Wirtschaft

Spritpreise steigen trotz Tankrabatt weiter an: Woran das liegt

Nach kurzer Entspannung ziehen die Spritpreise erneut an und sorgen für Unmut bei Verbrauchern. Der Tankrabatt sollte helfen, doch Zweifel wachsen. Kommt die Entlastung wirklich bei den Autofahrern an – oder verpufft sie im Marktgeschehen?
05.05.2026 07:13
Lesezeit: 3 min
Spritpreise steigen trotz Tankrabatt weiter an: Woran das liegt
Tankstelle in Bamberg: Trotz Tankrabatt ziehen die Benzinpreise wieder an. (Foto: dpa) Foto: Pia Bayer

Spritpreise ziehen erneut an: Wird der Tankrabatt wirklich weitergegeben?

Die Spritpreise sorgen aktuell bei vielen Autofahrern für Frust, da sie sich durch den Tankrabatt deutlich mehr Entlastung bei den Benzinpreisen erhofft hatten. Nach einem kräftigen Rückgang direkt am ersten Tag der Steuersenkung steigen die Spritpreise an den Zapfsäulen inzwischen wieder leicht an, wie aktuelle Daten des ADAC und des Bundeskartellamts belegen. Schon am Sonntag lagen Superbenzin und Diesel pro Liter im bundesweiten Durchschnitt lediglich noch zwischen 10 und 11 Cent unter dem Niveau vom letzten Tag vor Einführung des Tankrabatts - und damit klar unter den 16,7 Cent pro Liter, um die die Steuern zeitweise gesenkt worden waren.

Der ADAC leitet aus diesen Zahlen ab, dass die Energiesteuersenkung von knapp 17 Cent "noch immer nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben wurde". Eine Sprecherin bemängelt außerdem, "dass die Mineralölkonzerne erneut Preise anheben, ohne dass dies durch einen steigenden Rohölpreis gerechtfertigt wäre". Damit bleiben die Spritpreise weiterhin im Fokus der Kritik.

Vom Verbraucherzentrale Bundesverband hieß es: "Die Befürchtungen bewahrheiten sich: Der Tankrabatt kommt nicht vollständig bei Verbraucherinnen und Verbrauchern an. Statt Entlastung für Autofahrende droht erneut ein Konzernrabatt." Auch SPD-Fraktionschef Matthias Miersch erklärte in der Sendung "Frühstart" von RTL/ntv: "Das kann man sich nicht gefallen lassen." Möglicherweise müssten die Maßnahmen rund um die Spritpreise nochmals angepasst werden.

Energieverband sieht Wirkung beim Tankrabatt

Auch ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums stellte klar: "Es ist unsere klare Erwartung, dass die Mineralölkonzerne diese Steuersenkung weitergeben." Die Entwicklung der Spritpreise müsse nun genau beobachtet werden.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie bewertet die Situation dagegen anders: "Gemessen an den Tankstellenpreisen am 30. April wird der Tankrabatt von den Markentankstellen voll weitergegeben. Ohne die Steuersenkung wären die Preise rund 17 Cent je Liter höher." Seit der vergangenen Woche seien die Produktpreise für Benzin und Diesel auf dem Weltmarkt und damit auch die Einkaufspreise deutlich gestiegen. "Der Tankrabatt wirkt und schützt die Kunden in dieser Situation vor noch höheren Preisen."

Spritpreise zogen über das Wochenende an

Am 30. April lag der Preis für Super E10 laut ADAC im bundesweiten Durchschnitt bei 2,126 Euro pro Liter, Diesel bei 2,215 Euro. Am Freitag sanken die Spritpreise zunächst deutlich auf 1,989 und 2,079 Euro. Bis Sonntag stiegen die Preise jedoch wieder: E10 verteuerte sich um 2,8 Cent auf 2,017 Euro, Diesel um 2,5 Cent auf 2,104 Euro.

Das Bundeskartellamt kommt in seiner Analyse zu nahezu identischen Werten - die Differenzen bewegen sich im Bereich von Zehntel-Cent. Behördenpräsident Andreas Mundt betont: "Die Steuersenkung soll Verbraucherinnen, Verbraucher und die Wirtschaft in einer schwierigen Phase entlasten. Die Mineralölkonzerne sind allenfalls Treuhänder dieser Entlastung, sie ist nicht für sie bestimmt. Sie muss bei den Kunden ankommen."

Kartellamt empfiehlt Spritpreisvergleich per App

Eine eindeutige Bewertung, ob dies aktuell geschieht, gab Mundt nicht ab. Er empfiehlt Autofahrern jedoch: "Der App-Vergleich ist momentan wichtiger denn je, weil Preiskurven vieler Tankstellen beziehungsweise Marken stärker variieren als sonst." Gerade angesichts schwankender Spritpreise sei Transparenz entscheidend.

Seit Einführung der 12-Uhr-Regel steigen die Preise zur Mittagszeit häufig um mehr als 10 Cent an, sinken anschließend am Nachmittag und nochmals am Vormittag des folgenden Tages, bevor erneut ein Anstieg zur Mittagszeit erfolgt.

Entsprechend dieser Entwicklung fiel Super E10 am Montagvormittag im bundesweiten Schnitt vorübergehend wieder unter 2 Euro. Das Bundeskartellamt meldete um 10.14 Uhr einen Preis von 1,99 Euro pro Liter. Laut ADAC sank der Preis kurz vor dem Mittagssprung sogar auf 1,981 Euro, bevor er abrupt auf 2,099 Euro anstieg. Diesel kostete um 11.45 Uhr durchschnittlich 2,063 Euro und nach dem Preisanstieg 2,193 Euro pro Liter.

April markiert teuersten Monat für Spritpreise: Tankstellenverband sieht verzögerte Wirkung

Der Tankstellenverband bft erklärte, dass schwankende Spritpreise "ein übliches Marktphänomen" seien. Zudem wirke der Tankrabatt zeitlich verzögert, da die Steuersenkung nur für ab dem 1. Mai gelieferte Mengen gilt. "Eine sofortige und vollständige Weitergabe ist daher weder wirtschaftlich darstellbar noch regulatorisch vorgeschrieben", so der Verband. Nach Angaben des bft wurde am 1. Mai "außergewöhnlich viel getankt". Durch die starke Nachfrage sei es "stellenweise zu kurzfristigen Engpässen und leeren Tanks" gekommen - meist jedoch nur für wenige Stunden.

Inzwischen gilt als bestätigt, dass der April der teuerste Tankmonat aller Zeiten war. Berechnungen der Deutschen Presse-Agentur auf Basis von ADAC-Daten zeigen, dass ein Liter E10 im Monatsdurchschnitt 2,11 Euro kostete, während Diesel bei 2,27 Euro lag. Inflationsbereinigt stellen diese Werte jedoch keine neuen Rekorde dar.

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