Finanzen

Tagesgeldzinsen: Sparkassen und Volksbanken zahlen zu wenig Zinsen für Tagesgeld

Sparer erhalten bei Sparkassen und Volksbanken oft deutlich weniger Zinsen als bei überregionalen Banken, zeigt eine Analyse des Finanzportals Biallo. Nun werden steigende Leitzinsen der EZB erwartet - und manche Kunden profitieren.
10.06.2026 15:13
Lesezeit: 2 min

Tagesgeldzinsen: Sparkassen und Volksbanken zahlen wenig Zinsen für Tagesgeld

Seit dem Ölpreisschock als Folge des Iran-Kriegs können Sparer die gestiegene Inflation mit üblichen Tagesgeldzinsen nicht mehr ausgleichen. Vor allem bei Volksbanken und Sparkassen wirft geparktes Geld oft kaum Zinsen ab, zeigt eine Analyse des Finanzportals Biallo.

Im Verbundsektor – bei 594 untersuchten Sparkassen und Volksbanken – liegt demnach der unbefristete Tagesgeldzins bei im Schnitt 0,4 Prozent. Bei den analysierten überregionalen Banken und Direktbanken seien es 1,0 Prozent, mehr als das doppelte.

81 Prozent der Sparkassen und 73 Prozent der Volksbanken in der Studie zahlen höchstens 0,5 Prozent aufs Tagesgeld, berichtet Biallo. Die schlechtesten Konditionen lägen bei 0,001 Prozent Zinsen – also 10 Cent Zinsen auf 10.000 Euro im Jahr. Zum Vergleich: Wenn Geschäftsbanken überflüssiges Geld bei der Europäischen Zentralbank parken, erhalten sie den Einlagenzins von derzeit 2,0 Prozent.

"Kunden warten vergeblich"

Nur ein Bruchteil aller fast 700 betrachteten Sparkassen, Volksbanken und überregionalen Häuser habe in den vergangenen 20 Tagen den Tagesgeldzins bewegt, schreibt Biallo. Die erwartete Leitzinserhöhung der EZB an diesem Donnerstag hätten bisher fast nur Direktbanken eingepreist, die Zinsen befristet für Neukunden erhöhten. "Wer auf den EZB-Entscheid hofft, wartet bei der eigenen Hausbank vergeblich", sagt Biallo-Geschäftsführer Samuel Biallowons.

Für die Studie wurden Tagesgeldzinsen von 693 Banken analysiert mit Stand 8. Juni, davon 275 Sparkassen, 319 Volks- und Raiffeisenbanken und 99 überregionale Direkt- und Privatbanken. Betrachtet wurden nur Banken, die überhaupt ein ausgewiesenes Tagesgeldangebot haben. Zinsportale wurden ausgeklammert.

Inflation frisst Zinsen auf

Mit Tagesgeld verlieren Sparer in aller Regel Geld nach Abzug der Inflation. Diese sank in Deutschland zwar im Mai auf 2,6 Prozent. Doch bei den untersuchten Volksbanken liege der höchste dauerhafte Tagesgeldzins bei 1,55 Prozent und bei den Sparkassen bei 1,86 Prozent, so Biallo. Der durchschnittliche Zins von 0,4 Prozent bedeute bei 10.000 Euro und 2,6 Prozent Inflation einen Kaufkraftverlust von 214 Euro pro Jahr.

Bei überregionalen Banken und Direktbanken beträgt der beste Tagesgeldzins laut Biallo 2,6 Prozent. Jedoch müssen Direktbanken anders als Sparkassen und Volksbanken kein teures Filialnetz unterhalten.

Harter Wettbewerb um Sparer

In Erwartung steigender Leitzinsen haben sich die Konditionen für Bankkunden verbessert - wenn auch oft mit Lockangeboten. Zuletzt verschärfte die US-Bank JPMorgan Chase den Wettbewerb um Sparer mit einem befristeten Tagesgeldzins von 4 Prozent für vier Monate. Die Deutsche-Bank-Tochter Norisbank konterte mit einem Angebot von 4 Prozent für sechs Monate.

Die befristeten Tagesgeldzinsen für Neukunden seien in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen auf im Schnitt 3,62 Prozent, schreibt der Geldratgeber Finanztip. «Wenn die EZB jetzt den Leitzins erhöht, steigt der Druck auf Banken, auch ihren Bestandskunden wieder mehr zu bieten», sagt Timo Halbe, Geldanlage-Experte bei Finanztip. Wer nicht ständig sein Tagesgeldkonto wechseln wolle, solle sich auf Angebote mit guten Standardzinsen konzentrieren. "Die reichen allerdings aktuell nicht, um die Inflation zu schlagen."

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