Sensoren-Hersteller Balluff: Von der Reparaturwerkstatt zum Global Player
Die Startbedingungen hätten kaum schlechter sein können. Es ist das Jahr 2008. Die Blase des US-Immobilienmarktes ist geplatzt, die Weltwirtschaft rutscht in eine Depression. Mitten in dieser Finanzkrise übernimmt Katrin Stegmaier-Hermle von ihrem Vater die Leitung des familieneigenen Unternehmens Balluff, Hersteller von Sensoren und Automatisierungslösungen. „Mein Vater traute mir zu, dass ich das Richtige tun werde“, sagt Katrin Stegmaier-Hermle. Dass bereits drei vorangegangene Generationen das Unternehmen erfolgreich durch schwierige Zeiten manövriert haben, gibt Sicherheit und Zuversicht gleichermaßen: „Wir haben immer auf Wandlungsfähigkeit gesetzt“, sagt die Unternehmerin. „Ich sehe in der Automatisierung mehr Chancen als Risiken. Das verstehe ich als Aufforderung an uns zur weiteren Wandlungsfähigkeit.“
Im Laufe der über 100jährigen Geschichte hat das Unternehmen immer wieder seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Gegründet als Reparaturwerkstatt 1921 hat Balluff in den 50er Jahren einen elektromechanischen Schalter entwickelt – der Grundstein für die heutigen Sensoren. Systeme zur lückenlosen Rückverfolgung von Bauteilen in der Produktion, Sensoren für die Erkennung von Füllständen sowie Lösungen mit IO-Link, einem standardisierten Kommunikationssystem zur Vernetzung in der Industrieautomation, sind nur einige Beispiele aus dem Portfolio von Balluff. Die Produkte kommen in der Halbleiter-, Batterie- und Verpackungsindustrie sowie zahlreichen weiteren Branchen zum Einsatz. Der Umsatz im vergangenen Jahr betrug 501 Millionen Euro.
Eine flexible Anpassung der Produktion dank internationaler Standorte
Als Global Player ist Balluff mit 3700 Mitarbeitenden an sieben Produktionsstandorten vertreten, darunter Ungarn, China und die USA. Bereits in den 1980er Jahren begann Rolf Hermle sowohl Vertrieb als auch Produktion von Balluff international auszuweiten. „Heute profitieren wir davon und sind in der Lage, flexibel zu agieren“, sagt Katrin Stegmaier-Hermle, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Bruder Florian Hermle und Frank Nonnenmann führt. Sie nennt zwei Beispiele: „Während des Corona-Lockdowns in China konnten Mitarbeitende in Brasilien und den USA die Produktion übernehmen und so unsere Lieferfähigkeit aufrechterhalten.“ Ein anderes Beispiel seien die von den USA verhängten Zölle. „Die unterschiedlichen Standorte ermöglichen es, die Produktion an derartige Veränderungen anzupassen.“
„Die Diskussion um Rahmenbedingungen reicht nicht“
Balluff hat seinen Hauptsitz in Neuhausen auf den Fildern. Hier schlägt das Herz der Stuttgarter Automobilindustrie. Hersteller und Zulieferer spüren hier besonders den Druck der schwachen Konjunktur sowie wegbrechender Absatzmärkte. Auch Balluff musste im vergangenen Jahr 227 Stellen streichen. „Das Ausmaß an Transformationsanstrengung in Baden-Württemberg ist hoch“, sagt Katrin Stegmaier-Hermle. Viele Unternehmen seien gefordert, viele täten sich jedoch schwer mit den Prozessen. „Als Unternehmen muss ich die Themen angehen, die mich betreffen: Wie bin ich international aufgestellt? Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit über die Teamgrenzen hinweg?“
Aber auch die Politik sei in der Pflicht: „Die Diskussion um Rahmenbedingungen alleine reicht nicht – wir brauchen die Wirkung der diskutierten Maßnahmen“, so Katrin Stegmaier-Hermle. Es brauche den Mut zu unbequemen Entscheidungen – selbst wenn diese mit gewohnten Abläufen brechen. „Sind die Rahmenbedingungen hierzulande schlechter als an anderen Standorten, wirkt sich das unmittelbar auf Investitionsentscheidungen der Unternehmen aus“, erklärt Katrin Stegmaier-Hermle. Betriebe realisierten ihre Investitionen außerhalb Deutschlands.
Sensoren-Hersteller Balluff: Mit KI gegen den Fachkräftemangel
Eine weitere Herausforderung stellt der anhaltende Fachkräftemangel dar, von dem auch Balluff betroffen ist. Den Einsatz künstlicher Intelligenz sieht Katrin Stegmaier-Hermle derzeit als Gewinn: „KI wird uns an vielen Stellen voranbringen und Mitarbeitende unterstützen.“ Das schaffe Kapazitäten. Auch auf die Entwicklung der Produkte von Balluff hat künstliche Intelligenz unmittelbaren Einfluss: Entwicklungsprozesse werden schneller, Sensoren können zusätzliche Informationen wie zum Beispiel zu Temperaturen liefern – ganz ohne zusätzliche Hardware.
Das Vertrauen, das der Vater Katrin Stegmaier-Hermle in schwierigen Zeiten schenkte, hat die Unternehmerin heute in ihre Mitarbeitenden: „Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam Lösungen finden, um die Herausforderungen zu meistern.“

