Wirtschaft

Düngemittelpreise explodieren und Brüssel liefert nur erste Hilfen

Erst Energiekrise, dann Nahost-Krieg, jetzt die nächste Kostenwelle auf den Feldern. Europas Bauern sollen vor der kommenden Aussaat EU-Hilfen erhalten, doch 200 Millionen Euro wirken angesichts stark gestiegener Düngemittelpreise wie ein Anfang, nicht wie eine Lösung. Brüssel verspricht Tempo, während viele Betriebe längst rechnen, ob sich ihre Anbauplanung noch lohnt.
21.05.2026 16:01
Lesezeit: 3 min
Düngemittelpreise explodieren und Brüssel liefert nur erste Hilfen
Der vorgestellte Plan zur Senkung der Düngemittelpreise beinhaltet keine Sofortmaßnahmen, die den Landwirten Entlastung bringen würden. (Foto: dpa | Bernd Wüstneck) Foto: Bernd Wüstneck

Düngemittelpreise setzen Europas Bauern vor der Aussaat unter Druck

Die Krise im Nahen Osten hat die Düngemittelpreise deutlich steigen lassen. Vor der nächsten Aussaatsaison sollen europäischen Landwirten mindestens 200 Millionen Euro aus EU-Mitteln zur Verfügung stehen. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.

Europäische Bauern sollen vor der kommenden Aussaatsaison beim Kauf von Düngemitteln unterstützt werden. EU-Agrarkommissar Christophe Hansen kündigte bei der Vorstellung eines Aktionsplans für Düngemittel in Straßburg an, dass mindestens 200 Millionen Euro europäische Mittel bereitstehen sollen. Die Preise für Düngemittel liegen nach seinen Angaben infolge des Krieges im Nahen Osten rund 70 Prozent höher als im Jahr 2024. Hansen erklärte vor den Abgeordneten des Europäischen Parlaments, dass die Preise auf dem EU-Markt für Düngemittel in den vergangenen Jahren stark geschwankt hätten. Nach dem Höchststand im Jahr 2022, der mit der Energiekrise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine verbunden war, hätten sie sich zwar beruhigt. Auf das Niveau vor der Covid-19-Pandemie seien sie jedoch nie zurückgekehrt. Im Jahr 2025 seien die Preise erneut gestiegen. Die Krise im Nahen Osten habe die Lage zusätzlich verschärft.

"Die Preise für Stickstoffdünger liegen etwa 70 Prozent über dem Durchschnitt des Jahres 2024 und deutlich höher als vor Covid. Die Erschwinglichkeit von Düngemitteln befindet sich derzeit auf dem niedrigsten Stand seit 2022, was das Verhalten der Landwirte bereits verändert. Einige reduzieren den Einsatz von Düngemitteln, entscheiden sich für andere Kulturen, um den Bedarf an Stickstoff zu senken, oder verringern, was noch schlimmer ist, ihre Anbauflächen", betonte Kommissar Hansen.

EU-Hilfen sollen Planungssicherheit vor dem Sommer schaffen

Nach Angaben Hansens ist der Bedarf an Düngemitteln für die diesjährige Erntesaison größtenteils gedeckt. Die Sorgen für die kommende Saison nehmen jedoch zu. Deshalb brauchen Landwirte vor dem Sommer Planungssicherheit. In dieser Phase entscheiden sie, was sie aussäen und wie stark sie düngen. Genau diese Berechenbarkeit solle der kurzfristige Teil des nun vorgestellten Aktionsplans schaffen, sagte Hansen im Parlament.

Die Europäische Kommission will gezielte, außerordentliche Unterstützung für die am stärksten betroffenen Bauern bereitstellen. Auf einer Pressekonferenz erklärte Hansen, in der Agrarreserve der EU seien für dieses Jahr noch etwas mehr als 200 Millionen Euro verfügbar. In Gesprächen mit dem Europäischen Parlament und dem Rat der EU, die für den europäischen Haushalt zuständig sind, will die Kommission darauf hinwirken, diese Summe mindestens zu verdoppeln. Den Vorschlag für die entsprechende Rechtsgrundlage will die Kommission nach Angaben des Kommissars im kommenden Monat vorlegen. Ziel sei eine möglichst schnelle Annahme, damit die Mittel den Bauern zu Beginn des Herbstes zur Verfügung stehen. Hansen äußerte die Hoffnung, dass die Europaabgeordneten und die Mitgliedstaaten bei der Verabschiedung der Rechtsgrundlage konstruktiv handeln.

Darüber hinaus will Brüssel eine Ergänzung der Rechtsvorschriften zur Gemeinsamen Agrarpolitik vorschlagen. Dadurch könnten Mitgliedstaaten nicht verwendete europäische Mittel einsetzen, um Liquiditätsprogramme zur Unterstützung von Landwirten zu finanzieren und jährliche Zahlungen vorab auszuzahlen. Der Aktionsplan umfasst insgesamt 25 Maßnahmen. Neben kurzfristigen Schritten enthält er auch langfristige Initiativen. Eine davon soll die Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Düngemittelherstellern und Mitgliedstaaten verbessern, um die heimische Produktion zu stärken.

Düngemittelpreise werden auch für deutsche Betriebe zum Risiko

Während der Vorstellung des Plans versammelten sich mehrere Hundert europäische Landwirte zu einem Protest vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. Sie forderten von der Kommission umgehend konkrete Maßnahmen, um Düngemittel besser verfügbar und bezahlbar zu machen.

Die Organisation Copa-Cogeca, die auf EU-Ebene die Interessen europäischer Landwirte vertritt und den Protest organisiert hatte, kritisierte den vorgestellten Plan. Er enthalte keine sofort wirksamen Maßnahmen, die den Bauern spürbare Entlastung bringen würden. Auch die mittel- und langfristigen Schritte reichten nach Einschätzung der Organisation nicht aus. "Der Aktionsplan für Düngemittel muss ohne weitere Verzögerung umgesetzt und durch sofortige, konkrete Lösungen ergänzt werden, die dem Ausmaß der Krise entsprechen", schrieb Copa-Cogeca auf der Plattform X.

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