Wirtschaft

Hohe Energiekosten: Energieintensive Industrie in Deutschland drosselt Produktion

Steigende Energiekosten setzen Deutschlands Industrie massiv unter Druck. Besonders energieintensive Branchen verlieren Produktion und Arbeitsplätze in erhelichem Umfang. Gleichzeitig entwickelt sich ein Bereich entgegen dem Trend überraschend positiv. Droht der deutschen Industrie dennoch ein langfristiger Strukturverlust?
15.05.2026 08:58
Lesezeit: 1 min
Hohe Energiekosten: Energieintensive Industrie in Deutschland drosselt Produktion
Blick auf das Gelände der Salzgitter AG: Hohe Energiepreise treffen Deutschlands Industrie hart. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Energieintensive Industrie in Deutschland drosselt Produktion

Hohe Energiekosten haben in Deutschland zu einer sinkenden Produktion und zum Verlust zahlreicher Arbeitsplätze in besonders energieintensiven Industriezweigen geführt. Der Rückgang der Produktion in ausgewählten Bereichen wie Chemie, Papier, Glas oder Metallerzeugung fiel mit 15,2 Prozent seit Februar 2022 erheblich stärker aus als in der gesamten Industrie mit 9,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. In den Daten ist auch der März dieses Jahres berücksichtigt.

Mit der rückläufigen Produktion gingen zahlreiche Arbeitsplätze verloren. Im März 2026 waren 794.400 Menschen in energieintensiven Industriebereichen beschäftigt, 6,3 Prozent weniger als noch im Februar 2022. Das entspricht einem Rückgang um rund 53.200 Stellen. Die Papierindustrie verzeichnete anteilig den größten Verlust (minus 8,6 Prozent), gefolgt von der Metallerzeugung und -verarbeitung (minus 7,1 Prozent).

Mineralölverarbeitung steigert Produktion

Eine Ausnahme bleibt die Mineralölverarbeitung: Sie erhöhte ihre Produktion um 24,6 Prozent und schuf zusätzlich 1.000 neue Arbeitsplätze. Besonders seit Januar 2026 wurden dort deutliche Produktionszuwächse registriert.

Die energieintensiven Industriezweige benötigten im Jahr 2024 rund drei Viertel (75,6 Prozent) der gesamten in der Industrie verbrauchten Energie. Der größte Energieverbraucher war die Chemiebranche mit einem Anteil von 27,9 Prozent, vor der Metallerzeugung und -bearbeitung (23,7 Prozent) sowie der Mineralölverarbeitung (10,7 Prozent). Wichtigste Energieträger waren Erdgas mit gut einem Viertel (26,3 Prozent), Mineralöl (21,0 Prozent), Kohle (18,1 Prozent) sowie Strom (15,2 Prozent).

Industrie unter wachsendem Druck

Deutschlands energieintensive Industrie steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Hohe Energiepreise belasten Produktion, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung in zentralen Industriezweigen spürbar. Besonders Chemie, Papier sowie die Metallindustrie verzeichnen deutliche Rückgänge und bauen Arbeitsplätze ab. Gleichzeitig zeigt die Entwicklung der Mineralölverarbeitung, dass einzelne Branchen durchaus von veränderten Marktbedingungen profitieren können.

Dennoch bleibt die Gesamtlage angespannt, da energieintensive Unternehmen weiterhin stark von den Kosten für Erdgas, Strom und andere Energieträger abhängig sind. Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, wie eng die wirtschaftliche Entwicklung der Industrie mit der Energieversorgung verbunden bleibt. Entscheidend wird sein, ob sich die Energiekosten künftig nachhaltig stabilisieren können.

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