Wirtschaft

Dürre setzt Europas Bauern massiv unter Druck

Die Dürre trifft Europas Landwirtschaft immer härter: Schlechte Ernten, knappe Futtermittel und steigende Kosten setzen viele Betriebe unter Druck. Auch Verbraucher könnten die Folgen bald spüren – von teurerem Olivenöl bis zu weniger Gemüse in den Supermarktregalen.
06.08.2026 10:35
Lesezeit: 7 min
Dürre setzt Europas Bauern massiv unter Druck
Jungbauer Joost Schrader fährt mit seinem Mähdrescher in den Sohlener Bergen (Aufnahme mit Drohne am 30.07.26). Seit mehreren Tagen wird Weizen geerntet. Die Landwirte in der Magdeburger Börde rechnen mit einem mäßigen Ertrag. Durch die extreme Hitze wird bis zu 20 Prozent weniger geerntet. (Foto: dpa) Foto: Peter Gercke

Sorge um die Ernte: Dürre und Hitze treffen Europas Bauern

Staubtrockene Felder, Gluthitze: Landwirte geraten wegen Einbußen bei der Getreideernte, hoher Kosten und Futterknappheit zunehmend unter Druck. In Spanien und Frankreich leiden Obst, Oliven und Gemüse.

In modernen Traktorkabinen sorgen Klimaanlagen zwar für Abkühlung. Doch für viele Bauern in Europa bedeuten Hitze und Trockenheit Frust und Existenzängste. Eine unterdurchschnittliche Getreideernte, niedrige Marktpreise und steigende Kosten setzen die Landwirtschaft nach Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes massiv unter Druck.

Rinderhalter blicken mit Sorge auf ihre Flächen, weil das Grünland schlechter wächst und Futter knapp wird. In Frankreich und Spanien werden erhebliche Ernteausfälle befürchtet. Wird mediterranes Olivenöl nun teurer? Bleiben Gemüse-Regale im Supermarkt leer?

Die Dürre in Europa wird sich laut Forschern weiter verschärfen. Das Wissenschaftsnetzwerk World Weather Attribution beschreibt mögliche Folgen: "Historische Ernteverluste (...) könnten zusammen mit den anhaltenden globalen Konflikten die Lebensmittelpreise erhöhen und Haushalte mit geringem Einkommen überproportional treffen."

"Betriebe schlagen Alarm"

Für die diesjährige Getreideernte in Deutschland wird ein unterdurchschnittliches Ergebnis erwartet, sagt Stefanie Sabet, Generalsekretärin des Deutschen Bauernverbandes. Gleichzeitig seien die Marktpreise niedrig, während die Kosten für Transport, Dünger und Futter gestiegen seien. Das belaste die Liquidität der Betriebe. "Die Betriebe schlagen massiv Alarm." Die Ertragssituation unterscheide sich allerdings stark von Standort zu Standort.

Weniger Zucker

Die anhaltende Hitze setzt Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben – den spätreifen Kulturen – zu. In Süddeutschland dürfte ein Drittel weniger Zucker erzeugt werden als im Vorjahr, erwartet der Verband Süddeutscher Zuckerrübenanbauer.

Die wichtigste Kultur bleibt laut Bauernverband der Winterweizen mit rund 2,9 Millionen Hektar und einem Anteil von 48 Prozent an der Getreidefläche in Deutschland. Auch Gerste zählt zu den bedeutenden Getreidearten.

Tierfutter wird knapper

Erhebliche Einbußen gibt es bei der Grünlandproduktion in vielen Regionen, so der Bauernverband. Das beeinträchtige die Futterversorgung der Tiere erheblich, sagte Sabet. "Da haben wir große Sorge. Die Trockenjahre häufen sich." Vor allem im Südwesten Deutschlands, im Mittelgebirge und im Allgäu seien zwei Grünlandschnitte ausgefallen – also das Mähen zur Futtergewinnung. Futterbörsen sollen Tierhaltern helfen. Mit ihren Sorgen stehen die Bauern in Deutschland nicht allein da: Auch in anderen Teilen Europas hinterlassen Hitze und Dürre deutliche Spuren.

Wie ist die Lage in anderen Ländern?

SPANIEN: Die außergewöhnliche Hitze und Trockenheit dieses Sommers werden die spanische Landwirtschaft spürbar belasten. Besonders deutlich zeigt sich das beim Getreide. Die spanischen Agrargenossenschaften senkten ihre Prognose im Juli deutlich: Die Getreideernte wird nun auf rund 18,6 Millionen Tonnen geschätzt – fast zwei Millionen Tonnen weniger als im Mai erwartet und rund 30 Prozent unter der außergewöhnlich guten Ernte des Vorjahres, die fast 27 Millionen Tonnen erreichte.

Auch Olivenhaine, Weinberge, Obstplantagen sowie Mais und andere Sommerkulturen leiden unter Wassermangel. Beim Olivenöl warnen Erzeuger bereits vor einer kleineren Ernte und steigenden Preisen, falls die Trockenheit bis in den Herbst anhält.

Frankreichs Gemüsezüchter fürchten große Ausfälle

FRANKREICH: Nach mehreren Hitzewellen und anhaltender Trockenheit befürchtet die Landwirtschaft in Frankreich erhebliche Ernteausfälle. Der französische Gemüsezüchterverband Légumes de France warnte vor Ausfällen von bis zu 50 Prozent und Verlusten in Höhe von Dutzenden Millionen Euro. Trotz Bewässerung seien die Pflanzen teils direkt auf den Feldern vertrocknet. "Das ist die Katastrophe".

In den Supermarktregalen könnte Gemüse schon bald knapp werden. Auch in anderen Bereichen werden starke Einbußen befürchtet. Frankreichs Landwirtschaftsministerin Annie Genevard kündigte am Mittwoch einen Notfallplan an, um betroffene Landwirte zu unterstützen.

Wie der staatliche Wetterdienst Météo France mitteilte, war der Juli der heißeste in Frankreich seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1900. Vielerorts wurden Temperaturen von mehr als 40 Grad registriert. Nachdem es bereits im Juni wenig geregnet hatte, fiel im Juli 70 Prozent weniger Niederschlag als üblich.

Ernteeinbußen in der EU erwartet

Auch in Brüssel stellt man sich auf geringere Ernten ein. Die EU-Kommission beobachtet die Folgen der anhaltenden Hitzewelle für landwirtschaftliche Betriebe in der EU genau. Die Solidarität gelte denjenigen, die erhebliche Verluste erlitten hätten, sagte eine Sprecherin. Wie Daten der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) zeigen, wurden die Ertragsschätzungen für Winterkulturen in der EU um ein bis vier Prozent nach unten korrigiert. Damit liegt der Ausblick für die Getreideproduktion insgesamt ein Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Wegen der außergewöhnlichen Hitze und geringer Regenfälle wurden zudem die Ertragsschätzungen für alle Frühjahrs- und Sommerkulturen gesenkt, am stärksten für Körnermais und Sonnenblumen – um sechs bis sieben Prozent. Entwarnung gibt es keine: "Es wird erwartet, dass die heißen und trockenen Bedingungen in Westeuropa anhalten werden, was die Wahrscheinlichkeit weiterer Ertragseinbußen erhöht."

Bauernverband: Regierung muss helfen

Aus Sicht des Deutschen Bauernverbandes brauchen die Landwirte schnelle Entlastung. "Die Betriebe haben keinen Tag mehr Zeit, darauf zu warten", meinte Generalsekretärin Sabet. "Wir brauchen deutlich mehr Engagement der Bundesregierung." Der Bauernverband fordert unter anderem die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage, um Landwirte bei Ernteausfällen besser abzusichern.

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