Politik

DIW-Präsident Marcel Fratzscher für Abschaffung der "Rente mit 63"

Die Zukunft der gesetzlichen Rente entwickelt sich erneut zum politischen Streitthema. Während Experten auf Einsparungen und mehr Beschäftigung verweisen, wächst innerhalb der Regierungsparteien der Widerstand gegen zentrale Reformpläne. Droht der Rentenkompromiss schon vor dem Start zu scheitern?
03.08.2026 08:34
Aktualisiert: 03.08.2026 08:34
Lesezeit: 2 min
DIW-Präsident Marcel Fratzscher für Abschaffung der "Rente mit 63"
Die geplante Abschaffung der "Rente mit 63" sorgt für Streit. Marcel Fratzscher warnt vor dem Scheitern der Rentenreform. (Bild: DPA)

DIW-Präsident Marcel Fratzscher für Abschaffung der "Rente mit 63"

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die geplante Abschaffung der abschlagsfreien "Rente mit 63" für unverzichtbar. Er sagte der "Rheinischen Post": "Die Abschaffung der Rente mit 63 ist ein zentrales und finanziell das wichtigste Element der geplanten Rentenreform." Eine Abschaffung schaffe schätzungsweise knapp zehn Milliarden Euro an langfristigen Einsparungen und 125.000 zusätzliche Beschäftigte pro Rentnerjahrgang.

"Ohne dieses Element ist die Rentenreform tot", sagte der DIW-Präsident weiter. "Die Bundesregierung müsste erneut von vorne beginnen und vor allem die Finanzierung der gesetzlichen Rente komplett neu aufsetzen."

Ohne die Abschaffung der "Rente mit 63" würde die gesetzliche Rente nach Fratzschers Worten in Zukunft zudem zu einer noch stärkeren Umverteilung von Jung zu Alt und auch von Arm zu Reich führen. "Denn von der Rente mit 63 profitieren deutlich häufiger Besserverdienende und Männer und deutlich seltener Menschen, die von Altersarmut bedroht sind."

Brief ostdeutscher CDU-Ministerpräsidenten

Die drei ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) hatten sich offen gegen die Empfehlung der Rentenkommission gestellt. In einem Brief an die Bundesregierung verteidigten sie die abschlagsfreie "Rente mit 63". "Wer 45 Jahre eingezahlt hat, hat genug eingezahlt. Diesen Grundsatz geben wir nicht auf."

Nach der Empfehlung der Kommission soll der frühere Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Beitragsjahren, bekannt als "Rente mit 63", wegfallen.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) hatten bekundet, alle Empfehlungen der Rentenkommission vollständig umsetzen zu wollen. Unionsfraktionschef Thorsten Frei und CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann machten am Wochenende deutlich, dass die CDU an der Abschaffung als Teil eines Reformpakets festhält. Auch CSU-Chef Markus Söder ist dagegen, das Gesamtpaket wieder aufzuschnüren.

Bas: Union muss Position zur abschlagsfreien Frührente klären

Bundesarbeitsministerin Bas, die im Kabinett federführend für das Thema zuständig ist, hatte von einem "Gesamtkunstwerk" gesprochen. Sie fordert die Union auf, ihre Position zur Abschaffung zu klären. Sie sträube sich nicht dagegen, das Paket aufzuschnüren, wenn das Unionsmeinung wäre. "Das sehe ich aber noch nicht", sagte die SPD-Chefin im ZDF-"Sommerinterview".

Die "Rente mit 63" ist ein gebräuchliches, aber nicht mehr ganz korrektes Schlagwort: Aktuell ist der frühere Renteneintritt ohne Abschläge bei ausreichend Versicherungszeit ab einem Alter von 64,5 Jahren möglich.

Rentenreform steht vor entscheidender Bewährungsprobe

Die Debatte um die "Rente mit 63" zeigt, wie schwierig tiefgreifende Reformen der gesetzlichen Rente politisch durchzusetzen sind. Während Befürworter vor allem auf langfristige Entlastungen der Sozialkassen und positive Effekte für den Arbeitsmarkt verweisen, sehen Kritiker einen Vertrauensbruch gegenüber langjährig Versicherten. Der Widerstand aus Teilen der Union erhöht den Druck auf die Bundesregierung zusätzlich. Ob das Reformpaket in seiner bisherigen Form Bestand haben wird, hängt nun entscheidend davon ab, ob die Koalition und die Union einen tragfähigen Kompromiss finden. Die kommenden Wochen dürften deshalb richtungsweisend für die Zukunft der deutschen Rentenpolitik werden.

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