Immobilien

Tiefpunkt beim Wohnungsbau: Fertigstellungen brechen auf Niveau von 2012 ein

Der Wohnungsbau in Deutschland erlebt einen historischen Dämpfer. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte, wurden im vergangenen Jahr lediglich 206.600 Wohnungen fertiggestellt – so wenige wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einem drastischen Rückgang von 18 Prozent bzw. 45.400 Einheiten.
22.05.2026 09:42
Lesezeit: 1 min

Entfernte Ziele und "Bau-Turbo"

Gleichzeitig ist 2025 die Zahl der Baugenehmigungen wieder leicht angestiegen, um 10,6 Prozent auf 238.100 Einheiten. Der sogenannte Bauüberhang aus bereits genehmigten, aber noch nicht fertiggestellten Wohnungen stagnierte bei 760.700 Einheiten. Davon waren 307.200 Wohnungen bereits im Bau. Einige Bauprojekte mussten auch aufgegeben werden, weil die Genehmigungen erloschen sind. Dies war für 35.700 Wohnungen der Fall - der höchste Wert seit 2002.

Wohnraum ist gerade in Ballungsräumen knapp. Schätzungsweise fehlen rund eine Million Wohnungen in Deutschland. Die frühere Ampelregierung aus SPD, Grünen und FDP hatte sich das Ziel von 400.000 neuen Einheiten pro Jahr gesetzt, diese Marke aber stets verfehlt. In der Spitze wurden im Jahr 2020 gut 306.000 Wohnungen erstellt. Der Wohnungsbau stockt seit langem, nicht zuletzt, weil hohe Baukosten und langwierige Genehmigungen Bauherren belasten.

Die amtierende Bundesregierung will mit einem "Bau-Turbo" über schnellere Genehmigungen den Wohnungsbau voranbringen und hat zudem Förderprogramme für energieeffizientes Bauen reaktiviert. Die Hoffnung auf eine Erholung am Bau wird aber mit dem Iran-Krieg gedämpft. Zwar sind die Baugenehmigungen im ersten Quartal kräftig um fast 15 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt jüngst mitteilte. Doch mit dem Krieg haben sich Baumaterialien verteuert und die Zinsen für Immobilienkredite haben mit Inflationsängsten deutlich angezogen.

Aktuell weniger Aufträge am Bau

Auch die Bauaktivität bei Nichtwohngebäuden wie Fabriken oder Büros ist laut Bundesamt im Jahr 2025 erneut zurückgegangen. Bei den im Jahr 2025 fertiggestellten Nichtwohngebäuden verringerte sich der umbaute Raum gegenüber dem Jahr 2024 um 3,8 Prozent auf 170,9 Millionen Kubikmeter.

Neue Aufträge waren im Bauhauptgewerbe im März Mangelware, wie das Bundesamt in einer weiteren Statistik errechnet hat. Der preisbereinigte Wert der Bestellungen ging gegenüber dem Vormonat um 1,6 Prozent zurück. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren es 7,7 Prozent weniger. Gleichzeitig stiegen aber die Umsätze. Sie lagen mit 9,2 Milliarden Euro nominal um 5,3 Prozent höher als vor einem Jahr. Preisbereinigt beträgt der Zuwachs noch 2,5 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Aktien im Fokus, während die Wall Street im Minus bleibt
23.10.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Warum Technologiewerte und Rohstoffe die Anleger derzeit in Atem halten.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Erfolgreich mit Bio-Erdnüssen: Zwei Bauern sparen mit KI 90 Prozent der Arbeitskosten
23.10.2026

Trockenheit wird für Europas Landwirtschaft zum immer größeren Problem. Zwei Brüder aus Österreich reagieren darauf mit einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
23.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Verkauf russischen Goldes seit der Finanzkrise 1998: Weitere Tonnen verschwinden aus den Tresoren
23.10.2026

Die neuesten Daten der russischen Zentralbank zeigen, dass die Verkäufe aus den Goldreserven seit Jahresbeginn bereits 62 Tonnen erreicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Warum Frankreich weniger Schulden hat als die USA, dafür aber härter bestraft wird
23.10.2026

Die neuesten Eurostat-Daten für das zweite Quartal zeigen, dass die französische Staatsverschuldung im Verhältnis zur...

DWN
Politik
Politik Bundeswehr: Wehrdienst-Fragebogen ignoriert? Dann droht ein Bußgeld
23.10.2026

Seit Januar werden in Deutschland junge Menschen ab 18 von der Bundeswehr zu ihrer Bereitschaft eines möglichen Wehrdiensts angeschrieben....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DWN-Podcast Folge 48: Die Woche im Rückblick – KW 43
23.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Länderfinanzausgleich: Söder will AfD- und Linke-Ländern Geld streichen
23.10.2026

Mit einer sogenannten "Extremismusklausel" will Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mögliche von der AfD oder der Linken geführten...