmen erschwert. Die Verschiebung von Handelsströmen zugunsten Russlands könnte zudem die Wirkung westlicher Sanktionen weiter untergraben. Sprich, der verstärkte Handel zwischen Indien und Russland verändert die globalen Energiemärkte und schwächt den Einfluss westlicher Energiepolitik.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Lettland will sieben Milliarden Euro von der EU für die Folgen von Russlands Krieg
19.08.2026

Lettland will, dass die EU einen großen Teil seiner Verteidigungskosten mitträgt. Ministerpräsident Andris Kulbergs fordert sieben...

DWN
Finanzen
Finanzen Euribor auf höchstem Stand seit fast zwei Jahren, der Markt erwartet weiteren Anstieg
19.08.2026

Der sechsmonatige Euribor ist auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren gestiegen. Für Kreditnehmer mit variabler Verzinsung und neue...

DWN
Politik
Politik Technischer Defekt: Panne bei „Afrika-Training“ der Luftwaffe macht Wirbel
19.08.2026

Eine Regierungsmaschine bekommt über dem Indischen Ozean technische Probleme und landet auf den Seychellen. Der Stopp im Urlaubsparadies...

DWN
Politik
Politik Wahlen in der Ukraine: Ex-Verteidigungsminister wirbt um Urnengang
19.08.2026

Jahrelang galt der ukrainische Ex-Verteidigungsminister Fedorow als loyal zu Präsident Selenskyj. Nach seiner überraschenden Entlassung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Handwerk wieder attraktiv: Steigende Ausbildungszahlen unter jungen Menschen
19.08.2026

Ehemals starke Industriebranchen und Akademiker stecken in der Krise. Handwerksberufe und praktische Ausbildung boomen. Um so wichtiger...

DWN
Technologie
Technologie Kursfeuerwerk Unitree: Roboterbauer startet mit über 600 Prozent Kursplus
19.08.2026

Humanoid Roboter gelten in China als Zukunftsindustrie. Der Börsenstart von Unitree zeigt, wie groß die Erwartungen der Anleger sind....

DWN
Technologie
Technologie Jede siebte Firma lässt KI Arbeitszeugnisse schreiben
19.08.2026

Künstliche Intelligenz schreibt längst nicht mehr nur Texte – sie erstellt inzwischen auch Arbeitszeugnisse und unterstützt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IW: Deutschland müsste fünfmal produktiver werden, um den Wohlstand zu erhalten
19.08.2026

Deutschlands Produktivitätswachstum reicht laut IW nicht mehr aus, um den Wohlstand zu sichern. Der demografische Wandel verschärft den...