Politik

China gewährt Afrika fast flächendeckend Zollfreiheit: mit einer Ausnahme

China öffnet seinen Markt weitgehend für Afrika. 53 von 54 Staaten erhalten zollfreien Zugang – der Schritt ist jedoch nicht nur wirtschaftlich motiviert, sondern Teil einer größeren geopolitischen Strategie.
05.05.2026 11:49
Aktualisiert: 05.05.2026 11:49
Lesezeit: 3 min
China gewährt Afrika fast flächendeckend Zollfreiheit: mit einer Ausnahme
China öffnet seinen Markt für fast ganz Afrika und schafft Zölle für 53 Staaten ab. Hinter der Entscheidung steht jedoch weit mehr als reine Handelspolitik – es geht um globale Machtverschiebung. (Foto: ChatGPT)

Marktöffnung für 53 afrikanische Staaten

China gewährt den 20 größten Volkswirtschaften Afrikas für zwei Jahre zollfreien Zugang zu seinem Markt. Das berichtet die Nachrichtenagentur "AP". Bereits seit dem Jahr 2000 hatte Peking 33 kleinere Staaten nach und nach entlastet. Damit können nun 53 der 54 Länder Afrikas ihre Waren zollfrei mit China handeln.

China öffnet seine Türen: Ab dem 1. Mai 2026 können 53 afrikanische Staaten ihre Waren zollfrei in die Volksrepublik exportieren. Damit erhalten fast alle Länder des Kontinents – mit Ausnahme von Eswatini, das diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhält – besseren Zugang zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt.

Außen vor bleibt einzig das kleine Königreich Eswatini, das als einziges Land auf dem Kontinent diplomatische Beziehungen zu Taiwan unterhält.

Die aktuelle Ausweitung auf fast alle afrikanischen Staaten signalisiert zudem, dass sich China zunehmend als Industriestaat begreift und seine ungleiche Stellung gegenüber vielen Entwicklungsländern anerkennt.

Auch China hatte, ähnlich wie die USA, bereits im Jahr 2000 beschlossen, den "am wenigsten entwickelten Ländern" Afrikas zollfreien Zugang zum chinesischen Markt zu gewähren. Die aktuelle Ausweitung auf fast alle afrikanischen Staaten signalisiert, dass sich China zunehmend als Industriestaat begreift und seine ungleiche Stellung gegenüber vielen Entwicklungsländern anerkennt.

Der Schritt ist einseitig: Afrikanische Staaten dürfen weiterhin Zölle erheben.

Offiziell will China den Marktzugang für afrikanische Exporte verbessern und die Handelsbeziehungen ausgleichen. Denn diese verlaufen bislang deutlich zugunsten der Volksrepublik.

Handel: Rohstoffe gegen Industrieprodukte

Laut der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua profitieren besonders Produkte wie Kakao aus der Elfenbeinküste und Ghana, Kaffee und Avocados aus Kenia sowie Zitrusfrüchte und Wein aus Südafrika, die bisher mit Zöllen zwischen 8 und 30 Prozent belegt waren. Auch der Bergbau dürfte laut "Global Times" zu den Gewinnern zählen.

Während chinesische Unternehmen vor allem weiterverarbeitete Güter wie Elektronik, Textilien oder grüne Technologien liefern, bestehen die afrikanischen Ausfuhren überwiegend aus mineralischen und agrarischen Rohstoffen.

Die Zollbefreiung wird diese strukturelle Ungleichheit kaum verändern. Um afrikanische Ausfuhren in den bereits exportstarken Sektoren weiter zu fördern, bedarf es darüber hinaus weiterer Schritte, die über die Nullzollpolitik hinausgehen. Dazu zählt die Reduktion sogenannter nichttarifärer Barrieren, etwa die Anerkennung von Qualitäts- und Lebensmittelstandards. Auch hier möchte die chinesische Regierung unterstützen und Verfahren beschleunigen.

Führende Volkswirtschaften Afrikas suchen angesichts der US-Handelspolitik unter Donald Trump verstärkt neue Absatzmärkte. Die US-Regierung hatte in der Vergangenheit hohe Zölle verhängt, zeitweise bis zu 30 Prozent für Südafrika und über 40 Prozent für andere afrikanische Staaten.

Ungeachtet der unmittelbaren wirtschaftlichen Effekte stärkt die Nullzollpolitik die Beziehungen zwischen China und Afrika – und steht in deutlichem Kontrast zur US-Handelspolitik.

US-Präsident Donald Trump hatte vor rund einem Jahr unter dem Schlagwort "Liberation Day" Strafzölle auf Importe aus zahlreichen Staaten verhängt, darunter auch aus Afrika. Zwar erklärte der Supreme Court diese Maßnahmen später für verfassungswidrig, doch die Unsicherheit für exportorientierte Unternehmen bleibt. Das Handelspräferenzprogramm African Growth and Opportunity Act, das afrikanischen Ländern seit 2000 zollfreien Zugang für mehr als 1.800 Produkte gewährt, wurde zudem nur bis Ende 2026 verlängert und soll künftig stärker an der "America first"-Politik ausgerichtet werden.

Ungleichgewicht im Handel bleibt bestehen

China ist bereits wichtigster Handelspartner des Kontinents mit 1,5 Milliarden Einwohnern. Laut "AP" erreichte der Handel 2025 ein Rekordvolumen von 348 Milliarden Dollar. Chinas Exporte nach Afrika legten um rund 25 Prozent auf 225 Milliarden zu, Importe aus Afrika dagegen nur um rund 5 Prozent auf 123 Milliarden. Experten verweisen auf daraus erwachsende hohe Schulden vieler afrikanischer Staaten bei Peking.

Die Volksrepublik gewährt 53 afrikanischen Ländern ab Freitag zollfreien Zugang. Das stärkt Beziehungen – ändert aber Handelsungleichgewichte kaum.

2025 standen chinesische Exporte im Wert von rund 225 Milliarden Dollar nach Afrika afrikanischen Exporten von etwa 123 Milliarden nach China gegenüber.

China, Afrika und geopolitische Interessen

"Partnerschaft auf Augenhöhe"? Malis Militärmachthaber Assimi Goïta nahm im September 2024 am China-Afrika-Gipfel in Peking teil und wurde vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping und seiner Frau empfangen.

Ungeachtet der unmittelbaren wirtschaftlichen Effekte stärkt die Nullzollpolitik die Beziehungen zwischen China und Afrika – und steht in deutlichem Kontrast zur US-Handelspolitik.

Völlig uneigennützig ist dieser Schritt freilich nicht, sondern reiht sich in eine breitere geopolitische Strategie ein. China baut seine wirtschaftlichen Verflechtungen mit dem Globalen Süden aus – auch als Reaktion auf wachsende Handelskonflikte mit den USA und der EU.

Von den guten Beziehungen zu vielen afrikanischen Regierungen profitiert die Kommunistische Partei dann auch an anderer Stelle: Als Taiwans Präsident Lai Ching-te jüngst Eswatini besuchen wollte, verweigerten ihm die Seychellen, Mauritius und Madagaskar den Überflug.

China als globaler Währungs- und Zahlungstreiber

Auch in Asien baut China seinen Einfluss aus. China und Indonesien haben kürzlich ein gemeinsames System für grenzüberschreitende QR-Zahlungen gestartet. Nutzer können nun ihre heimischen Bezahl-Apps wie Alipay in China oder das indonesische System QRIS verwenden, um in beiden Ländern per QR-Code im Einzelhandel zu zahlen, und zwar in ihrer jeweiligen Heimatwährung.

Damit entfällt für Reisende und Händler ein Teil der Geldwechsel- und Transaktionskosten. Für China bedeutet das Projekt weit mehr als nur einen Service für Touristen. Laut der "South China Morning Post" ist das neue System Teil einer größeren Strategie, die eigene Währung international zu stärken und zugleich die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.

Peking baut seine digitale Zahlungsinfrastruktur in der gesamten ASEAN-Region aus. In Thailand können chinesische Besucher seit Ende Oktober mit heimischen digitalen Geldbörsen in Yuan bei lokalen Händlern zahlen. Auch in Vietnam, Malaysia und Singapur bestehen bereits ähnliche Konzepte.

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Maximilian Modler berichtet über spannende Entwicklungen aus den Bereichen Energie, Technologie - und über alles, was sonst noch für die deutsche Wirtschaft relevant ist. Er hat BWL, Soziologie und Germanistik in Freiburg, London und Göteborg studiert. Als freier Journalist war er u.a. für die Deutsche Welle, den RBB, die Stiftung Warentest, Spiegel Online und Verbraucherblick tätig.

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