Politik

Stopp von kasachischem Öl: Russland stoppt Lieferung zur PCK-Raffinerie in Schwedt

Ab kommender Woche wird kein Öl aus Kasachstan mehr durch die Pipeline Druschba nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt geleitet. Die Entscheidung hängt mit den jüngsten ukrainischen Angriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie zusammen. Was bedeutet das, für die Versorgungssicherheit der Region und für die PCK-Raffinerie in Schwedt?
23.04.2026 18:23
Lesezeit: 2 min

Stopp von kasachischem Öl: Wer sichert jetzt die Versorgungssicherheit?

Update 23.04.26: Nach Ansicht von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) kann die Produktion in Schwedt aufrechterhalten werden. Konkret gebe es etwa alternative Lieferwege über die Häfen von Danzig und Rostock. Rosneft Deutschland prüft nach Angaben eines Sprechers, gegebenenfalls Ersatzlieferungen sicherstellen zu können, damit die PCK weiter voll produzieren kann.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke will gemeinsam mit dem Bund alles dafür tun, um die Spritversorgung trotz des russischen Stopps von Öl aus Kasachstan für die PCK-Raffinerie zu sichern. "Die Ankündigung Russlands, kasachisches Öl nicht mehr durchzuleiten, ist ein klarer Rückschlag", sagte Woidke der Deutschen Presse-Agentur und anderen Medien.

"Es ist aber ganz klar, dass wir alles dafür tun werden - die Brandenburger Landesregierung gemeinsam mit der PCK-Geschäftsführung, gemeinsam mit der Bundesregierung -, dass sowohl die Produktion weiterlaufen wird und dass auch die Versorgungssicherheit in der Region damit gewährleistet werden kann", sagte Woidke. "Wir haben bei PCK schon vor vielen unlösbaren Problemen gestanden. Wir werden auch dieses Problem in den Griff kriegen." Er verwies auf Gespräche mit der Bundesregierung.

Russland stoppt kasachisches Öl für Druschba-Leitung

Russland wird ab dem 1. Mai nach Regierungsangaben kein Öl aus Kasachstan mehr durch seine Pipeline Druschba (Freundschaft) nach Deutschland und zur PCK-Raffinerie in Schwedt leiten. Das Öl werde über andere Strecken umgeleitet, sagte der für Energiefragen zuständige Vize-Regierungschef Alexander Nowak der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge. «Dies hängt mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten zusammen», erklärte er.

Zuvor hatte der kasachische Energieminister Jerlan Akkenschenow erklärt, Russland habe den Öl-Transit über die Pipeline Druschba und weiter zur PCK-Raffinerie in Schwedt mit Null eingeplant. Er mutmaßte, dass das mit den jüngsten ukrainischen Angriffen auf Anlagen der russischen Ölindustrie zusammenhänge.

Transitstopp? Rosneft prüft Alternativen für Öl aus Kasachstan für PCK

Rosneft Deutschland prüft mögliche Transportprobleme für Öl aus Kasachstan für die Raffinerie PCK in Schwedt im Nordosten Brandenburgs. Nach dpa-Informationen hat die unter Treuhand stehende deutsche Tochter der russischen Rosneft eine Benachrichtigung über ihre kasachischen Partner bekommen, dass es ab Mai Schwierigkeiten beim Transport von Öl aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline geben soll.

Ein Sprecher von Rosneft Deutschland sagte der dpa: "Wir müssen prüfen, wie wir gegebenenfalls Ersatzlieferungen sicherstellen können, damit die PCK weiterhin voll produzieren kann." Es sei keine unlösbare Situation für die PCK eingetreten. "Wir sind dabei, die Auswirkungen genau zu prüfen", so der Sprecher von Rosneft Deutschland, Burkhard Woelki.

Der Kreml kommentierte den kolportierten Transitstopp der Druschba-Pipeline nicht. Er wisse nichts davon, dazu müsse sich die Presse an die betroffenen Konzerne wenden, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow auf Anfrage von Journalisten.

Kasachisches Öl wichtig für Auslastung der Raffinerie

Die Ölraffinerie PCK im Nordosten Brandenburgs bezieht kein russisches Öl mehr, erhält aber über die Druschba-Pipeline, die durch Russland verläuft, Öl aus Kasachstan.

Das kasachische Öl ist wichtig, um die Auslastung der Raffinerie hochzuhalten. Zudem kommt Rohöl auch über eine Pipeline von Rostock nach Schwedt.

Angekündigt wurde im vergangenen Herbst, dass die Raffinerie PCK 2026 mehr Öl aus Kasachstan bekommen kann - mindestens 130.000 Tonnen je Monat. Zuvor waren es um die 100.000 bis 120.000 Tonnen.

Seit 2023 kein russisches Öl mehr für PCK

Die frühere Bundesregierung hatte wegen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine entschieden, ab 2023 auf russisches Pipeline-Öl zu verzichten, das die PCK jahrzehntelang versorgte. Die Raffinerie, die weite Teile des Nordostens und Berlin unter anderem mit Sprit, Heizöl und Kerosin versorgt, musste sich andere Bezugsquellen suchen.

Die Ölraffinerie PCK in Schwedt gehört zu 54 Prozent deutschen Töchtern des russischen Staatskonzerns Rosneft. Sie stehen wegen des Ukraine-Kriegs aber unter Treuhandverwaltung und damit unter der Kontrolle des Bundes.

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