Politik

Bertelsmann Stiftung warnt: Abkehr von Energiewende gefährdet Jobs

Eine Untersuchung sieht einen Beschäftigungsrekord bei erneuerbaren Energien. Eine energiepolitische Kursänderung der Bundesregierung könnte viele Arbeitsplätze kosten. Deshalb fordert die Stiftung jetzt den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland.
24.06.2026 18:45
Lesezeit: 2 min
Bertelsmann Stiftung warnt: Abkehr von Energiewende gefährdet Jobs
Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) will Kosten senken und den Zubau von Wind- und Solaranlagen stärker an den hinterherhinkenden Netzausbau anpassen. (Foto: dpa) Foto: Katharina Kausche

Bertelsmann Stiftung warnt: Abkehr von Energiewende gefährdet Jobs

Die Zahl der Beschäftigten in der Branche der erneuerbaren Energien hat einer Studie zufolge einen Rekord erreicht: 2025 waren hier rund 436.000 Personen tätig - fast vier Prozent mehr als im bisher besten Jahr 2023, wie die Bertelsmann Stiftung berichtete. Allerdings: Der sich abzeichnende Kurswechsel der Bundesregierung in der Energiepolitik könne "Tausende von Jobs" gefährden.

Windenergie ist jobmäßig die Nummer eins unter den Erneuerbaren

Die Windenergie bleibe der stärkste Bereich innerhalb der erneuerbaren Energien bei den Beschäftigten-Zahlen, hieß es. Zwischen 2023 und 2025 sei es zu einem Plus von rund 30 Prozent auf 172.000 Arbeitsplätze gekommen. "Die Windenergie stellt damit knapp ein Drittel aller Arbeitsplätze im Sektor der erneuerbaren Energien."

Wichtige Säule laut Untersuchung auch nach wie vor die Photovoltaik mit fast 100.000 Beschäftigten. An dritter Stelle folge die Produktion und Installation von Wärmepumpen - mit etwa 72.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr.

"Weniger Investitionen bedeutet Abbau von Arbeitsplätzen"

Investitionen in erneuerbare Energien und Beschäftigtenzahlen hängen laut Analyse eng zusammen. Neben dem Ausbau brauche es auch Wertschöpfung im Inland, schilderte die Arbeitsmarktexpertin der Stiftung, Jana Fingerhut. Beispiel: Obwohl immer mehr Photovoltaik-Anlagen installiert würden, sinke die Zahl der Beschäftigten, da die Solar-Module überwiegend im Ausland produziert werden. "Die vor 15 Jahren noch so starke Fertigung in Deutschland ist verschwunden. Das darf uns mit der Produktion von Windkraftanlagen, Wärmepumpen und Wechselrichtern nicht noch mal passieren", mahnte sie.

Beschäftigungszahlen reagierten auch auf politische Rahmenbedingungen "sensibel", betonte die Stiftung - unter Verweis auf Wärmepumpen: Nach mehr als 350.000 neu installierten Anlagen 2023 sei der Ausbau wegen des heftig diskutierten Heizungsgesetzes ein Jahr später stark gesunken und dann 2025 wieder auf knapp 300.000 Wärmepumpen gestiegen. Die Jobs hätten sich parallel dazu entwickelt.

Forderungen an die Politik

Die geplanten Reformen der Bundesregierung mit mehreren Gesetzesvorhaben im Energiebereich müssten "beschäftigungssicher" ausgestaltet werden, forderte die Stiftung. Es könne Arbeitsplätze kosten, wenn kleinere Solaranlagen keine Förderung mehr erhalten, wenn Investitionen angesichts von Unsicherheiten gebremst oder klare Regeln für klimafreundliches Heizen wegfallen würden. In Zeiten wirtschaftlicher Krise dürfe man den Ausbau der erneuerbaren Energien "kein weiteres Mal abwürgen".

Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) will Kosten senken und den Zubau von Wind- und Solaranlagen stärker an den hinterherhinkenden Netzausbau anpassen. Betreiber von Anlagen erneuerbarer Energien sollen mehr an der Finanzierung des Netzausbaus beteiligt werden. Im Gespräch ist, für kleine neue Solaranlagen auf Hausdächern die Förderung zu streichen.

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