Wirtschaft

Ferrari Luce: Warum der Elektro-Ferrari alles verändern könnte

Ferrari wagt den radikalsten Schritt seiner Geschichte und ersetzt ikonische Motoren durch Strom. Der neue Ferrari Luce soll nicht nur überzeugen, sondern die Spitze des Luxussegments neu definieren. Doch genau hier entscheidet sich, ob Elektromobilität im absoluten Premiumbereich wirklich funktioniert.
14.05.2026 11:00
Lesezeit: 3 min
Ferrari Luce: Warum der Elektro-Ferrari alles verändern könnte
Der neue Luce soll das Luxussegment dominieren. Ob Käufer den radikalen Wandel akzeptieren bleibt offen. (Foto: Ferrari)

Ferrari Luce bringt Elektromobilität in die Luxusklasse

Ferrari vollzieht einen strategischen Wendepunkt und präsentiert erstmals ein rein elektrisch angetriebenes Modell. Kann der Ferrari Luce die Erwartungen wohlhabender Käufer erfüllen und gleichzeitig die Markenidentität bewahren? Das fragen sich unsere Kollegen von Finance.si.

Ferrari zählt seit Jahrzehnten zu den begehrtesten Automarken weltweit. Das 1939 von Enzo Ferrari gegründete Unternehmen steht für Geschwindigkeit, Exklusivität und technologische Spitzenleistung. Bislang galt es als undenkbar, dass ein Ferrari ohne die charakteristischen Acht- oder Zwölfzylindermotoren auskommt. Genau das ändert sich nun. Der italienische Hersteller mit seiner traditionsreichen Formel-1-Historie und insgesamt 15 Weltmeistertiteln kündigt eine grundlegende Neuausrichtung an. Das erste vollelektrische Modell trägt den Namen Luce. Der Einstiegspreis für den Ferrari Luce liegt bei rund 550.000 Euro. Die offizielle Premiere ist für den kommenden Monat in Rom angekündigt. Damit positioniert sich das Modell etwa 100.000 Euro über dem SUV Purosangue. Branchenkenner aus dem Umfeld des Unternehmens halten eine Abweichung von bis zu zehn Prozent nach oben oder unten für möglich. Ferrari selbst äußerte sich dazu bislang nicht.

Ferrari setzt beim Elektro-Ferrari auf Exklusivität statt Volumen

Mit dem Ferrari Luce verfolgt das Unternehmen eine klare Strategie. Das erste vollelektrische Modell soll bewusst im obersten Preissegment angesiedelt werden. Bereits beim Hybridmodell SF90 Stradale sammelte Ferrari erste Erfahrungen mit elektrifizierten Antrieben. Vorstandschef Benedetto Vigna setzt weiterhin auf das Prinzip, dass Wert wichtiger ist als Stückzahl. Ziel bleibt es, die Exklusivität der Marke für eine besonders zahlungskräftige Kundschaft zu sichern. Gerade im Luxussegment stellt der Elektroantrieb jedoch eine Herausforderung dar. Die Wertentwicklung gebrauchter Elektrofahrzeuge sorgt bei wohlhabenden Käufern weiterhin für Unsicherheit. Viele erwarten von einem Supersportwagen nicht nur Fahrleistung, sondern auch eine stabile oder steigende Wertentwicklung. Ferrari reagiert darauf mit einem breiten Angebot. Kunden sollen weiterhin zwischen klassischen Verbrennungsmotoren, Hybridantrieben und vollelektrischen Modellen wählen können, solange die für Ferrari typischen Fahreigenschaften erhalten bleiben.

Der Purosangue hat seit seiner Einführung im Jahr 2022 eine Schlüsselrolle im Portfolio eingenommen. Das Modell erschloss neue Kundengruppen jenseits klassischer Zweisitzer und trug dazu bei, die durchschnittlichen Verkaufspreise zu erhöhen. Gleichzeitig begrenzt Ferrari die Produktion bewusst auf etwa 20 Prozent der jährlichen Gesamtfertigung, um die Exklusivität zu wahren.

Ferrari Luce kombiniert Leistung, Design und neue Technologien

Technisch setzt der Ferrari Luce neue Maßstäbe für die Marke. Das unter der internen Bezeichnung F222 entwickelte Fahrzeug verfügt über fünf Türen und Allradantrieb. Die Systemleistung beträgt 1.129 PS beziehungsweise 830 Kilowatt. Die Batterie mit einer Kapazität von 122 Kilowattstunden ermöglicht eine Reichweite von bis zu 530 Kilometern. Grundlage bildet eine 880-Volt-Plattform. Der gesamte Antriebsstrang wurde von Ferraris eigenen Ingenieuren entwickelt, wobei Technologien aus der Formel 1 einflossen. Erstmals kündigte Ferrari das Modell am 9. Oktober an. Ursprünglich trug es den Namen Elettrica, der am 9. Februar durch Luce ersetzt wurde. Vorstandsvorsitzender John Elkann erklärte, der ursprüngliche Name sei zu einschränkend gewesen. Luce stehe für mehr als nur einen elektrischen Antrieb. Das Fahrzeug sei ein besonders komplexes Projekt, das genau dadurch seinen einzigartigen Charakter erhalte.

Auch beim Design geht Ferrari neue Wege. Jony Ive und Marc Newson vom Designstudio LoveFrom waren maßgeblich beteiligt. Ive gilt als prägende Figur hinter den ikonischen Apple-Produkten und arbeitete eng mit Steve Jobs zusammen. Im Innenraum kommen hochwertige Materialien zum Einsatz. Dazu zählen Glas, polierter und matter Stahl sowie verstärktes Glas. Die Gangwahl erfolgt über einen Glashebel. Trotz moderner Technologie bleibt Ferrari bei physischen Bedienelementen auf dem Armaturenbrett, um das Fahrerlebnis in den Mittelpunkt zu stellen. Die Gestaltung folgt konsequent funktionalen Prinzipien. Verzierungen wurden bewusst reduziert, um Ablenkung zu vermeiden und eine zeitlose Ästhetik zu sichern. Ergänzt wird das Konzept durch widerstandsfähigen, eloxierten Aluminium. Die Instrumente orientieren sich optisch an der Luftfahrt, insbesondere an klassischen Hubschraubern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kingspan Group-Aktie unter Druck: EU greift nach geplatztem Deal durch
10.10.2026

Ein geplatzter Milliardendeal? Nein, ein gescheiterter Firmenkauf mit teuren Folgen. Weil der irische Baustoffkonzern Kingspan die...

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Generation Z trifft auf Generation X: Wie ein Eiskaffee zum Karrierekiller werden kann
10.10.2026

Ein Eiskaffee beim Bewerbungsgespräch sollte eigentlich keine große Sache sein. Doch für manche Personalverantwortliche verrät der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzinsen: Die Zinswende kommt anders als erwartet
10.10.2026

Erst schien die nächste Zinserhöhung der EZB fast sicher, jetzt rudern die Finanzmärkte zurück. Trotz hartnäckiger Inflation und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleger wägen SpaceX-Schritt ab, während die Wall Street boomt
09.10.2026

Wie ein überraschender Deal die Kräfteverhältnisse an der Börse nachhaltig verschiebt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Finanz Informatik: Der unsichtbare Riese hinter der Sparkassen-Digitalisierung
09.10.2026

Vom Online-Banking bis zu Wertpapiergeschäften – die Finanz Informatik digitalisiert 338 Sparkassen und betreut rund 114 Millionen...

DWN
Politik
Politik Brüssel schlägt vor: weniger Kommissare, weniger Vetos, mehr Schutzklauseln und 15 Jahre Kontrolle neuer Mitglieder
09.10.2026

Die Europäische Kommission will in den bisherigen Mitgliedstaaten Unterstützung für die Erweiterung gewinnen, da dort Sorgen über die...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Sechs Gründe, warum die Micron-Aktie zum Kauf einlädt
09.10.2026

Das Problem besteht nicht darin, einen Grund für den Kauf zu finden, sondern sich zu vergewissern, dass man davon nicht bereits zu viel im...