Finanzspritze sichert nur das Überleben – Kritik an den Eigentümern
Die neue Kreditlinie entschärfe zwar die existenzbedrohende Krise, erklärt Carsten Kortum, Handelsprofessor an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. „Galeria gewinnt einige Monate Zeit.“ Allerdings fließe ein Großteil des Geldes nicht in die Zukunft des Unternehmens, sondern in die Ablösung alter Kredite. Für dringend nötige Investitionen in Modernisierung und Digitalisierung bleibe kaum etwas übrig. Kortum sieht das Hauptproblem bei den Investoren: „Die letzten und derzeitigen Eigentümer hatten alle ihre eigene Agenda, aber nie die des Unternehmens im Blick. Damit setzt sich die jahrelange Misere fort.“
Etwa 30 Filialen gelten als Wackelkandidaten
Die neue Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Laut Galeria verschafft sie dem Unternehmen den Spielraum für die notwendige Transformation. Das Geld ist an einen Sanierungsplan geknüpft, der weitere Einschnitte vorsieht. Ziel ist ein optimiertes und profitables Warenhausnetz, teilte der Konzern mit.
Dazu will Galeria mit Vermietern über die Mietkonditionen verhandeln. Wie viele Filialen weiterbetrieben werden, ist noch offen. Nach Informationen der dpa gelten etwa 30 der 83 Warenhäuser als Wackelkandidaten und sollen besonders gründlich geprüft werden. Um welche Filialen es sich handelt, ist bislang nicht bekannt.
Entscheidend sei die Konzentration auf tragfähige Standorte, sagte Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE. Galeria kündigte auch eine strategische Neuausrichtung an. Ein Kriterium für eine erfolgreiche Zukunft sei die Schärfung des Sortiments auf Kernkategorien, die die Kundenfrequenz erhöhten. "Wenn das gelingt, hat das Warenhaus als Format durchaus eine Zukunft", so Berentzen.
Experte: Bedeutung des Warenhauses hat stark abgenommen
Boris Hedde, Geschäftsführer des Handelsforschungsinstituts IFH Köln, äußerte Zweifel. Von einer Rettung will er nicht sprechen. Eine Kreditlinie ergebe noch kein belastbares Geschäftsmodell. "Die Bedeutung des Warenhauses als Einkaufstätte für Konsumenten hat in Deutschland über die Jahrzehnte deutlich abgenommen." Hinzu komme die starke Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Die Aussichten blieben daher gedämpft.
Marcel Schäuble, Landesfachbereichsleiter Handel bei Verdi Hessen, bezeichnete den Kredit als gute Nachricht. Damit sei der Fortbestand des Unternehmens finanziell abgesichert. Die Ursachen der Krise seien jedoch nicht behoben, es gebe nach wie vor kein tragfähiges Zukunftskonzept. Leidtragende seien erneut die Beschäftigten, die um ihren Arbeitsplatz bangen müssten.
Verdi-Vorstandsmitglied Silke Zimmer erklärte: "Für die Beschäftigten ist das eine extreme Belastung, ständig neue Gerüchte über Schließungen und Jobabbau hören und lesen zu müssen." Das Management müsse für Klarheit sorgen und rasch Antworten geben.
Beetz: "Ich glaube an Galeria"
Die Galeria-Geschäftsführer Tilo Hellenbock und Norman Krotten richteten sich am Donnerstagabend in einer E-Mail an die Belegschaft. "Wir danken euch für eure Treue und den zweifellos starken Einsatz in den vergangenen Wochen und Monaten für Galeria und für unsere Kundinnen und Kunden", schrieben sie. In der kommenden Woche sollen die Führungskräfte auf einer Tagung über die Neuausrichtung informiert werden. Eine Anfrage an den Gesamtbetriebsrat blieb zunächst unbeantwortet.
Auch Bernd Beetz, Mit-Eigentümer der Warenhauskette, meldete sich am Donnerstag zu Wort. "Dass es für Galeria weitergeht, erleichtert mich." Die Beschäftigten und ihre Familien hätten in den vergangenen Monaten wieder mit großen Unsicherheiten umgehen müssen. Die Lage bleibe weiter angespannt. Dennoch betonte er: "Ich glaube an Galeria."

