Bonitätsscore als Maß für Kreditwürdigkeit
Wirtschaftsauskunfteien wie die Schufa sind private Unternehmen, die Daten sammeln, um vorherzusagen, wie wahrscheinlich es ist, dass eine Person in Zukunft ihre Rechnungen pünktlich bezahlen wird. Das Ergebnis dieser sogenannten Bonitäts- oder Kreditwürdigkeitsprüfung geben sie meist in Form von Score-Werten an Händler, Banken oder Versicherungen weiter.
Je höher der Wert, umso größer die Kreditwürdigkeit. Für Verbraucher kann der Schufa-Score deshalb bei einer neuen Wohnung, beim Einkauf auf Rechnung oder bei einem Bankkredit eine wichtige Rolle spielen.
Welche Daten die Schufa speichert
Die Schufa erhält von ihren Vertragspartnern Informationen etwa über die Eröffnung von Girokonten, die Ausgabe von Kreditkarten und den Abschluss von Leasingverträgen und Krediten. Negativinformationen stammen zum Beispiel aus öffentlichen Registern wie Schuldnerverzeichnissen.
Die Schufa speichert zudem persönliche Daten wie Name, Geburtsdatum und Anschrift. Informationen etwa über das Einkommen einer Person hat die Auskunftei nicht.
Wer wissen will, welche Daten die Schufa zur eigenen Person speichert, kann bei ihr eine sogenannte Datenkopie beantragen. Die Selbstauskunft weist unter anderem aus, woher die Informationen stammen und an wen sie in den letzten zwölf Monaten weitergeleitet wurden. Eine repräsentative Umfrage des Finanzvergleichsportals Verivox Anfang des Jahres zeigte jedoch, dass viele Menschen sich dafür gar nicht interessieren. Mit 55,6 Prozent hatte eine Mehrheit der Deutschen ihren persönlichen Score demnach noch nie abgerufen.
Neuer Schufa-Score soll transparenter werden
Der Schufa-Score wurde von Kritikern lange als "Blackbox" bezeichnet, weil die Auskunftei nicht im Detail offenlegte, wie die Bewertung zustande kam. Diese Geheimniskrämerei soll nun ein Ende haben.
Seit dem 17. März 2026 nutzt die Schufa einen neuen Score, den Verbraucher leichter nachvollziehen können sollen. Bis Ende 2028 will die Schufa das alte System vollständig abschaffen.
Bei der neuen Berechnungsmethode werden für zwölf Kriterien Punkte vergeben. Es spielt etwa eine Rolle, wie alt der älteste Bankvertrag und die älteste Kreditkarte sind, ob Zahlungsstörungen vorhanden sind, und wie der Status bei Krediten ist.
Am Ende steht ein Score-Wert zwischen 100 und 999. Ab 779 Punkten gibt es die höchste Scoreklasse "hervorragend". Wer auf weniger als 100 kommt, landet bei "ungenügend" und bekommt keinen Score.
Klagen vor dem Bundesgerichtshof
Der Bundesgerichtshof verhandelte am Donnerstag über die Klagen von vier Privatpersonen, die sich noch auf den früheren Schufa-Score beziehen. Ursprünglich sollten am BGH fünf Parallelverfahren verhandelt werden, in einem Fall haben sich die Parteien jedoch geeinigt.
Die Schufa hatte den Klägern 2023 im Rahmen der Datenkopie Auskunft über ihre bei der Auskunftei gespeicherten Daten sowie über die in den letzten zwölf Monaten auf Bonitätsanfragen hin übermittelten Scorewerte erteilt.
Die Kläger halten die erteilte Auskunft für unzureichend und das Scoring-Verfahren für intransparent. Ihre Klage stützen sie auf die Europäische Datenschutz-Grundverordnung.
DSGVO verlangt aussagekräftige Informationen
Wenn Entscheidungen durch die automatisierte Verarbeitung von Daten getroffen werden, haben Betroffene laut Datenschutz-Grundverordnung einen Anspruch auf "aussagekräftige Informationen über die involvierte Logik sowie die Tragweite und die angestrebten Auswirkungen einer derartigen Verarbeitung für die betroffene Person".
Der Europäische Gerichtshof klärte 2023, dass ein Schufa-Score unter diese Regelung fällt, wenn er eine "maßgebliche" Rolle etwa für die Kreditgewährung spielt.
Dresdner Urteil verlangt mehr Transparenz
Vor dem Bundesgerichtshof ging es um die Frage, ob die Schufa-Datenkopie die aktuellen rechtlichen Anforderungen erfüllt. Das Oberlandesgericht Dresden hatte das verneint und die Schufa verurteilt, den Klägern weitere Informationen etwa zur Gewichtung der für die Scorewerte wichtigsten Kriterien offenzulegen.
Zwar müsse das Unternehmen keine Auskunft erteilen, auf deren Grundlage die Betroffenen den Score mathematisch nachvollziehen könnten, so die Richter. Die Schufa müsse aber für Laien verständliche Informationen erteilen, die eine Überprüfung der Scorewerte auf Fehler und mangelnde Plausibilität ermöglicht.
Schufa verweist auf bundesweite Rechtsprechung
Die Schufa ist der Ansicht, dass ihre Datenkopie den Auskunftsanspruch an "maßgebliche" Scores vollumfänglich erfüllt. Ihre Praxis hätten bundesweit auch schon zehn Oberlandesgerichte in 55 Beschlüssen und 17 Urteilen bestätigt, teilt die Auskunftei mit.
Das Oberlandesgericht Dresden vertrete ebenso wie das Oberlandesgericht Naumburg eine Mindermeinung und gehe mit seinen Transparenzanforderungen über den aktuellen gesetzlichen Rahmen hinaus.
Urteil soll rechtliche Klarheit schaffen
Unterschiedliche Anforderungen an die Auskunft je nach Gerichtsstandort seien weder praktikabel noch rechtssicher, kritisiert die Schufa. Deswegen sei sie vor dem Bundesgerichtshof in Revision gegangen. Sollten die Karlsruher Richterinnen und Richter das Urteil aus Dresden bestätigen, werde die Auskunftei ihre Datenkopie anpassen. Wann ein Urteil fällt, blieb zunächst offen.
Reform des Bundesdatenschutzgesetzes ab November
Die gesetzlichen Spielregeln ändern sich demnächst ohnehin. Im November tritt eine Novelle des Bundesdatenschutzgesetzes in Kraft, die das Bonitäts-Scoring transparenter und verständlicher machen soll.
Ab dem 20. November gilt, dass Auskunfteien auf Anfrage von Verbraucherinnen und Verbrauchern alle in den vergangenen zwölf Monaten berechneten Score-Werte sowie die dabei verwendeten Daten offenlegen müssen. Außerdem müssen sie die Kriterien ausweisen, die den Score-Wert am stärksten beeinflussen.
Die Schufa verweist darauf, dass ihr neues Scoring-Verfahren sogar über diese künftigen Transparenzregeln hinausgeht. Auch die alten Scores würden an die neuen Rahmenbedingungen angepasst.

