Falle Kraftstoffkosten: Warum das Auto zum Armutsrisiko wird
Ausgaben für Kraftstoffe machen in diesen Haushaltsbudgets einen vergleichsweise großen Anteil aus, sagte Inflationsexpertin Silke Tober. Die Inflationsrate von Paarfamilien mit geringen Einkommen und von Alleinerziehenden mit mittleren Einkommen legte demnach zuletzt um jeweils 1,2 Prozentpunkte zu, bei Paarfamilien mit mittleren Einkommen um 1,1 Punkte. Bei Alleinlebenden mit niedrigen oder sehr hohen Einkommen stieg sie weniger stark.
IMK-Forscherin Tober erklärt die Unterschiede so: Während einkommensstarke Singles viele verschiedene Güter und Dienstleistungen konsumierten, deren Preise aktuell weniger stark angezogen hätten, besäßen ärmere Alleinlebende oft kein Auto. Diese Gruppe verzeichnete der Analyse zufolge im März mit 2,1 Prozent die niedrigste Inflationsrate. Bei allen anderen betrachteten Haushaltstypen lag diese hingegen bei 2,6 bis 2,8 Prozent.
Expertin: „Anhaltender Krieg könnte soziale Kluft erhöhen“
Die massiv gestiegenen Energiepreise im Zuge des Iran-Kriegs haben die Inflation in Deutschland im März nach oben katapultiert. Mit 2,7 Prozent kletterte die Teuerungsrate auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Im Februar lag sie noch bei 1,9 Prozent.
Inflationsforscherin Tober erwartet, dass sich der hohe Ölpreis auch auf die Preise anderer Güter auswirkt - etwa für Transport und Erdgas. Wie groß dieser Effekt ausfalle, hänge von der Dauer des Krieges ab. „Ein anhaltender Krieg zwischen den USA und dem Iran würde sich in den Preisen für Nahrungsmittel und Haushaltsenergie niederschlagen und nicht nur deutlich höhere Inflationsraten bewirken, sondern auch die soziale Kluft erneut erhöhen.“
Haushalte mit niedrigen bis mittleren Einkommen geben laut Tober einen vergleichsweise großen Anteil ihres Budgets für Güter des Grundbedarfs aus. Stiegen diese Preise, müssten insbesondere ärmere Haushalte deutlich höhere Belastungen schultern als einkommensstarke Haushalte, prognostiziert sie.
Mehrheit fürchtet steigende Preise durch Nahost-Krieg
Viele Menschen in Deutschland fürchten, dass die Preise weiter steigen. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die das Institut Forsa im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) durchgeführt hat. 58 Prozent der Befragten haben demnach „sehr große“ oder „eher große“ Sorgen, dass die Preise durch den Krieg so stark steigen, dass sie sich im Alltag finanziell einschränken müssen. Bei Menschen mit niedrigem Einkommen ist der Anteil höher (66 Prozent). Befragt wurden dazu zwischen dem 9. und dem 13. April rund 1.000 Menschen.
Mittelstand unter Druck: Logistikbranche schlägt Alarm
Die nackten Zahlen der Inflationsstatistik finden ihre Entsprechung in der wachsenden Wut auf der Straße. In Leipzig und anderen Teilen Sachsens protestierten zuletzt zahlreiche Lkw-Fahrer und mittelständische Unternehmer gegen die Kostenexplosion. Für Spediteure wie Michael Berger ist der Dieselpreis längst zur Existenzfrage geworden: Neben den gestiegenen Kraftstoffkosten belasten höhere Sozialabgaben, die CO₂-Bepreisung und eine ausufernde Bürokratie die Betriebe. „Die Belastungen werden von Jahr zu Jahr größer“, warnt Berger. Die Fuhrunternehmer fordern daher eine sofortige Senkung der Mineralöl- und Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe, um den drohenden Kollaps vieler Betriebe abzuwenden.
Protestwelle rollt auf die Hauptstadt zu
Der Frust über die Energiepolitik der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz beschränkt sich längst nicht mehr auf regionale Autokorsos. Unter dem Motto „Generalstreik“ formieren sich bundesweit Konvois, die am Freitag den Bundestag in Berlin ansteuern. Initiativen wie „Berggeschrey Erzgebirge“ oder Logistiker aus Ostfriesland wollen mit ihren Fahrten durch das Bundesgebiet ein deutliches Zeichen setzen. Die Demonstranten kritisieren dabei nicht nur die hohen Preise, sondern auch neue Belastungen wie die diskutierten steuerfreien Boni für Angestellte, die viele kleine Betriebe finanziell schlicht nicht leisten können. Damit droht der Bundesregierung eine Protestwelle, die in ihrer Intensität bereits jetzt an die Bauernunruhen von 2024 erinnert.
