Wirtschaft

Deutsche Industrie schlägt Alarm: Steigende Kosten, geopolitische Risiken und politische Unsicherheiten belasten massiv

Zwischen Iran-Krieg, US-Zöllen und hohen Energiepreisen gerät die deutsche Industrie immer stärker ins Wanken. Verbände fordern entschlossene Maßnahmen von der Politik. Doch wie groß ist der Handlungsdruck wirklich – und droht eine dauerhafte Krise?
20.04.2026 10:04
Lesezeit: 2 min
Deutsche Industrie schlägt Alarm: Steigende Kosten, geopolitische Risiken und politische Unsicherheiten belasten massiv
Iran-Krieg, US-Zölle und hohe Energiepreise belasten die Wirtschaft. (Foto: iStockphoto.com/dongfang zhao) Foto: dongfang zhao

Iran-Krieg, Zölle, Kosten: Deutsche Industrie sieht Dauerkrise kommen

Die deutsche Industrie verlangt auf der Hannover Messe von der Bundesregierung deutlich spürbare Reformen. "An die Stelle von kurzfristigem Krisenmanagement müssen durchdachte, strukturelle Reformen treten, die dauerhafte Wachstumsimpulse schaffen", erklärte der Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Bertram Kawlath, zum Beginn der Hannover Messe. "Der Reformstau muss endlich aufgelöst werden", verlangte der Präsident des Elektro- und Digitalindustrieverbandes ZVEI, Gunther Kegel.

Sollte die Politik in Brüssel und Berlin jetzt nicht gegensteuern, werde der langfristige Schaden für die Industrie kaum noch reparabel sein, warnte Kawlath. "Die Grenzen der Leidensfähigkeit sind erreicht." Angesichts zahlreicher Belastungen, zuletzt nochmals verschärft durch die Auswirkungen des Iran-Kriegs und der US-Zollpolitik, sei eine echte Kurskorrektur notwendig. "Unser Standort ist zu teuer und unflexibel, das lässt sich mit keinem Fleiß und keinem Erfindergeist mehr ausgleichen."

Die Unternehmenssteuern sollten reduziert, die Sozialversicherungsbeiträge begrenzt und die Vorgaben zur Wochenarbeitszeit flexibler gestaltet werden. Auch das Rentenalter müsse mit der steigenden Lebenserwartung wachsen, forderte Kawlath. "Die Politik muss den Mut haben, allen etwas abzuverlangen." Bislang würden Reformen viel zu vorsichtig umgesetzt. "Hinzu kommen neue Belastungen, die unsere Mitglieder zur Verzweiflung treiben."

Iran-Krieg belastet Wirtschaftslage

Dabei hatte sich die Stimmung in den Unternehmen bis Ende 2025 schrittweise verbessert. "Im ersten Quartal 2026 drehte sich der Wind dann aber wieder", so Kawlath. "Die Risiken des Iran-Krieges, US-Zölle, dauerhaft hohe Energiepreise, eine allgemein gestiegene Inflation und Störungen in den Lieferketten verstärken die ohnehin hohe Unsicherheit weiter."

Für 2026 rechnet der VDMA dennoch weiterhin mit einer leichten Erholung und einem Produktionsplus im Maschinen- und Anlagenbau von ein Prozent. In der Elektro- und Digitalindustrie erwartet der Branchenverband ZVEI sogar ein Wachstum von zwei Prozent - vorausgesetzt jedoch, die Situation im Iran entspannt sich bis zur Jahresmitte.

Rüstungsinvestitionen als Chance

Hoffnung setzt die Industrie auf die geplanten Milliardeninvestitionen in Verteidigung. Die Maschinen- und Anlagenbauer stellten zwar keine Waffen her, könnten jedoch als Zulieferer dazu beitragen, die Produktion zu steigern, sagte Kawlath. Derzeit erzielt die Branche geschätzt rund zwei bis fünf Prozent ihres Umsatzes in diesem Segment. Laut Prognose des Verbands könne sich dieser Anteil innerhalb von drei bis fünf Jahren verdoppeln.

Zusätzliche Impulse erwarten die Fabrikausrüster auch durch Trends wie Künstliche Intelligenz (KI) und humanoide Roboter. "Technologisch herrscht Aufbruchstimmung", erklärte ZVEI-Chef Kegel. Die Industrie stehe an der Schwelle zur nächsten großen Phase industrieller Entwicklung. Humanoide Roboter in der Industrie böten hierbei großes Potenzial. VDMA-Präsident Kawlath sagte: "Jetzt entscheidet sich, ob Europa Gestalter eines neuen industriellen Ökosystems wird - oder vor allem Anwender fremder Technologien."

Mehr als 3.000 Aussteller vertreten

Mehr als 3.000 Aussteller aus den Bereichen Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft präsentieren bis Freitag auf der Hannover Messe ihre Innovationen. Zentrale Themen sind der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Produktion, Automatisierung und Robotik. Erstmals wird auch der Bereich Rüstung mit einem eigenen Themenschwerpunkt dargestellt.

Vertreten sind zudem zahlreiche Technologieunternehmen wie Microsoft (ISIN: US5949181045), SAP (ISIN: DE0007164600) und Siemens (ISIN: DE0007236101). Ergänzt wird das Teilnehmerfeld durch Mittelständler sowie zahlreiche Start-ups. 2025 besuchten 127.000 Menschen die weltweit bedeutendste Industrieschau.

Deutsche Industrie zwischen Krise und Chancen

Die deutsche Industrie steht vor einer entscheidenden Phase: Einerseits belasten geopolitische Konflikte, steigende Kosten und strukturelle Schwächen den Standort erheblich. Andererseits eröffnen technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz und Investitionen in die Verteidigung neue Perspektiven. Entscheidend wird sein, ob die Politik die geforderten Reformen zügig und konsequent umsetzt. Ohne tiefgreifende Veränderungen droht eine dauerhafte Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit. Gelingt jedoch der Wandel, könnte die Industrie gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen und ihre Position im globalen Wettbewerb sichern.

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