Finanzen

Goldpreis unter Druck: Warum Anleger jetzt aus Goldaktien aussteigen

Der Goldpreis galt lange als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten. Doch jetzt ziehen erste Anleger Gewinne ab und warnen vor einer Überbewertung. Steht Gold vor einer Trendwende?
27.03.2026 21:01
Lesezeit: 7 min
Goldpreis unter Druck: Warum Anleger jetzt aus Goldaktien aussteigen
Spekulationsblase bei Goldaktien: Erste Investoren ziehen sich zurück. (Foto: ValentynVolkov/iStock) Foto: ValentynVolkov

Gold verliert an Glanz als sicherer Hafen

Gold werde nicht gekauft, lautete die Einschätzung im Oktober vergangenen Jahres. Diese Haltung stieß nicht überall auf Zustimmung. Viele Anleger betrachten Gold emotional, obwohl es lediglich eine weitere Anlageklasse in einem diversifizierten Portfolio ist. Rückblickend lässt sich festhalten, dass die Goldpreisentwicklung dennoch beeindruckend war. Seitdem ist der Preis um rund 20 Prozent gestiegen.

Der jüngste Angriff auf den Iran hat jedoch die Rolle von Gold als sicherer Hafen erschüttert. Der Preis fiel um etwa 10 Prozent, liegt im Jahresvergleich aber weiterhin rund 50 Prozent höher. Laut Bloomberg könnten Zentralbanken ihre umfangreichen Goldkäufe künftig einschränken. Hintergrund sind steigende Ausgaben für Energie und Verteidigung.

Viele Anleger investierten im vergangenen Jahr gezielt in Minenaktien. Nun scheint der Zeitpunkt gekommen, sich zumindest teilweise von diesen Positionen zu trennen. Ist das schlau?

Was verkaufen und warum

Die Entscheidung basiert auf einer veränderten Marktlage. Steigende Ölpreise sorgen für zunehmende Unsicherheit an den globalen Aktienmärkten. Die Volatilität nimmt spürbar zu. Das muss nicht heißen, dass die Märkte jetzt einbrechen werden, aber Gewinne könnte man jetzt mitnehmen.

Ein Kollege aus Lettland habe genau das getan, berichtet unser Schwesterunternehmen Casnik Finance. Verkauft wurde unter anderem die gesamte Position im VanEck Junior Gold Miners ETF. Der Fonds umfasst 81 Goldminenunternehmen, etwa die Hälfte davon aus Kanada. Seit September hat die Anlage um gut 20 Prozent zugelegt und damit ähnlich wie der Goldpreis.

Ebenfalls vollständig veräußert wurden die Aktien von Almonty Industries. Das Unternehmen produziert Wolfram und betreibt Projekte in Spanien, Portugal und Südkorea. Die Rendite lag bei 640 Prozent. Ein Teilverkauf erfolgte bereits zuvor mit einem Gewinn von 130 Prozent. „Die Gefühle sind gemischt. Anfang März überschritten die Almonty-Aktien kurzzeitig die Marke von 30 kanadischen Dollar. Zwischenzeitlich bestand die Hoffnung, dass sich ein Gewinn von 500 Prozent auf 1000 Prozent verdoppelt. Die jüngsten Entwicklungen am Ölmarkt haben diese Erwartungen jedoch gedämpft“, heißt es.

Auch die restlichen Anteile an United States Antimony Corporation wurden verkauft, mit einem Gewinn von 270 Prozent. Das Unternehmen produziert und vertreibt Antimon, Silber, Gold und Zeolith in den USA und Kanada. Es verfügt über eine strategisch wichtige Position, da es die einzige größere Antimon-Schmelze betreibt.

Bereits im vergangenen Jahr wurde über diese Unternehmen berichtet. Die Kurse waren damals bereits stark gestiegen, setzten ihren Anstieg jedoch fort. Antimon und Wolfram zählen zu den strategisch wichtigen Rohstoffen, insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Verteidigungsausgaben.

Droht jetzt der Absturz des Goldpreises?

Ob der Aufwärtstrend bei Goldaktien beendet ist, bleibt offen. Der Goldpreis hat zuletzt nachgegeben, obwohl einige Marktteilnehmer einen weiteren Anstieg in Richtung 6000 US-Dollar je Feinunze erwarteten. Eine endgültige Trendwende ist jedoch nicht gesichert. In einzelnen Handelsphasen zeigte sich zuletzt eine Stabilisierung der Marktstimmung. Das könnte zu einer schnellen Rückkehr auf frühere Höchststände führen.

Sowohl Almonty Industries als auch United States Antimony Corporation haben jüngst Quartalszahlen vorgelegt. Sollten sich die Ergebnisse verbessern, könnte weiteres Kurspotenzial entstehen. Entscheidend bleiben jedoch eine Entspannung am Ölmarkt sowie die Vermeidung einer Stagflation in den großen Volkswirtschaften.

Die Kursbewegungen dieser Aktien sind hochvolatil. Innerhalb eines Handelstages sind erhebliche Ausschläge möglich. Beide Unternehmen spielen eine wichtige Rolle bei den Bestrebungen des Westens, unabhängige Lieferketten für strategische Metalle wie Wolfram und Antimon aufzubauen. Diese sind auch für die Rüstungsindustrie von zentraler Bedeutung.

Für Deutschland ergibt sich daraus eine doppelte Perspektive. Einerseits eröffnen sich Chancen durch eine stärkere Einbindung in alternative Rohstofflieferketten. Andererseits erhöhen steigende Rohstoffpreise und volatile Märkte den Druck auf Industrie und Investitionen. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen sowie die exportorientierte Industrie.

Fazit: Gold bleibt ein wichtiger Bestandteil vieler Portfolios, verliert jedoch kurzfristig an Strahlkraft. Spekulative Übertreibungen bei Minenaktien könnten sich abschwächen. Anleger reagieren zunehmend vorsichtig und sichern Gewinne. Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von geopolitischen Risiken und der Stabilität der Rohstoffmärkte ab.

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