Wirtschaft

Industrie legt zu: Rhein wird zum Konjunkturrisiko

Die kriselnde deutsche Industrie hat im Juni überraschend viele Aufträge an Land gezogen. Doch das Niedrigwasser im Rhein entwickelt sich nach Einschätzung von Ökonomen zu einem Konjunkturrisiko.
06.08.2026 11:32
Lesezeit: 1 min
Industrie legt zu: Rhein wird zum Konjunkturrisiko
Niedrigwasser bedroht die Lieferketten: Ein Schiff fährt auf dem Rhein bei einem niedrigen Wasserstand an der Burg Pfalzgrafenstein vorbei. (Foto: dpa) Foto: Thomas Frey

Industrie erhält mehr Aufträge: Rheinpegel wird zum Risiko

Die Aufträge der Industrie stiegen im Vergleich zum Vormonat saison- und kalenderbereinigt um 3,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Volkswirte hatten lediglich ein Plus von einem halben Prozent erwartet. Der Anstieg der Industrieaufträge im Juni war bereits das zweite Plus in Folge, nachdem die Bestellungen schon im Mai leicht zugelegt hatten.

Die Konjunktur laufe etwas besser als vor kurzem gedacht, sagte Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der Landesbank LBBW. "Freilich schwebt das Ölpreis-Risiko latent über allem, und mit den Pegelständen der großen Flüsse ist ein neues Abwärtsrisiko dazugekommen."

Die kräftigen Bestellungen im Juni wurden von einem Anstieg im Maschinenbau (+12,7 Prozent) sowie bei der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (+22,7 Prozent) getragen. Auch die Aufträge für die Autoindustrie (+3,8 Prozent) legten zu. Allerdings wären die Bestellungen insgesamt ohne Großaufträge gesunken.

Niedrigwasser: Produktionsunterbrechungen befürchtet

Die Industrie verfüge über ausreichend Bestellungen, um die Produktion in den kommenden Monaten hochzufahren, sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. "Wermutstropfen ist derweil der niedrige Rheinpegel, der einer Ausweitung der Produktion im Wege stehen könnte." Die Einschränkungen für die Binnenschifffahrt erschwerten die Versorgung der Industrie mit Vorprodukten.

"Wenn die Wasserstände weiter fallen, könnte die Berufsschifffahrt am Ende so teuer werden, dass es wirtschaftlich keinen Sinn mehr macht und es zu einer Unterbrechung kommt", meint Marc Schattenberg, Ökonom bei Deutsche Bank Research. Kurzfristig lasse sich die Lage kaum wirksam ändern.

Das Niedrigwasser auf dem Rhein, der wichtigsten Wasserstraße Europas, hat zuletzt Rekordtiefstände erreicht und behindert die Binnenschifffahrt. Das droht Lieferketten zu unterbrechen und die Produktion zu bremsen, wie etwa der Chemieverband VCI warnt. Über den Umgang mit dem Niedrigwasser sprechen heute in Bonn Wirtschaftsverbände mit Bundesverkehrsminister Steffen Bilger.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Bremer Immobilienmarkt unter Druck: Strategien für Käufer und Verkäufer im aktuellen Zinsumfeld

Der Immobilienmarkt in Bremen befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. Nach Jahren des kontinuierlichen Preisanstiegs...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft 19 Prozent auf alles?: Ifo-Chef plädiert für höhere Mehrwertsteuer
06.08.2026

Teurere Lebensmittel – und dafür eine Gutschrift vom Staat für Menschen mit geringen Einkommen? Das schlägt ein führender deutscher...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie: Rekordgewinn stärkt Position im Übernahmekampf mit Unicredit
06.08.2026

Mit steigenden Gewinnen wollte die Commerzbank-Aktie ihre Unabhängigkeit untermauern. Die jüngste Zwischenbilanz fällt positiv aus. Doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Auswanderung geplant? Diese Steuerfallen sollten Sie kennen
06.08.2026

Ein Leben im Ausland klingt nach Freiheit und neuen Perspektiven. Doch vor dem Abschied verlangt der Fiskus oft noch seinen Anteil. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie enttäuscht Anleger: Rekordumsatz reicht nicht mehr
06.08.2026

SpaceX meldet einen spektakulären Umsatzsprung, doch an der Börse kippt die Stimmung. Die gigantischen KI-Ausgaben stellen den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrie legt zu: Rhein wird zum Konjunkturrisiko
06.08.2026

Die kriselnde deutsche Industrie hat im Juni überraschend viele Aufträge an Land gezogen. Doch das Niedrigwasser im Rhein entwickelt sich...

DWN
Finanzen
Finanzen Telekom-Aktie legt zu: Mehr Geld für Aktienrückkäufe
06.08.2026

Die Telekom-Aktie startet nach starken Quartalszahlen und einem deutlich ausgeweiteten Aktienrückkaufprogramm mit Rückenwind in den...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie verliert Rückenwind nach F126-Aus
06.08.2026

Das Aus für das milliardenschwere F126-Projekt zwingt Rheinmetall zu einer Korrektur der Umsatzprognose. Trotz der niedrigeren Erwartungen...

DWN
Finanzen
Finanzen Siemens-Aktie profitiert: Rekord bei den Aufträgen
06.08.2026

Der Auftragseingang erreicht einen Rekordwert. Auch bei der geplanten Trennung von der Healthineers-Mehrheit kommen die Münchner voran....