Politik

Streit um Renteneintritt: Lebenserwartung steigt langsamer als Rentenalter

Länger arbeiten, aber nicht länger leben? Neue Zahlen zeigen: Das Rentenalter steigt schneller als die Lebenserwartung. Die Debatte um ein späteres Renteneintrittsalter bekommt damit neuen Zündstoff.
29.04.2026 08:29
Aktualisiert: 29.04.2026 08:29
Lesezeit: 2 min

Statistik: Lebenserwartung steigt langsamer als Rentenalter

Das Rentenalter steigt nach offiziellen Daten derzeit schneller als die Lebenserwartung. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Laut Statistik hatten 65-Jährige zuletzt Aussicht auf weitere 19,4 Lebensjahre. Dieser Mittelwert der Jahre 2022 bis 2024 lag nach einigen Schwankungen auf demselben Niveau wie zehn Jahre zuvor. Das gesetzliche Alter für eine abschlagsfreie Rente wurde hingegen seit 2012 schrittweise um mehr als ein Jahr angehoben. Auch der tatsächliche Rentenstart verschob sich binnen zehn Jahren im Schnitt um gut 1,3 Jahre nach hinten.

Immer höhere Lebenserwartung? – «Das stimmt einfach nicht»

Die Linken-Abgeordnete Sarah Vollath hatte die kleine Anfrage gestellt, um Rufe aus der Regierung nach einer weiteren Erhöhung des Rentenalters zu kontern. So hatte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) im September mit Blick auf ein Papier ihres Beraterkreises erklärt, «dass wir angesichts einer höheren Lebenserwartung länger arbeiten müssen».

Vollath hält dem entgegen: «Das stimmt einfach nicht.» Aus der Antwort der Regierung auf ihre Anfrage schließt sie: «Die Lebenserwartung stagniert. Gleichzeitig steigt die Regelaltersgrenze schon jetzt immer weiter an.»

Rentenalter wird bis 2030 schrittweise auf 67 Jahre angehoben

Das gesetzliche Rentenalter wird bis 2030 in kleinen Schritten von 65 auf 67 Jahre erhöht, also um zwei Jahre. Die bis 2030 hochgerechnete Lebenserwartung wächst laut Antwort der Regierung aber im Mittel nur um ein Jahr für Männer und acht Monate für Frauen. «Die Regelaltersgrenze steigt zwischen 2012 und 2030 ungefähr doppelt so schnell wie die Lebenserwartung», schließt Vollath.

Die vollen zwei Jahre Zugewinn an Lebenszeit sind nach Angaben der Regierung in verschiedenen Rechenszenarien für Männer frühestens im Jahr 2035 und spätestens im Jahr 2056 erreicht; für Frauen dauert es im optimistischsten Szenario bis 2039 und im negativsten bis 2069.

Regionale Unterschiede

Die Lebenserwartung unterscheidet sich den Regierungsangaben zufolge regional deutlich. So hatten 65-jährige Frauen 2024 in Baden-Württemberg noch Aussicht auf 21,5 Jahre – im Saarland waren es nur knapp 20,2 Jahre. 65-jährige Männer in Baden-Württemberg hatten statistisch noch 18,6 Jahre vor sich, in Sachsen-Anhalt rund 16,6 Jahre.

Für Männer lag die Lebenserwartung in Westdeutschland durchweg etwas höher als in Ostdeutschland (Westen: 17,8; Osten 17,2). Bei Frauen ist es umgekehrt (Westen: 20,8; Osten: 21,1).

Daraus schließt Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek, dass eine weitere Erhöhung des Rentenalters eine Schieflage verschärfen würde. Es gebe nicht nur regionale, sondern auch soziale Unterschiede: «Niedriges Einkommen und niedriger Bildungsstand sowie schlechte Arbeitsbedingungen und Wohnsituation beeinflussen die Gesundheit und damit auch die Lebenserwartungen erheblich», stellte Reichinnek fest.

Rentenkommission soll Vorschläge machen

Die Regierung ließ in ihrer Antwort offen, ob es tatsächlich zu einer weiteren Anhebung des Rentenalters kommen könnte. Mit der Frage befasse sich die Alterssicherungskommission, deren Vorschläge man abwarte, hieß es.

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