Panorama

Cybersicherheit im Urlaub: Diese zehn Fehler machen Sie zum leichten Opfer

Ein falscher QR-Code, eine überzeugende E-Mail oder ein gestohlenes Smartphone können den Urlaub abrupt beenden. Cyberkriminelle setzen längst nicht mehr nur auf unsichere Hotelnetzwerke, sondern auf Zeitdruck, Gewohnheiten und künstliche Intelligenz. Zehn einfache Maßnahmen schützen private Konten, sensible Unternehmensdaten und wichtige Zahlungen, bevor aus einer kleinen Unachtsamkeit ein teurer Sicherheitsvorfall wird.
27.07.2026 19:07
Lesezeit: 6 min
Cybersicherheit im Urlaub: Diese zehn Fehler machen Sie zum leichten Opfer
Im Urlaub steigt das Risiko für Phishing, CEO-Fraud und Kontodiebstahl. (Foto: dpa/KEYSTONE | Andreas Becker) Foto: Andreas Becker

Cybersicherheit im Urlaub: Der kurze Sicherheitscheck vor der Abreise

Der Sommer ist für die meisten Menschen eine Zeit der Erholung. Für Cyberkriminelle ist er dagegen eine Zeit voller Gelegenheiten. Die gute Nachricht lautet: Die meisten Risiken lassen sich mit einigen einfachen Maßnahmen deutlich verringern. Dafür benötigen Sie weniger als eine halbe Stunde. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.

Wenn es um Cybersicherheit im Urlaub geht, denken die meisten Menschen zunächst an das WLAN im Hotel. Doch die Welt hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Künstliche Intelligenz ermöglicht inzwischen nahezu perfekte Phishing-Nachrichten. Angreifer verwenden immer häufiger QR-Codes statt Dateianhängen. Den größten Schaden verursachen jedoch oft Betrugsversuche im geschäftlichen Umfeld, bei denen Kriminelle die Abwesenheit wichtiger Personen ausnutzen.

Der Sommer ist deshalb nicht in erster Linie wegen der Technik gefährlich. Das Risiko steigt, weil Menschen ihre Gewohnheiten verändern. Viele erledigen mehr Aufgaben über das Mobiltelefon, stehen unter Zeitdruck, prüfen weniger sorgfältig, veröffentlichen mehr Inhalte in sozialen Netzwerken und verwenden ihre Geräte häufiger außerhalb der gewohnten Sicherheitsumgebung.

1. Nehmen Sie sich vor dem Urlaub zehn Minuten für einen Sicherheitscheck

Die meisten Menschen prüfen vor ihrer Abreise den Reisepass, die Buchungsunterlagen und den Versicherungsschutz. Nur wenige kontrollieren jedoch ihre Geräte.

Vor der Abreise sollten Sie:

Ihr Mobiltelefon, Ihren Computer und Ihre Anwendungen aktualisieren, prüfen, ob tatsächlich Sicherheitskopien erstellt werden, die Funktion "Wo ist?" auf dem iPhone beziehungsweise "Mein Gerät finden" auf Android-Geräten aktivieren, prüfen, ob sich das Gerät aus der Ferne sperren und löschen lässt, Anwendungen entfernen, die Sie nicht mehr verwenden, kontrollieren, welche Geräte in Ihrem Google- oder Microsoft-Konto angemeldet sind, und prüfen, ob Ihre Passwörter bei einem bekannten Datenleck veröffentlicht wurden.

Ein solcher Sicherheitscheck dauert nur wenige Minuten. Er kann Ihnen jedoch mehrere Tage voller Probleme ersparen.

2. Ein gestohlenes Mobiltelefon bedeutet heute weit mehr als den Verlust eines Geräts

Ein Mobiltelefon ist längst nicht mehr nur ein Telefon. Darauf befinden sich E-Mails, Bankanwendungen, digitale Identitätsnachweise, Zugänge zu sozialen Netzwerken, berufliche Dokumente und Fotos. Häufig dient das Gerät außerdem dazu, Anmeldungen bei anderen Diensten zu bestätigen.

Wenn Ihr Mobiltelefon gestohlen wird, sollten Sie sofort handeln. In den ersten 15 Minuten sollten Sie:

das Gerät aus der Ferne sperren oder löschen, Bankkarten und mobile Bezahlfunktionen sperren, den Mobilfunkanbieter informieren, aktive Anmeldungen bei Google, Microsoft und anderen Diensten beenden, und die Passwörter der wichtigsten Konten ändern.

Bei solchen Vorfällen ist schnelles Handeln deutlich wichtiger als ein vollkommen perfektes Vorgehen.

3. Das WLAN im Hotel ist nicht mehr das größte Risiko

Öffentliche drahtlose Netzwerke bieten selbstverständlich keinen idealen Schutz. Heute werden jedoch deutlich mehr Menschen zu Opfern, weil sie ihr Passwort selbst auf einer gefälschten Internetseite eingeben.

Wenn eine Internetseite Sie unerwartet dazu auffordert, sich erneut bei Microsoft 365, Gmail oder Ihrem Onlinebanking anzumelden, sollten Sie vorsichtig sein. Das gilt unabhängig davon, ob Sie über das WLAN im Hotel, das Mobilfunknetz oder Ihren privaten Internetanschluss verbunden sind.

Angreifer attackieren heute vor allem die Nutzer und nicht mehr ausschließlich die Netzwerke.

Phishing und QR-Codes: Wie Angreifer Urlauber und Unternehmen täuschen

4. Ein QR-Code ist nicht immer sicher

QR-Codes gehören inzwischen zum Alltag. Menschen bezahlen damit Parkgebühren, öffnen die Speisekarte eines Restaurants, rufen touristische Informationen ab oder melden sich in einem drahtlosen Netzwerk an.

Gerade deshalb sind QR-Codes auch für Angreifer interessant. An einem Parkautomaten kann jemand den ursprünglichen QR-Code mit einem anderen überkleben. Dasselbe gilt für Flugblätter, Werbetafeln oder sogar Informationsmaterial in einem Hotel.

Prüfen Sie deshalb nach dem Scannen, welche Internetadresse geöffnet wird. Geben Sie keine Zugangsdaten oder Zahlungsinformationen ein, wenn Ihnen die Adresse unbekannt oder verdächtig erscheint.

5. Achten Sie auf Betrug im Namen der Geschäftsführung

Der Sommer ist eine ideale Zeit für den sogenannten CEO Fraud, also für Betrugsversuche im Namen eines Geschäftsführers oder Vorstands. Der Angreifer weiß, dass die Führungskraft im Urlaub ist. Anschließend schickt er der Buchhaltung eine E-Mail und fordert eine dringende Zahlung oder die Änderung einer Bankverbindung.

Weil die Führungskraft nicht erreichbar ist, fällt es Beschäftigten schwerer, die Echtheit der Aufforderung zu überprüfen.

Unternehmen sollten deshalb vor der Urlaubszeit verbindliche Kontrollprozesse festlegen. Dringende Zahlungen, Änderungen von Bankverbindungen und ungewöhnliche Überweisungen sollten immer über einen zweiten Kommunikationsweg bestätigt werden.

6. Schlechtes Deutsch ist kein zuverlässiges Warnsignal mehr

Noch vor wenigen Jahren galt eine schlechte Übersetzung als typisches Erkennungszeichen für Phishing. Heute verfasst künstliche Intelligenz nahezu fehlerfreie Nachrichten. Angreifer können E-Mails in ausgezeichnetem Deutsch schreiben, den Namen des Geschäftsführers verwenden, ein tatsächlich laufendes Projekt erwähnen und eine äußerst überzeugende Aufforderung formulieren.

Deshalb ist nicht mehr allein entscheidend, wie eine Nachricht geschrieben ist. Wichtiger ist die Frage, ob ihr Inhalt sinnvoll und plausibel ist.

Passt die Forderung zu den üblichen Abläufen? Ist die Dringlichkeit nachvollziehbar? Entspricht die Absenderadresse tatsächlich der Adresse der genannten Person? Solche Prüfungen sind heute wichtiger als Rechtschreibfehler.

7. Achten Sie im Urlaub auch auf soziale Netzwerke

Ein Foto vom Strand stellt für sich genommen noch kein Problem dar. Gefährlich sind die sichtbaren Einzelheiten. Auf einem Foto der Bordkarte kann sich ein Strichcode befinden. Auf einer Aufnahme von einer Konferenz kann ein Dienstausweis zu sehen sein. Auf dem Bildschirm eines Laptops kann ein vertrauliches Geschäftsdokument geöffnet sein.

Auch Informationen über Reisezeiten können Kriminellen helfen. Wer öffentlich mitteilt, dass er für zwei Wochen nicht zu Hause oder im Büro ist, liefert möglicherweise genau die Information, die ein Angreifer benötigt.

Prüfen Sie deshalb vor jeder Veröffentlichung, welche Informationen im Hintergrund sichtbar sind und welche Rückschlüsse sich aus dem Beitrag ziehen lassen.

Unternehmen und Beschäftigte: So bleibt Cybersicherheit im Urlaub erhalten

8. Wenn Sie im Urlaub arbeiten müssen

Viele Menschen beantworten auch während des Urlaubs E-Mails oder bestätigen Dokumente. Dabei sollten sie einige einfache Regeln beachten:

Verwenden Sie keine öffentlich zugänglichen Computer, lassen Sie Ihren beruflich genutzten Computer nicht unbeaufsichtigt, achten Sie bei der Arbeit in Hotels oder auf Flughäfen darauf, dass niemand über Ihre Schulter auf den Bildschirm blickt, nutzen Sie ein virtuelles privates Netzwerk, wenn Ihr Unternehmen einen solchen Zugang bereitstellt, und bestätigen Sie wichtige Zahlungen oder Änderungen nicht in Eile über das Mobiltelefon.

Gerade Zeitdruck gehört zu den häufigsten Gründen dafür, dass Betrugsversuche erfolgreich sind.

9. Die Mehrfaktor-Authentifizierung ist keine magische Lösung

Die Mehrfaktor-Authentifizierung bleibt eine der wirksamsten Sicherheitsmaßnahmen. Angreifer stehlen heute jedoch häufig aktive Anmeldesitzungen. Sie können Nutzer außerdem wiederholt mit Aufforderungen zur Bestätigung einer Anmeldung überschütten, bis jemand auf "Bestätigen" klickt.

Wenn Sie eine Anmeldeaufforderung erhalten, die Sie nicht selbst ausgelöst haben, dürfen Sie diese niemals bestätigen. Eine solche Anfrage kann das erste Zeichen dafür sein, dass jemand versucht, Ihr Konto zu übernehmen.

Lehnen Sie die Anmeldung ab, ändern Sie das Passwort des betroffenen Kontos und prüfen Sie, ob unbekannte Geräte oder aktive Sitzungen angezeigt werden.

10. Prüfen Sie nach Ihrer Rückkehr auch diese Punkte

Die meisten Menschen lesen nach der Rückkehr zuerst ihre E-Mails. Es ist jedoch sinnvoll, einige weitere Dinge zu kontrollieren:

Welche Geräte sind in Ihren Konten angemeldet?

Gab es ungewöhnliche Anmeldeversuche?

Sind auf Ihren Bankkonten unbekannte Transaktionen zu sehen?

Sind weiterhin alle Geräte auf dem aktuellen Stand?

Gab es während Ihrer Abwesenheit eine Sicherheitswarnung?

Eine fünfminütige Kontrolle kann ein Problem aufdecken, bevor es größeren Schaden verursacht.

Für deutsche Unternehmen ist Cybersicherheit im Urlaub besonders relevant, weil viele betriebliche Abläufe auch während der Ferienzeit weiterlaufen. Beschäftigte vertreten abwesende Kollegen, Freigabeprozesse verändern sich und wichtige Ansprechpartner sind teilweise schwer erreichbar. Genau diese Situation können Angreifer für gefälschte Zahlungsaufforderungen, manipulierte Rechnungen oder den Diebstahl von Zugangsdaten nutzen. Ein besonderer Deutschland-Bezug ergibt sich außerdem aus der großen Zahl kleiner und mittlerer Unternehmen, in denen Zahlungsfreigaben und Sicherheitskontrollen häufig von wenigen Schlüsselpersonen abhängen.

Der wichtigste Schutz ist nicht mehr allein das Antivirenprogramm

Ein Blick auf heutige Cyberangriffe zeigt, dass technisch besonders anspruchsvolle Einbrüche nicht mehr die einzige oder größte Gefahr darstellen. Angreifer nutzen deutlich häufiger Unaufmerksamkeit, Zeitdruck, Vertrauen und veränderte Gewohnheiten aus.

Der beste Schutz besteht deshalb nicht nur aus einem Antivirenprogramm oder einer Firewall. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus aktualisierten Geräten, funktionierenden Sicherheitskopien, gesunder Vorsicht und einer einfachen Regel: Wenn etwas ungewöhnlich wirkt, sollten Sie sich eine zusätzliche Minute nehmen und die Situation überprüfen.

Diese Minute können Sie sich im Urlaub fast immer leisten. Der Sommer dauert lange. Die Folgen einer unüberlegten Entscheidung können jedoch deutlich länger anhalten.

Das Fazit lautet: Cybersicherheit im Urlaub beginnt nicht mit komplizierter Technik, sondern mit Vorbereitung und Aufmerksamkeit. Wer Geräte aktualisiert, Konten absichert, ungewöhnliche Nachrichten überprüft und klare Zahlungsprozesse einhält, kann den größten Teil der typischen Risiken mit wenig Aufwand erheblich reduzieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

avtor1
Dare Hriberšek

***

Dare Hriberšek ist Autor bei Finance.si (dem slowenischen Partnerunternehmen des Bonnier-Verlags, zu dem auch die DWN gehören) und schreibt vor allem über Cybersecurity, digitale Risiken und IT-Sicherheit. Seine Beiträge behandeln unter anderem Hackerangriffe, Online-Betrug, Kryptografie, Sicherheitsvorfälle und den Umgang von Unternehmen mit digitalen Bedrohungen.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Irans Feigenblatt sorgt für grüne Zahlen an der Wall Street
25.09.2026

Ein unerwarteter Wendepunkt im Nahen Osten sorgt für Bewegung an den Märkten – erfahren Sie, welche Aktien jetzt besonders profitieren.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO rückt näher, OpenAI bremst: Was passiert mit den Rekord-Börsengängen?
25.09.2026

Was ist über Zeitplan, Bewertungen und Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung vor den angekündigten Börsengängen bekannt?

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Henkel feiert 150 Jahre: Das sind die größten Herausforderungen
25.09.2026

Mit seinen bekannten Markenprodukten prägt Henkel seit Jahrzehnten den Alltag vieler Kunden. Ein Blick auf wichtige Meilensteine, Krisen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
25.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gold für mehr als acht Milliarden Dollar: Russland meldet weitere Verkäufe
25.09.2026

Russlands Zentralbank verkauft seit Jahresbeginn kontinuierlich Gold. Fast 56 Tonnen verschwanden bereits aus den offiziellen Reserven, ihr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Defekte Schraube an der Lenkung: Großrückruf bei VW, Audi und Seat
25.09.2026

Wegen möglicher Mängel an der Lenkung muss der Volkswagen-Konzern bundesweit fast eine Million Fahrzeuge der Marken VW, Audi und Seat in...

DWN
Politik
Politik Protest gegen den Zwang: Zehntausende Schüler gehen gegen drohende Wehrpflicht auf die Straße
25.09.2026

Die Sorge vor einer Rückkehr der Wehrpflicht treibt die Jugend auf die Straße. Mit einem bundesweiten Aktionstag fordert eine...

DWN
Politik
Politik Neue Sitzordnung und Streit um Ausschüsse: Landtag von Sachsen-Anhalt vor Neuausrichtung
25.09.2026

Im Landtag von Sachsen-Anhalt stehen vor der anstehenden konstituierenden Sitzung spürbare Veränderungen an. Neben optischen Anpassungen...