Politik

Iran-Krieg und Düngemittelpreise: Warum der Konflikt unsere Lebensmittel verteuert

Der Iran-Krieg trifft nicht nur Energie und Märkte, sondern das Fundament der globalen Lebensmittelproduktion. Warum steigende Düngerpreise zur nächsten großen Krise werden könnten und was das für Europa bedeutet.
Autor
avtor
27.03.2026 11:08
Lesezeit: 10 min
Iran-Krieg und Düngemittelpreise: Warum der Konflikt unsere Lebensmittel verteuert
Droht durch den Konflikt um Düngemittel jetzt der nächste Preisschock bei Lebensmitteln? (Foto: dpa) Foto: Jens Büttner

Iran-Krieg lässt Düngerpreise explodieren

Der Konflikt im Nahen Osten erschüttert nicht nur die Märkte für Öl und Gas. Er steht in direktem Zusammenhang mit den Kosten für tägliche Lebensmittel.

Der Iran-Krieg hat die Energiepreise weltweit erhöht und beeinflusst zugleich stark die Produktion und Lieferung von Düngemitteln, die für die Lebensmittelproduktion unverzichtbar sind. Vereinfacht gesagt hängt der Preis von Düngemitteln stark vom Energiepreis ab, insbesondere vom Gaspreis. Steigt dieser, verteuern sich Düngemittel. In der Folge steigen auch die Lebensmittelpreise.

1. Grundlagen der Düngemittel: Arten, Bedeutung und Einsatz

Grundsätzlich gibt es drei Hauptarten von Düngemitteln. Stickstoff, Phosphat und Kalium. Während Phosphat und Kalium länger im Boden verbleiben, sind Stickstoffdünger kritischer, etwa granuliertes Harnstoffgranulat. Stickstoffdünger wirken direkt auf Wachstum und Ertrag. Wenn Landwirte sie in einer Saison nicht einsetzen, führt dies zu geringeren Erträgen.

Schätzungen zufolge wird etwa die Hälfte der weltweiten Lebensmittelproduktion durch den Einsatz mineralischer Düngemittel ermöglicht.

Störungen in der Versorgung können daher gravierende Folgen für die Ernährungssicherheit haben. In vielen Ländern machen Düngemittel bis zu die Hälfte der Produktionskosten für Getreide aus. Eine geringere Verfügbarkeit führt somit direkt zu niedrigeren Ernten.

2. Warum der Nahe Osten für die Düngemittelproduktion entscheidend ist

Die Herstellung von Düngemitteln ist extrem energieintensiv. Rund 70 Prozent der Produktionskosten entfallen auf Energie, meist auf Erdgas. Deshalb spielt der Nahe Osten mit seinen großen und günstigen Öl- und Gasvorkommen eine zentrale Rolle in der globalen Produktion und im Export von Düngemitteln.

3. Einbindung der Region in den Weltmarkt: Exporteure und Abnehmer

Sechs Staaten des Nahen Ostens, Saudi-Arabien, Katar, Oman, Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain und Iran, produzieren fast ein Fünftel der weltweiten Phosphatdünger. Auch im Export ist die Region bedeutend. Russland ist mit 18 Prozent der größte Exporteur, gefolgt von China mit 11 Prozent, Kanada mit 8 Prozent, Marokko mit 7 Prozent und den USA mit 6 Prozent.

Saudi-Arabien ist einzeln der sechstgrößte Exporteur der Welt. Die sechs Staaten des Nahen Ostens liefern zusammen rund 13 Prozent des weltweiten Düngemittelexports. Beim Handel mit Harnstoff decken sie etwa ein Drittel ab. Beim Ammoniak fast ein Viertel.

Wer sind die wichtigsten Abnehmer der Düngemittel aus dem Nahen Osten. Besonders abhängig ist Indien, das 63 Prozent seiner Stickstoffdünger aus der Region bezieht und vor allem in Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Saudi-Arabien einkauft. Es folgen Australien mit 52 Prozent Abhängigkeit, Brasilien mit 24 Prozent und die USA mit 21 Prozent. Der Konflikt im Nahen Osten hat grundsätzlich keinen direkten Einfluss auf die Versorgung der EU mit Düngemitteln. Indirekt sind die Auswirkungen jedoch deutlich sichtbar, vor allem durch steigende Energiepreise und höhere globale Düngemittelpreise.

4. Was die Sperrung der Straße von Hormus für die Düngemittelversorgung bedeutet

Die Produktion in der Region läuft zwar weiter, steht jedoch unter Druck. Das größere Problem ist der Transport. Die Straße von Hormus entlang der iranischen Küste ist seit Beginn des Krieges faktisch geschlossen. Dadurch wird nicht nur der Export von Düngemitteln wie Harnstoff gestört. Auch der Export von Schwefel ist betroffen, der als Nebenprodukt bei der Verarbeitung von Öl und Gas entsteht und für die Herstellung von Phosphatdüngern und Metallen benötigt wird.

Zudem gibt es eine zweite Welle von Auswirkungen auf den Düngemittelmarkt. Durch den Iran-Krieg wird auch der Export von Öl und Erdgas gestört. Für Indien stellt dies ein zusätzliches großes Problem dar. Das Land kann nicht nur weniger Düngemittel importieren. Mehrere indische Harnstofffabriken mussten ihre Produktion reduzieren, weil Lieferungen von Flüssiggas aus Katar zurückgingen. Auch in Bangladesch wurde die Produktion aufgrund gestörter Energie und Düngemittellieferungen eingeschränkt. In den USA berichten Händler von leeren Regalen für Düngemittel.

5. Wie der Krieg den Preis der Düngemittel beeinflusste

Die Preise reagieren entsprechend. Am letzten Tag vor dem amerikanisch-israelischen Angriff auf den Iran, der den Krieg auslöste, lag der Preis für Harnstoff-Futures an der CBOT bei 484 US-Dollar pro Tonne. Am darauffolgenden Montag stieg er auf 665 US-Dollar pro Tonne. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 37 Prozent. Analysten warnen, dass sich die Preise für Stickstoffdünger wie Harnstoff im Falle eines langanhaltenden Krieges sogar verdoppeln könnten. Der Markt ist extrem empfindlich gegenüber Lieferstörungen. Mengen aus dem Nahen Osten lassen sich nur schwer ersetzen.

Europäische Landwirte befinden sich ebenfalls in einer schwierigen Lage. Neben steigenden Düngemittelpreisen verteuern sich auch Öl und Gas, die für die europäische Produktion entscheidend sind. Gleichzeitig zeigt sich erneut die starke Abhängigkeit Europas von russischen Lieferungen. Im Jahr 2025 deckte Russland etwa 22 Prozent der Düngemittelimporte der EU. Besonders hoch ist die Abhängigkeit in Polen.

Es entsteht eine zusätzliche Dynamik. Während die EU weiterhin Düngemittel aus Russland importiert, greifen auch andere Länder nach dem Ausfall von Lieferungen aus dem Nahen Osten verstärkt auf Russland zurück. China ist keine Alternative, da das Land bereits im Jahr 2024 den Export von Harnstoff verboten hat, um die eigene Versorgung zu sichern. Insgesamt steigen die Preise für Landwirte in der EU erneut. Zwar liegen sie unter den Rekordwerten von 2022, doch weiterhin deutlich über dem Niveau von 2019. Im Februar 2019 lag der Preis für Stickstoffdünger bei 249 Euro pro Tonne. Im Februar 2026 waren es 416 Euro pro Tonne. Das entspricht einem Anstieg von 67 Prozent. Im April 2022 lag der Preis sogar bei 923 Euro pro Tonne.

6. Das Problem der EU ist auch eine große Abhängigkeit von Russland

Der europäische Düngemittelmarkt hatte im vergangenen Jahr ein Volumen von 79,43 Milliarden US Dollar, umgerechnet rund 68 Milliarden Euro. Der Markt hat in den letzten Jahren erhebliche Veränderungen erlebt, getrieben durch Regulierung, Umweltauflagen und technologischen Fortschritt. Die Europäische Union ist traditionell ein großer Verbraucher von Stickstoff, Phosphat und Kaliumdüngern. Die größten Märkte sind Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Auch Polen ist ein bedeutender Markt.

Nach Mengen dominieren Stickstoffdünger wie Harnstoff und Ammoniumnitrat, insbesondere wegen des Anbaus von Getreide und Ölsaaten. Gleichzeitig wächst aufgrund von Nachhaltigkeitsanforderungen die Nachfrage nach zusammengesetzten und spezialisierten Düngemitteln am schnellsten. Zu den wichtigsten Akteuren auf dem europäischen Markt gehören K+S und BASF aus Deutschland, Yara International aus Norwegen, EuroChem aus der Schweiz, Fertiberia aus Spanien, OCI Nitrogen aus den Niederlanden und ICL aus Israel.

7. Lebensmittelpreise und Ernährungssicherheit rücken wieder in den Fokus

Da Düngemittel, insbesondere Stickstoffdünger, eine zentrale Rolle in der globalen Landwirtschaft spielen, wächst die Sorge. Harnstoff ist entscheidend für die Produktion von Getreide, Mais und vielen anderen Kulturen. Eine geringere Verfügbarkeit von Düngemitteln, kombiniert mit hohen Preisen, kann erhebliche Folgen für die globale Ernährungssicherheit haben. Landwirte aus verschiedenen Ländern, auch aus der EU, berichten bereits von Engpässen und hohen Preisen. Das erhöht die Produktionskosten und gefährdet zukünftige Ernten.

In einem Umfeld, in dem Lebensmittelpreise bereits in den vergangenen Jahren gestiegen sind, verstärken mehrere Faktoren den Druck. Dazu zählen teurere Düngemittel, gestörte Lieferketten und Währungseffekte. Düngemittel werden überwiegend in US Dollar gehandelt. Gleichzeitig hat sich der Dollar in den letzten Wochen aufgewertet. Das Ergebnis ist absehbar. Die Lebensmittelproduktion wird teurer. In der Folge steigen die Preise weltweit. Besonders stark betroffen sind ärmere Länder.

8. Über welche dauerhaften Lösungen gesprochen wird

Der Iran-Krieg hat die Frage nach der übermäßigen globalen Abhängigkeit von einzelnen Regionen erneut geöffnet. Derzeit zeigt sich eine große Verwundbarkeit durch die Abhängigkeit von Düngemitteln aus dem Nahen Osten. Während sich die Politik mit Maßnahmen zur Bewältigung der akuten Situation beschäftigt, betonen Experten, dass auf nachhaltige Methoden gesetzt werden muss. Das bedeutet weniger Importe, eine geringere oder intelligentere Nutzung von Düngemitteln und eine umweltfreundlichere Produktion.

Eine effizientere Nutzung von Düngemitteln kann durch präzise Landwirtschaft erreicht werden. Auch durch Fruchtwechsel kann die Nährstoffversorgung im Boden effizienter gestaltet werden. Zudem wird eine grüne Produktion von Düngemitteln mit erneuerbaren Energiequellen erwähnt. Natürlich wird auch über eine langfristige Diversifizierung der Importquellen gesprochen.

Die EU versucht Veränderungen auf dem Düngemittelmarkt auch durch Regulierung zu erreichen. Zu nennen sind der Green Deal, die Farm to Fork Strategie und der CO2 Grenzausgleichsmechanismus für importierte Düngemittel aus Drittstaaten. Mit strengeren Umweltvorschriften will Brüssel Landwirte vor allem dazu bewegen, auf präzise Landwirtschaft umzusteigen und den Einsatz synthetischer Düngemittel zu reduzieren.

Warum der Iran-Krieg Europas Bauern hart trifft

Für Deutschland bedeutet die Entwicklung steigende Kosten für Landwirte und wachsenden Druck auf die Lebensmittelpreise. Die Abhängigkeit von globalen Lieferketten und geopolitischen Risiken wird immer deutlicher. Im Fazit zeigt sich, dass der Iran-Krieg weit über den Energiesektor hinaus wirkt. Der Düngemittelmarkt wird zu einem zentralen Treiber steigender Lebensmittelpreise und stellt Europa vor die Herausforderung, seine Versorgung resilienter zu gestalten.

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Albina Kenda

Zum Autor:

Albina Kenda ist eine erfahrene Journalistin, die sich auf die Berichterstattung über Geldpolitik und EU-Themen für die slowenische Wirtschaftszeitung Casnik Finance spezialisiert hat. Sie arbeitet sich regelmäßig durch endlose Stapel von Berichten, Vorschlägen, Reden und Diskussionen, um so klar wie möglich darzustellen, wie internationale und insbesondere europäische Themen uns alle betreffen, auch wenn wir uns nicht dafür interessieren.

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