Wirtschaft

Microsoft zahlt 6,3 Milliarden Dollar an Steuern in der EU – Deutschland bekommt wenig

Microsoft zahlt in der EU 6,3 Milliarden US-Dollar Steuern – doch Deutschland erhält davon trotz hoher Umsätze nur einen kleinen Anteil. Ein neuer Transparenzbericht zeigt, warum der Großteil der Gewinne und Steuerzahlungen in Irland landet.
01.07.2026 07:31
Lesezeit: 2 min
Microsoft zahlt 6,3 Milliarden Dollar an Steuern in der EU – Deutschland bekommt wenig
Ein neuer Transparenzbericht offenbart, wie Microsoft Gewinne und Steuerzahlungen in Europa verteilt und warum Deutschland leer ausgeht. (Foto: dpa) Foto: Sven Hoppe

Microsoft zahlt 6,3 Milliarden Dollar Steuern in der EU

Der Technologiekonzern Microsoft hat im vergangenen Jahr 6,3 Milliarden US-Dollar an Körperschaftsteuern in der Europäischen Union gezahlt. Das geht aus dem erstmals veröffentlichten "Public Country-by-Country Report" für das Geschäftsjahr 2025 (bis 30. Juni) hervor, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. Auffällig ist, dass Deutschland von den umgerechnet rund 5,53 Milliarden Euro vergleichsweise wenig erhält.

Obwohl die Bundesrepublik zu den größten Microsoft-Standorten Europas zählt, zahlte der Tech-Konzern hierzulande Ertragsteuern von lediglich 174,2 Millionen US-Dollar (153 Millionen Euro). Der Löwenanteil von 5,6 Milliarden US-Dollar floss dagegen an den irischen Fiskus. In Dublin befindet sich auch die Europazentrale von Microsoft.

Weltweit summierten sich die vom Unternehmen entrichteten Körperschaftsteuern im selben Zeitraum laut Report auf 28,7 Milliarden US-Dollar. Damit belegt Microsoft unter den großen US-Tech-Konzernen den zweiten Platz – hinter Apple mit 29,7 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommen weitere Abgaben wie Lohn-, Mehrwert- oder Grundsteuern.

Mit der Offenlegung erfüllt der Tech-Gigant die neuen EU-Transparenzrichtlinien. Der Bericht zeigt detailliert, in welchen Ländern das Unternehmen Umsätze erzielt, Gewinne verbucht und wie viele Ertragsteuern tatsächlich an die jeweiligen Finanzbehörden fließen.

Knotenpunkt Irland

Microsoft betont als Leitprinzip seiner Steuerstruktur, dass Abgaben dort entrichtet werden, wo Mitarbeiter tätig sind, Investitionen erfolgen sowie Funktionen, Vermögenswerte und Risiken verortet sind. Irland sei der wichtigste operative und finanzielle Knotenpunkt des Unternehmens in Europa.

Im Geschäftsjahr 2025 erzielten die irischen Tochtergesellschaften mit 6.654 Mitarbeitern einen Umsatz von 196 Milliarden US-Dollar und einen Vorsteuergewinn von 47,1 Milliarden US-Dollar. Die tatsächlich im Berichtszeitraum gezahlten Steuern ("Income Tax Paid") beliefen sich auf 5,6 Milliarden US-Dollar. Microsoft nennt im Report auch den Grund für die Gewinnkonzentration: In Irland seien zentrale Strukturmerkmale wie das interne Finanzwesen des Konzerns sowie das Halten und Verwalten geistigen Eigentums angesiedelt.

Kleines Stück vom Kuchen für Deutschland

Deutschland ist dem Report zufolge mit 3.471 Mitarbeitern einer der größten europäischen Standorte. Der hier erwirtschaftete Umsatz belief sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 11,68 Milliarden US-Dollar. Vergleichsweise niedrig fällt jedoch der Vorsteuergewinn aus, der in der Bilanz mit lediglich 661,2 Millionen US-Dollar ausgewiesen wird. Entsprechend flossen in Deutschland tatsächlich gezahlte Ertragsteuern von nur 174,2 Millionen US-Dollar.

Die Diskrepanz zwischen dem Milliardenumsatz und dem vergleichsweise geringen Gewinn erklärt Microsoft mit den Aufgaben der hiesigen Einheiten. Die deutschen Gesellschaften konzentrieren sich dem Bericht zufolge fast ausschließlich auf Vertrieb, Marketing, administrative Unterstützung sowie Forschung und Entwicklung. Die eigentlichen, hochprofitablen Software-Rechte liegen dagegen in Knotenpunkten wie Irland.

Sonderfall Frankreich

In dem Bericht für die EU-Kommission warnt Microsoft davor, einzelne Kennzahlen zu überinterpretieren. Der Zeitpunkt der Steuerberechnung und der tatsächlichen Zahlung weiche häufig voneinander ab, zudem könnten Steuerrückerstattungen das Bild verzerren. Das gelte beispielsweise für Frankreich. Bei einem Umsatz von 6,67 Milliarden US-Dollar weist die Tabelle für das Jahr 2025 bei den tatsächlich gezahlten Steuern einen negativen Betrag von minus 96,4 Millionen US-Dollar aus. Laut Konzernangaben geht dieser statistische Ausreißer auf eine einmalige Rückerstattung von in den Vorjahren zu viel gezahlten Steuern zurück. In den drei vorangegangenen Jahren habe Microsoft insgesamt 374 Millionen US-Dollar an Steuern in Frankreich entrichtet.

Zankapfel Besteuerung von Digitalkonzernen

In der Europäischen Union schwelt seit Jahren ein erbitterter Streit über die Besteuerung von US-Digitalkonzernen, die nach Einschätzung der Europäischen Kommission auf dem europäischen Festland zu wenig Abgaben leisten. Weil Tech-Riesen wie Google , Apple oder Microsoft ihre Gewinne vor allem dort versteuern, wo ihre europäischen Hauptsitze gemeldet sind – und nicht dort, wo sie ihre Umsätze mit Millionen von Nutzern tatsächlich erwirtschaften –, drängt die EU-Kommission auf Reformen. Dabei setzt Brüssel vor allem auf die Umsetzung der globalen Mindeststeuer der OECD und den Digital Markets Act (DMA), um Steuerschlupflöcher zu schließen und eine Besteuerung am tatsächlichen Ort der Wertschöpfung sicherzustellen.

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