Technologie

KI ersetzt Chef? Nicht nur Mitarbeiter sind ersetzbar

Gute Algorithmen können auch teure Führungskräfte ersetzen. Wie viel Beschäftigte in Deutschland denken: Was der Chef kann, kann eine KI schon lange. Wie KI die Arbeitswelt auch in höherqualifizierten Bereichen verändert.
12.06.2026 11:00
Lesezeit: 3 min

KI ersetzt Chef? Nicht nur Mitarbeiter sind ersetzbar

Viele Beschäftigte halten ihren Vorgesetzten durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz für inzwischen ersetzbar, denn sie sind der Meinung: Was der Chef kann, kann eine KI schon lange. Davon sind 3 von 10 Beschäftigten in Deutschland überzeugt. 29 Prozent halten ihre Vorgesetzten durch eine KI für ersetzbar.

Dabei sagt aber fast ein Viertel (23 Prozent), dass auch die eigene Tätigkeit durch eine KI weitgehend ersetzbar sei. Und 22 Prozent meinen, dass in ihrem Unternehmen heute bereits Stellen nicht mehr nachbesetzt oder sogar abgebaut werden, weil eine KI entsprechende Aufgaben übernimmt.

29 Prozent halten ihre Vorgesetzten durch KI ersetzbar

Das sind neusten Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 1.003 Personen ab 16 Jahren in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, darunter 550 Erwerbstätige.

Aufgrund der demographischen Entwicklung wird es in Deutschland in den kommenden Jahren mehr Arbeit als Arbeitskräfte geben. KI wird eine Antwort auf die sich abzeichnende Arbeitskräftelücke sein. Unternehmen und Politik müssen die Gesellschaft auf die neue KI-gestützte Arbeitswelt vorbereiten, Menschen gezielt qualifizieren und transparent machen, welche Aufgaben sich verändern.

38 Prozent können mit KI-Anwendungen des Unternehmens arbeiten

Wie KI bereits Einzug in den Arbeitsalltag vieler Menschen gehalten hat: 38 Prozent der Erwerbstätigen erhalten durch ihren Arbeitgeber Zugriff auf KI-Anwendungen, und 27 Prozent nutzen diese auch aktiv. Weitere 11 Prozent haben zwar Zugang zu KI, machen davon aber bislang keinen Gebrauch.

Auf der anderen Seite gibt es für 31 Prozent der Beschäftigten kein Angebot an KI-Werkzeugen. Weitere 26 Prozent der Erwerbstätigen gehen davon aus, dass ihr Arbeitgeber keine KI bereitstellt, sind sich bei dieser Einschätzung allerdings unsicher.

KI und Arbeitswelt: Automatisierbarkeit der Berufe

Auch der aktuelle IAB-Job-Futuromat zeigt: Künstliche Intelligenz automatisiert zunehmend Tätigkeiten – auch in höherqualifizierten Bereichen. Gleichzeitig wandeln sich Berufe und eröffnen neue Anforderungen sowie Entwicklungsmöglichkeiten.

IAB-Forscherin Britta Matthes: "Spannenderweise betrifft die Entwicklung inzwischen auch Expertenberufe. Wegen der generativen KI bekommen jetzt Hochqualifizierte verstärkt die Digitalisierung zu spüren. Das war in der Vergangenheit nicht der Fall."

Welche beruflichen Tätigkeiten durch digitale Technologien und KI potenziell automatisierbar sind – und welche nicht:

  • Berufe verändern sich durch Digitalisierung und KI deutlich häufiger, als dass sie vollständig wegfallen. Tätigkeiten werden neu zugeschnitten, während gleichzeitig neue Aufgaben und Kompetenzanforderungen entstehen.
  • Hohe Automatisierbarkeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass Tätigkeiten tatsächlich ersetzt werden. Entscheidend sind unter anderem wirtschaftliche, rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
  • Besonders betroffen sind Tätigkeiten in Produktion sowie im Helfer- und Fachkraftbereich. Durch generative KI geraten inzwischen auch höherqualifizierte und wissensintensive Tätigkeiten stärker in den Fokus
  • Weniger anfällig bleiben derzeit vor allem Berufe mit starkem sozialen oder zwischenmenschlichen Anteil, etwa in Pflege, Erziehung oder Medizin.

Für die Jobwahl gilt: Entscheidend sind weiterhin persönliche Stärken und Interessen sowie die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Technologischer Wandel eröffnet neben Risiken insbesondere neue Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten.

TIPP: Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bietet ein interaktives Online-Tool, mit dem recherchiert werden kann, welche Tätigkeiten in einem Beruf theoretisch durch digitale Technologien, Künstliche Intelligenz oder Roboter automatisiert und somit substitutiert werden könnten.

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