Wirtschaft

Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss

Klimarisiken und Nachhaltigkeit werden für Europas Mittelstand zu entscheidenden Faktoren für Finanzierung, Wettbewerbsfähigkeit und Krisenfestigkeit. Wie gut sind KMU auf diese neue wirtschaftliche Belastungsprobe vorbereitet?
25.05.2026 09:35
Lesezeit: 3 min
Klimarisiken in Europa: Warum der Mittelstand besser vorsorgen muss
Europäische KMU stehen bei Klimarisiken vor einer wachsenden Absicherungslücke, während Nachhaltigkeit zunehmend über Finanzierung, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit entscheidet (Foto: dpa) Foto: Jens Büttner

Klimarisiken setzen Europas Mittelstand unter Druck

Eine Studie von Generali und SDA Bocconi zeigt, dass 68 Prozent der europäischen KMU Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil sehen. Die meisten Unternehmen sind jedoch weiterhin nicht ausreichend gegen Klimarisiken abgesichert. Damit wird Extremwetter zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risiko für den europäischen Mittelstand. Nachhaltigkeit ist für kleine und mittlere Unternehmen in Europa längst nicht mehr nur ein Umweltthema. Sie wird zunehmend zu einer Frage der Wettbewerbsfähigkeit, des Zugangs zu Finanzierung und eines professionellen Risikomanagements. Gerade für kleinere Betriebe entscheidet sich daran, wie widerstandsfähig ihr Geschäftsmodell unter wachsendem Druck bleibt.

Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit, anspruchsvoller Regulierung und immer deutlicherer Folgen des Klimawandels beziehen mehr als 40 Prozent der KMU Nachhaltigkeitsaspekte weiterhin in ihre Geschäftsentscheidungen ein. Das ist ein Drittel mehr als vor sechs Jahren. 68 Prozent der Unternehmen erkennen Nachhaltigkeit inzwischen als wichtigen Wettbewerbsvorteil. Grundlage sind die Ergebnisse der fünften Ausgabe eines Weißbuchs, das Generali in Zusammenarbeit mit der Universität SDA Bocconi und ihrem Labor für nachhaltige Entwicklung erstellt. Die Untersuchung analysiert, wie sich nachhaltige Praktiken bei europäischen kleinen und mittleren Unternehmen auf deren langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandskraft auswirken.

Regulierung wird zum größten Hindernis

"Die Studie markiert in diesem Jahr sechs Jahre ununterbrochener Beobachtung der nachhaltigen Transformation kleiner und mittlerer Unternehmen. In dieser Zeit hat sie sich zu einer der umfassendsten Langzeitstudien zur Nachhaltigkeit von KMU in Europa entwickelt", sagte Francesco Billari, Rektor der Universität Bocconi, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Die Untersuchung umfasst elf Länder und fünf Erhebungswellen.

Nach Angaben Billaris bietet die Studie einen vertieften Einblick, wie europäische KMU Nachhaltigkeit in ihre Geschäftstätigkeit und ihre langfristigen Strategien integrieren. Das wichtigste Hindernis für die Einführung nachhaltiger Praktiken sind erstmals seit 2020 nicht mehr finanzielle, sondern institutionelle Beschränkungen. Unternehmen nennen vor allem unklare Gesetze, fehlende Anreize und schwache institutionelle Unterstützung als größte Hürden.

Europäische KMU formulieren damit deutlich, wo die Probleme bei der Umsetzung nachhaltiger Geschäftsmodelle liegen. Nachhaltigkeit hängt für den Mittelstand nicht allein vom unternehmerischen Willen ab, sondern auch von verlässlichen politischen Rahmenbedingungen und praktikablen Regeln. Ohne bessere Abstimmung zwischen Politik, Finanzsektor und Institutionen bleiben viele Vorhaben schwer umsetzbar.

"Für schnellere Fortschritte werden den Ergebnissen der Studie zufolge besser abgestimmte Maßnahmen der Staaten, der europäischen Institutionen und des Finanzsektors entscheidend sein, von steuerlichen Anreizen und günstigerer Finanzierung bis hin zu mehr fachlicher Unterstützung für Unternehmen bei der Einführung nachhaltiger Praktiken", sagte Lucia Silva, Chief Sustainability Officer der Generali Group.

Klimawandel wird zum Geschäftsrisiko

Der Klimawandel entwickelt sich für europäische KMU zu einem immer konkreteren Geschäftsrisiko. Zwar erkennen die Unternehmen diese Risiken zunehmend besser, doch die Mehrheit verfügt weiterhin nicht über ausreichenden Schutz vor extremen Wetterereignissen oder Betriebsunterbrechungen. Damit bleibt ein erheblicher Teil des Mittelstands finanziell verwundbar.

Viele Unternehmen bleiben bei Überschwemmungen, Stürmen oder anderen Klimaereignissen direkten finanziellen Verlusten ausgesetzt. Hinzu kommen Störungen in Lieferketten und Einnahmeausfälle, die kleine und mittlere Unternehmen besonders hart treffen können. Die Studie zeigt zugleich, dass das Interesse an Klimaversicherungen zunimmt. Das Schutzniveau bleibt jedoch weiterhin hinter dem tatsächlichen Bedarf der Wirtschaft zurück. Extremwetter wird damit nicht nur zu einer ökologischen Belastung, sondern zu einem betriebswirtschaftlichen Problem. Für viele Unternehmen entscheidet die Vorbereitung auf Klimarisiken zunehmend darüber, wie widerstandsfähig ihr Geschäftsmodell bleibt.

Nachhaltigkeit bringt messbare Vorteile

Unternehmen, die in nachhaltige Praktiken investieren, erkennen zunehmend konkrete geschäftliche Vorteile. 68 Prozent der KMU sehen Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil. Das sind 18 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2022 und zeigt, dass Nachhaltigkeit im Mittelstand stärker als strategischer Faktor wahrgenommen wird.

Zugleich berichten die Unternehmen von einem besseren Zugang zu Versicherungen und Finanzierung. "Die Ergebnisse zeigen, dass Nachhaltigkeit für KMU nicht nur zu einer ökologischen, sondern auch zu einer finanziellen und geschäftlichen Chance wird", sagte Lucia Silva. Damit rückt Nachhaltigkeit näher an zentrale Fragen der Unternehmenssteuerung heran. Nachhaltigkeit wird für viele Betriebe zu einem Faktor, der über Marktposition, Finanzierungskosten und Resilienz entscheiden kann. Besonders für kleinere Unternehmen gewinnt dieser Zusammenhang an Bedeutung, wenn Kapitalgeber, Versicherer und Kunden stärker auf Risiken und Standards achten. Die Studie macht deutlich, dass Nachhaltigkeit kein Randthema mehr ist.

Europäische KMU als Nachhaltigkeitshelden ausgezeichnet

Die Vorstellung der Ergebnisse aus dem Weißbuch wurde von der Veranstaltung SME EnterPRIZE begleitet. Dabei zeichnete Generali elf Nachhaltigkeitshelden aus, die aus mehr als 8.500 KMU in Europa ausgewählt wurden. Die prämierten Unternehmen stammen aus Österreich, Bulgarien, Kroatien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Italien, Portugal, Slowenien und Spanien.

Die Auszeichnung soll Unternehmen sichtbar machen, die Nachhaltigkeit bereits konkret in ihre Geschäftsmodelle integrieren. Dazu zählen Programme für ressourcenschonendes Wirtschaften, verantwortungsvolle Unternehmensführung und nachhaltige Angebote in unterschiedlichen Branchen. Damit rückt die Initiative nicht einzelne Länder, sondern die Breite des europäischen Mittelstands in den Vordergrund.

Aus Slowenien wurde das Unternehmen 5 Start, das Pohorje Village Wellbeing Resort, ausgezeichnet. Natalija Ilešić sagte, die Auszeichnung als Nachhaltigkeitsheld 2025 sei eine Ehre und eine Bestätigung dafür, dass nachhaltige Programme, besondere Geschäftsevents und Angebote für Kinder dazu beitrügen, einen Tourismus mitzugestalten, der Werte stärke und das grüne Ansehen erhöhe. SME EnterPRIZE ist eine globale Initiative der Generali Group, die verantwortungsvolles Unternehmertum und nachhaltige Lösungen in der Wirtschaft fördert. Der Wettbewerb findet in mehreren europäischen Ländern sowie in Asien statt.

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