Wirtschaft

Atempause bei der Inflation: Tankrabatt und Ölpreis drücken Teuerungsrate im Juni

Die Inflation in Deutschland hat im vergangenen Monat spürbar an Fahrt verloren. Hauptverantwortlich für diese Entlastung waren ein vorübergehend niedrigerer Ölpreis und der staatliche Tankrabatt. Da diese Entlastungsmaßnahme nun jedoch ausgelaufen ist, drohen bereits neue Preisrisiken für die Verbraucher.
10.07.2026 09:48
Lesezeit: 2 min

Energiepreise bleiben der entscheidende Faktor

Der Preisrückgang beim Rohöl und die staatlichen Steuererleichterungen an den Zapfsäulen haben die Teuerung im Juni maßgeblich ausgebremst. Nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,3 Prozent – ein spürbarer Rückgang gegenüber den Vormonaten, in denen die Inflationsrate noch bei 2,6 Prozent (Mai) beziehungsweise 2,9 Prozent (April) gelegen hatte. Trotz dieser temporären Entspannung blieben die Energiekosten jedoch der größte Preistreiber, auch wenn der mittlerweile ausgelaufene Tankrabatt den Effekt vorübergehend abfedern konnte.

Im Juni waren Haushaltsenergie und Sprit noch 3,4 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Im laufenden Monat könnten die Preise wegen des Auslaufens des Steuerrabatts beim Tanken wieder stärker steigen, wie Ökonomen warnen. Auch die Konfliktlage am Persischen Golf birgt weitere Risiken. Nach der jüngsten militärischen Eskalation zwischen den USA und dem Iran im Streit um die Straße von Hormus sind die Ölpreise inzwischen wieder gestiegen.

Für Nahrungsmittel mussten die Menschen im Juni laut Statistik 0,4 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor - ebenso wie im Mai. Teurer waren binnen Jahresfrist vor allem Zucker, Marmelade, Honig und andere Süßwaren (+4,8 Prozent), Fisch (+3,3 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (+2,4 Prozent). Besonders auffällig waren Preisrückgänge bei Butter (-29,1 Prozent) und Kartoffeln (-8,8 Prozent). Eier waren hingegen 14,6 Prozent teurer als ein Jahr zuvor.

Dienstleistungen werden erneut teurer

Dienstleistungen, zu denen Restaurantbesuche und Reisen zählen, verteuerten sich im Juni wie im Vormonat um 3,1 Prozent. Sie bleiben damit ein gewichtiger Preistreiber. In sozialen Einrichtungen (+6,8 Prozent), Autowerkstätten (+4,8 Prozent) oder beim Friseur (+4,2 Prozent) mussten die Kunden höhere Preise zahlen. Mit einem Anstieg um 1,9 Prozent blieben die Nettokaltmieten unter der allgemeinen Preissteigerung.

Die Blicke der Ökonomen richten sich für den laufenden Juli vor allem auf die Entwicklung des Iran-Konflikts mit seinen möglichen Folgen auf die Energiepreise.

Kaufkraft in Gefahr

Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft der Verbraucher: Sie können sich dann für einen Euro weniger leisten. Nach der Preiswelle infolge des Ukraine-Krieges ebbte die Teuerung ab, viele Preise sind aber dauerhaft erhöht. Die sogenannte Kerninflation, also die Preisentwicklung ohne Energie und Nahrungsmittel beziffert das Bundesamt auf 2,5 Prozent.

Mit dem Iran-Krieg ist auch der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) gestiegen. Da die Inflation in der Eurozone mit dem Ölpreisschock stark anzog, hat sie die Leitzinsen im Juni erstmals seit fast drei Jahren erhöht. Die Notenbank erwartet, dass sie ihr Preisziel von 2 Prozent erst 2028 wieder erreicht. Weitere Zinserhöhungen sind damit nicht ausgeschlossen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Anthropic: Milliardenverluste, Millionengehälter und ein gigantischer Börsenplan
19.10.2026

18 Millionen Dollar Vergütung für den Chef, fast 42 Milliarden Dollar Verlust für das Unternehmen: Beim KI-Entwickler Anthropic liegen...

DWN
Politik
Politik Heil statt Klingbeil? Ex-Arbeitsminister schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus
19.10.2026

Bekommt Lars Klingbeil jetzt Konkurrenz? Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil bekommt nach eigenen Worten aus der SPD viele Ermutigungen, für...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Generationenkaufgelegenheit? Weniger Technologie, mehr Gesundheit
19.10.2026

Der S&P 500 verzeichnet zwar ein Plus von zwölf Prozent, doch unter der Oberfläche zeichnet sich ein weitaus schwächeres Bild ab. Der...

DWN
Politik
Politik Steuerzinsen 2027: Nachzahlungen sollen doppelt verzinst werden
19.10.2026

100.000 Euro Steuernachzahlung, zwei volle Zinsjahre: Heute können daraus 3.600 Euro Zinsen werden. Unter dem geplanten neuen Satz wären...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zeekr greift BMW und Mercedes an: Ex-BMW-Manager rechnet mit Europas Autobauern ab
19.10.2026

In chinesischen Autofabriken verschwinden die Menschen, Roboter übernehmen ihre Arbeit. Während BMW, Mercedes und Audi unter Kostendruck...

DWN
Technologie
Technologie Farizon V7E im Test: Chinas Angriff auf Europas Transporter
19.10.2026

Europas Transporterhersteller bekommen Konkurrenz aus China. Der Farizon V7E will mit viel Ladefläche, moderner Technik und einem...

DWN
Finanzen
Finanzen Einkommens-Vergleich: Wann man in Deutschland reich oder arm ist
19.10.2026

Ab wann gehört jemand zur Mittelschicht und wo beginnt Reichtum? Mit einem Rechner des IW Köln können Verbraucher ermitteln, wo sie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hohe Kerosinkosten: Eurowings streicht Flüge und prüft Kurzarbeit
19.10.2026

Brandbrief an Mitarbeiter: Die Dubai-Flüge ab Köln und Stuttgart sind bereits gestrichen, weitere Einschnitte im Winterflugplan folgen....