Unternehmensporträt

Sensoren-Hersteller Balluff: „Es braucht Mut zu unbequemen Entscheidungen.“

Balluff hat sich in über 100 Jahren von einer Reparaturwerkstatt zum Global Player für Sensoren und Automatisierungslösungen entwickelt. Familienunternehmerin Katrin Stegmaier-Hermle sieht in der Automatisierung mehr Chancen als Risiken, gleichzeitig Politik und Industrie in der Verantwortung.
26.06.2026 16:45
Lesezeit: 3 min
Sensoren-Hersteller Balluff: „Es braucht Mut zu unbequemen Entscheidungen.“
Balluff ist ein Global Player für Sensoren und Automatisierung. (Foto: dpa).

Sensoren-Hersteller Balluff: Von der Reparaturwerkstatt zum Global Player

Die Startbedingungen hätten kaum schlechter sein können. Es ist das Jahr 2008. Die Blase des US-Immobilienmarktes ist geplatzt, die Weltwirtschaft rutscht in eine Depression. Mitten in dieser Finanzkrise übernimmt Katrin Stegmaier-Hermle von ihrem Vater die Leitung des familieneigenen Unternehmens Balluff, Hersteller von Sensoren und Automatisierungslösungen. „Mein Vater traute mir zu, dass ich das Richtige tun werde“, sagt Katrin Stegmaier-Hermle. Dass bereits drei vorangegangene Generationen das Unternehmen erfolgreich durch schwierige Zeiten manövriert haben, gibt Sicherheit und Zuversicht gleichermaßen: „Wir haben immer auf Wandlungsfähigkeit gesetzt“, sagt die Unternehmerin. „Ich sehe in der Automatisierung mehr Chancen als Risiken. Das verstehe ich als Aufforderung an uns zur weiteren Wandlungsfähigkeit.“

Im Laufe der über 100jährigen Geschichte hat das Unternehmen immer wieder seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Gegründet als Reparaturwerkstatt 1921 hat Balluff in den 50er Jahren einen elektromechanischen Schalter entwickelt – der Grundstein für die heutigen Sensoren. Systeme zur lückenlosen Rückverfolgung von Bauteilen in der Produktion, Sensoren für die Erkennung von Füllständen sowie Lösungen mit IO-Link, einem standardisierten Kommunikationssystem zur Vernetzung in der Industrieautomation, sind nur einige Beispiele aus dem Portfolio von Balluff. Die Produkte kommen in der Halbleiter-, Batterie- und Verpackungsindustrie sowie zahlreichen weiteren Branchen zum Einsatz. Der Umsatz im vergangenen Jahr betrug 501 Millionen Euro.

Eine flexible Anpassung der Produktion dank internationaler Standorte

Als Global Player ist Balluff mit 3700 Mitarbeitenden an sieben Produktionsstandorten vertreten, darunter Ungarn, China und die USA. Bereits in den 1980er Jahren begann Rolf Hermle sowohl Vertrieb als auch Produktion von Balluff international auszuweiten. „Heute profitieren wir davon und sind in der Lage, flexibel zu agieren“, sagt Katrin Stegmaier-Hermle, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Bruder Florian Hermle und Frank Nonnenmann führt. Sie nennt zwei Beispiele: „Während des Corona-Lockdowns in China konnten Mitarbeitende in Brasilien und den USA die Produktion übernehmen und so unsere Lieferfähigkeit aufrechterhalten.“ Ein anderes Beispiel seien die von den USA verhängten Zölle. „Die unterschiedlichen Standorte ermöglichen es, die Produktion an derartige Veränderungen anzupassen.“

„Die Diskussion um Rahmenbedingungen reicht nicht“

Balluff hat seinen Hauptsitz in Neuhausen auf den Fildern. Hier schlägt das Herz der Stuttgarter Automobilindustrie. Hersteller und Zulieferer spüren hier besonders den Druck der schwachen Konjunktur sowie wegbrechender Absatzmärkte. Auch Balluff musste im vergangenen Jahr 227 Stellen streichen. „Das Ausmaß an Transformationsanstrengung in Baden-Württemberg ist hoch“, sagt Katrin Stegmaier-Hermle. Viele Unternehmen seien gefordert, viele täten sich jedoch schwer mit den Prozessen. „Als Unternehmen muss ich die Themen angehen, die mich betreffen: Wie bin ich international aufgestellt? Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit über die Teamgrenzen hinweg?“

Aber auch die Politik sei in der Pflicht: „Die Diskussion um Rahmenbedingungen alleine reicht nicht – wir brauchen die Wirkung der diskutierten Maßnahmen“, so Katrin Stegmaier-Hermle. Es brauche den Mut zu unbequemen Entscheidungen – selbst wenn diese mit gewohnten Abläufen brechen. „Sind die Rahmenbedingungen hierzulande schlechter als an anderen Standorten, wirkt sich das unmittelbar auf Investitionsentscheidungen der Unternehmen aus“, erklärt Katrin Stegmaier-Hermle. Betriebe realisierten ihre Investitionen außerhalb Deutschlands.

Sensoren-Hersteller Balluff: Mit KI gegen den Fachkräftemangel

Eine weitere Herausforderung stellt der anhaltende Fachkräftemangel dar, von dem auch Balluff betroffen ist. Den Einsatz künstlicher Intelligenz sieht Katrin Stegmaier-Hermle derzeit als Gewinn: „KI wird uns an vielen Stellen voranbringen und Mitarbeitende unterstützen.“ Das schaffe Kapazitäten. Auch auf die Entwicklung der Produkte von Balluff hat künstliche Intelligenz unmittelbaren Einfluss: Entwicklungsprozesse werden schneller, Sensoren können zusätzliche Informationen wie zum Beispiel zu Temperaturen liefern – ganz ohne zusätzliche Hardware.

Das Vertrauen, das der Vater Katrin Stegmaier-Hermle in schwierigen Zeiten schenkte, hat die Unternehmerin heute in ihre Mitarbeitenden: „Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam Lösungen finden, um die Herausforderungen zu meistern.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Cristina Prinz

                                                                    ***

Cristina Prinz ist freiberufliche Journalistin und Geschäftsführerin einer Agentur für Corporate Publishing. Sie schreibt Unternehmerportraits für die DWN. 

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Sandisk und Intel leiden unter Ausverkauf bei Chipaktien, während Händler weitere Inflationsdaten verarbeiten
15.07.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street bewegten und warum einige Schwergewichte trotz Marktdrucks kräftig...

DWN
Politik
Politik Energiekrise in Europa: Die nächste gefährliche Abhängigkeit bedroht die EU
15.07.2026

Die Straße von Hormus ist blockiert, Europas Energiepreise bleiben hoch und selbst Diesel könnte knapp werden. Zwei der wichtigsten...

DWN
Politik
Politik Merz sieht Koalition auf gutem Weg - aber nicht am Ziel
15.07.2026

Die Sommerpressekonferenz des Bundeskanzlers hat Tradition. Diesmal stellte sich Amtsinhaber Friedrich Merz den Fragen der Journalisten...

DWN
Politik
Politik EU schmiedet Drohnen-Pakt mit der Ukraine
15.07.2026

Die EU und die Ukraine wollen ihre Drohnenproduktion gemeinsam ausbauen, während Kiew den Seekrieg gegen Russland auf eine neue Stufe...

DWN
Finanzen
Finanzen ASML-Aktie überrascht mit starken Quartalszahlen
15.07.2026

Die ASML-Aktie setzt ihren Höhenflug fort: Der Chipausrüster hebt nach überraschend starken Quartalszahlen erneut seine Prognose an und...

DWN
Technologie
Technologie Absatzkrise der Autobauer: Nicht nur VW und Co. verlieren
15.07.2026

Deutsche Autobauer verlieren beim Absatz, doch auch andere große Hersteller kämpfen mit Rückgängen. Am stärksten leidet dabei ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 220 Euro pro Kopf: War das der Höhepunkt der Bahn-Investitionen?
15.07.2026

Der Bund investiert so viel wie nie in die Schiene – doch schon in wenigen Jahren droht wieder der Rückwärtsgang. Die Bahnbranche warnt...

DWN
Finanzen
Finanzen Investieren für Kinder: Diese Entscheidungen können teuer werden
15.07.2026

Beim Ansparen für ein Kind hängt das Ergebnis nicht allein von der Rendite der Anlage ab. Es ist ebenso wichtig, auf wessen Namen das...