Politik

Klimaschutzmaßnahmen reichen nicht aus: Expertenrat warnt vor Scheitern deutscher Klimaziele

Die Bundesregierung sieht Deutschland beim Klimaschutz auf Kurs. Doch ein aktuelles Gutachten des Expertenrats für Klimafragen zeichnet ein deutlich kritischeres Bild.
18.05.2026 18:04
Lesezeit: 2 min
Klimaschutzmaßnahmen reichen nicht aus: Expertenrat warnt vor Scheitern deutscher Klimaziele
Der Expertenrat für Klimafragen kritisiert die Klimapolitik der Bundesregierung. (Foto: ChatGPT)

Expertenrat kritisiert Regierung: Klimaschutzmaßnahmen reichen nicht aus

Die Maßnahmen der Bundesregierung zum Klimaschutz genügen nach Einschätzung eines wichtigen Beratergremiums nicht. Die Wirkung des kürzlich von Umweltminister Carsten Schneider (SPD) präsentierten Klimaschutzprogramms dürfte deutlich schwächer ausfallen als von der Bundesregierung erwartet, schreibt der Expertenrat für Klimafragen in seinem neuesten, in Berlin veröffentlichten Gutachten.

Selbst wenn das Programm vollständig umgesetzt werde, lasse sich keines der Ziele für das Jahr 2040 erreichen, so der Expertenrat, ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung.

Expertenrat hält Bundesregierung für zu optimistisch

Die Berechnungen des Umweltbundesamts (UBA) für das vergangene Jahr, wonach der Ausstoß von Treibhausgasen gegenüber dem Vorjahr um 0,1 Prozent zurückging, bestätigt der Expertenrat zwar. Die UBA-Prognosen zur erwarteten Entwicklung der Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2030 bewerten die Experten jedoch als zu optimistisch – insbesondere bei Emissionen aus dem Energiesektor und dem Gebäudebereich.

"Für beide Sektoren gehen wir davon aus, dass die tatsächlichen Emissionen höher ausfallen dürften als ausgewiesen", erklärte die Vorsitzende des Rats, Barbara Schlomann. Zusätzliche Risiken entstünden demnach unter anderem durch die Reform des Heizungsgesetzes, die in den Projektionen des UBA, auf die sich die Bundesregierung stützt, bislang noch nicht berücksichtigt worden sei.

Bis zu 100 Millionen Tonnen CO2 mehr möglich

Im deutschen Klimaschutzgesetz ist geregelt, wie viele Treibhausgase Deutschland zwischen 2020 und 2030 jährlich maximal ausstoßen darf – die Summe aller Jahresmengen bildet das sogenannte Emissionsbudget.

Anders als die Bundesregierung erwartet der Expertenrat nicht, dass dieses Budget knapp eingehalten werden kann. Stattdessen rechnen die Experten mit einer Überschreitung von 60 bis 100 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Andere Treibhausgase werden dabei zur besseren Vergleichbarkeit in CO2 umgerechnet.

Klimaziele langfristig kaum noch erreichbar

Ein weiteres Ziel sieht vor, dass der Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um mindestens 65 Prozent sinken soll, bis 2040 um mindestens 88 Prozent.

Auch diese Vorgaben dürften nach Einschätzung des Expertenrats verfehlt werden. Dadurch werde es zunehmend unwahrscheinlich, dass Deutschland sein Ziel erreicht, bis 2045 klimaneutral zu werden – also nicht mehr Treibhausgase auszustoßen, als wieder gespeichert werden können.

Lob für Moorschutz – dennoch deutliche Kritik

Auch beim Bereich Landnutzung, zu dem unter anderem Wälder und Moore zählen, zeichnen die Experten ein negatives Bild. Für diesen Bereich existieren ebenfalls gesetzlich festgelegte Emissions-Einsparziele für die Jahre 2030, 2040 und 2045, die nach Einschätzung des Rats ebenfalls verfehlt werden dürften. Stattdessen würden dort bis zur Mitte des Jahrhunderts dauerhaft mehr Treibhausgase ausgestoßen als gespeichert.

Wälder und Moore können CO2 speichern und damit zum Klimaschutz beitragen. Die neuen Ansätze der Bundesregierung, etwa zur Förderung einer schonenden Nutzung von Mooren, bewertet der Expertenrat zwar als sinnvoll, insgesamt jedoch bei Weitem nicht als ausreichend. Das Fazit der Regierungsberater lautet: "Aus Sicht des Expertenrats für Klimafragen folgt aus den identifizierten Zielverfehlungen dringender politischer Handlungsbedarf."

Klimaziele geraten zunehmend unter Druck

Das Gutachten des Expertenrats für Klimafragen erhöht den Druck auf die Bundesregierung deutlich. Zwar wurden zuletzt leichte Fortschritte bei den Treibhausgas-Emissionen erzielt, doch nach Ansicht der Experten reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Besonders problematisch sind demnach die Bereiche Energie, Gebäude und Landnutzung. Auch langfristige Ziele wie die Klimaneutralität bis 2045 erscheinen zunehmend gefährdet. Der Bericht macht deutlich, dass zusätzliche politische Maßnahmen notwendig sein könnten, um die Emissionen stärker zu senken. Ohne wirksamere Strategien drohen Deutschland nicht nur Zielverfehlungen, sondern auch erhebliche politische und wirtschaftliche Herausforderungen in den kommenden Jahren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Marine Le Pen plant finanzpolitischen Kurs mit großen Einsparungen: Auf den Straßen wächst die Wut
10.10.2026

Frankreich steht finanziell mit dem Rücken zur Wand. Während Zehntausende junge Menschen gegen marode Schulen und fehlende Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Generation Z trifft auf Generation X: Wie ein Eiskaffee zum Karrierekiller werden kann
10.10.2026

Ein Eiskaffee beim Bewerbungsgespräch sollte eigentlich keine große Sache sein. Doch für manche Personalverantwortliche verrät der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EZB-Leitzinsen: Die Zinswende kommt anders als erwartet
10.10.2026

Erst schien die nächste Zinserhöhung der EZB fast sicher, jetzt rudern die Finanzmärkte zurück. Trotz hartnäckiger Inflation und...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Anleger wägen SpaceX-Schritt ab, während die Wall Street boomt
09.10.2026

Wie ein überraschender Deal die Kräfteverhältnisse an der Börse nachhaltig verschiebt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Finanz Informatik: Der unsichtbare Riese hinter der Sparkassen-Digitalisierung
09.10.2026

Vom Online-Banking bis zu Wertpapiergeschäften – die Finanz Informatik digitalisiert 338 Sparkassen und betreut rund 114 Millionen...

DWN
Politik
Politik Brüssel schlägt vor: weniger Kommissare, weniger Vetos, mehr Schutzklauseln und 15 Jahre Kontrolle neuer Mitglieder
09.10.2026

Die Europäische Kommission will in den bisherigen Mitgliedstaaten Unterstützung für die Erweiterung gewinnen, da dort Sorgen über die...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Sechs Gründe, warum die Micron-Aktie zum Kauf einlädt
09.10.2026

Das Problem besteht nicht darin, einen Grund für den Kauf zu finden, sondern sich zu vergewissern, dass man davon nicht bereits zu viel im...

DWN
Politik
Politik Per Haftbefehl gesucht: Mehr als 148.000 offene Haftbefehle in Deutschland
09.10.2026

Warum bleiben Tausende Haftbefehle in Deutschland offen? Welche Rolle spielen Ersatzfreiheitsstrafen und die Staatsangehörigkeit dabei?