Dacia Sandero Stepway erobert Europas Automarkt
Es klingt beinahe unglaublich, stimmt aber tatsächlich: Welches Auto war 2025 das meistverkaufte Modell Europas? Viele dürften zunächst an einen Volkswagen, Renault oder Toyota denken. Tatsächlich landete der Dacia Sandero ganz oben. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.
Im Jahr 2025 wurden in Europa rund 243.700 Exemplare verkauft. Damit lag der Sandero vor seinen nächsten Verfolgern, dem Renault Clio und dem Volkswagen T-Roc. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an ein Auto, das Hunderttausende europäische Käufer überzeugt.
Beim Dacia Sandero scheiden sich dennoch die Geister. Manche Autofahrer betrachten die rumänische Marke weiterhin mit Skepsis, andere schätzen gerade ihren pragmatischen Ansatz und die vergleichsweise niedrigen Preise. Als Dacia 2004 im rumänischen Pitești ankündigte, den westeuropäischen Automarkt erobern zu wollen, klang das noch ausgesprochen ambitioniert. Mehr als zwei Jahrzehnte später zeigt sich, dass diese Strategie aufgegangen ist.
Der Sandero teilt sich technische Grundlagen mit dem Renault Clio. Während Renault stärker auf Komfort, Technik und einen höherwertigen Eindruck setzt, verfolgt Dacia einen nüchterneren Ansatz. Die Fahrzeuge nutzen Komponenten und Architektur des Renault-Konzerns, sollen aber vor allem funktional und bezahlbar bleiben.
Die Variante Stepway rückt optisch näher an einen SUV heran. Die Insassen sitzen höher, und auch die Karosserie erinnert mit ihren Anbauteilen an einen Geländewagen. Ein echter Geländewagen ist der Sandero Stepway allerdings nicht. Beim getesteten Modell gelangt die Kraft über ein sechsstufiges Automatikgetriebe ausschließlich an die Vorderräder. Einen Allradantrieb gibt es nicht.
Besonders ist dagegen der Antrieb des Testwagens. Er kombiniert Benzin und Autogas, auch LPG genannt. Dabei handelt es sich technisch nicht um einen klassischen Hybridantrieb, sondern um einen sogenannten bivalenten Antrieb. Per Schalter bestimmt der Fahrer, welchen Kraftstoff der Motor nutzt. Entsprechend besitzt das Fahrzeug zwei Tanks mit jeweils 50 Litern Fassungsvermögen.
Auf dem Papier verspricht diese Kombination vor allem eines: Reichweite. In der Praxis bestätigt sich das eindrucksvoll. Mit beiden vollständig gefüllten Tanks kam der Testwagen rechnerisch auf insgesamt 1.425 Kilometer. Der durchschnittliche Verbrauch lag bei 6,1 Litern Benzin beziehungsweise acht Litern Autogas auf 100 Kilometer.
Voraussetzung dafür ist natürlich, beide Tanks tatsächlich zu füllen. In Slowenien stellt das beim Autogas kein größeres Problem dar. Entlang der Straßen gibt es ungefähr 140 entsprechende Tankstellen, allein der Anbieter Petrol betreibt rund 100 davon.
Dacia Sandero Stepway bietet viel Reichweite und ordentlichen Komfort
Für den Antrieb sorgt ein 1,2 Liter großer Dreizylindermotor mit 122 PS beziehungsweise 90 Kilowatt. Für den Dacia Sandero Stepway reicht diese Leistung vollkommen aus. Geschwindigkeitsrekorde sind nicht zu erwarten, doch für Überholmanöver stehen ausreichende Reserven zur Verfügung.
Wer den Dreizylinder höher dreht, bekommt ihn allerdings deutlich zu hören. Dacia nennt eine Höchstgeschwindigkeit von 180 Kilometern pro Stunde. Den Sprint von null auf 100 Kilometer pro Stunde absolviert das Fahrzeug laut technischen Daten in elf Sekunden.
Die erhöhte Sitzposition passt zum Stepway-Konzept. Insgesamt sitzt es sich ordentlich und vergleichsweise bequem. Der Fahrersitz könnte allerdings etwas mehr Langstreckenkomfort bieten. Nach ungefähr zwei Stunden Fahrt macht sich die eher einfache Polsterung bemerkbar.
Positiv fällt der zentrale Farb-Touchscreen auf. Mit 25,6 Zentimetern beziehungsweise 10,1 Zoll Bildschirmdiagonale ist er ausreichend groß. Einige Funktionen lassen sich alternativ über Bedienelemente am Lenkrad steuern. Für kleinere Gegenstände stehen zwei Fächer sowie weitere Ablagemöglichkeiten zur Verfügung.
Weniger überzeugend präsentiert sich die Ausstattungslinie Extreme, obwohl sie bei Dacia die höchste angebotene Variante darstellt. Vor allem ein adaptiver Tempomat fehlt. Ein herkömmlicher Tempomat bietet bei längeren Fahrten zwar Unterstützung, passt sich aber nicht automatisch dem vorausfahrenden Verkehr an. Gerade bei einem Fahrzeug des Modelljahres 2026 fällt diese Lücke auf.
Auch die Assistenztechnik hinterließ im Test nicht durchgehend einen zuverlässigen Eindruck. Der vordere linke Parksensor meldete sich wiederholt ohne erkennbaren Grund. Probleme gab es außerdem mit der schlüssellosen Zugangskarte. Teilweise funktionierte sie problemlos, in anderen Situationen reagierte das Fahrzeug nicht wie erwartet. Bemerkenswert ist das deshalb, weil dieses System in anderen Modellen des Renault-Konzerns bislang unauffällig arbeitete.
Mit einer Länge von rund 4,10 Metern eignet sich der Sandero Stepway besonders gut für Paare und kleinere Haushalte. Auf der Rückbank finden aber auch Erwachsene ausreichend Platz für Knie und Kopf. Großzügige Reserven sollte dort niemand erwarten.
Ähnlich fällt das Urteil über den Kofferraum aus. Er ist vergleichsweise tief und bietet je nach Stellung der Rücksitze zwischen 372 und 1.152 Liter Stauraum. Das ist für diese Fahrzeugklasse ordentlich, setzt aber keine neuen Maßstäbe.
Beim Preis fällt das Urteil gemischter aus. Der getestete Dacia Sandero Stepway kostet in Slowenien mit der Ausstattung Extreme 22.190 Euro. Damit bewegt sich selbst ein Dacia inzwischen in einem Preisbereich, in dem sich ein Blick auf Alternativen lohnt.
Wer die enorme Reichweite des Benzin-Autogas-Modells nicht benötigt, kann etwa auf den Benziner mit 110 PS beziehungsweise 81 Kilowatt ausweichen. Vor allem in einer niedrigeren Ausstattung sinkt der Preis dadurch deutlich. In Slowenien beginnt eine entsprechende Variante bei 16.590 Euro.
Wer dagegen mehr Platz benötigt, findet im Dacia Duster eine Alternative. Der klassische Kompakt-SUV startet dort mit Benzin-Autogas-Antrieb bei 19.490 Euro. Damit liegt er preislich überraschend nahe am umfangreicher ausgestatteten Sandero Stepway.
Zwei Sterne im Euro-NCAP-Test bleiben der größte Schwachpunkt
Ein Punkt wiegt beim Sandero Stepway allerdings schwerer als kleinere Komfortmängel oder ein gelegentlich piepender Sensor. Beim Euro-NCAP-Crashtest erhielt das Modell im Jahr 2021 lediglich zwei von fünf möglichen Sternen.
Die Karosseriestruktur selbst schnitt dabei nicht in allen Bereichen schlecht ab. Entscheidend für die niedrige Gesamtwertung war unter anderem die vergleichsweise einfache Sicherheits- und Assistenztechnik. Gerade bei der Unfallvermeidung und beim Schutz verschiedener Verkehrsteilnehmer konnte der Sandero die strengeren Anforderungen von Euro NCAP nicht erfüllen.
Für Interessenten bleibt damit eine klare Abwägung. Der Dacia Sandero Stepway bietet ausgesprochen hohe Reichweite, ausreichend Platz und einen alltagstauglichen Antrieb. Gleichzeitig zeigt sich, dass der günstige Ansatz der Marke an einigen Stellen mit Kompromissen verbunden ist. Komfortausstattung und moderne Assistenzsysteme bleiben hinter manchem Wettbewerber zurück.
Für deutsche Käufer ist außerdem wichtig, die slowenischen Preise des Testwagens nicht direkt auf den deutschen Markt zu übertragen. Dacia bietet den Sandero Stepway in Deutschland ebenfalls mit Benzin-Autogas-Antrieb an, allerdings gelten hier eigene Ausstattungen und Listenpreise. In der deutschen Preisliste vom April 2026 kostete der Eco-G 120 mit Automatik in der Ausstattung Extreme 18.990 Euro zuzüglich Überführungs- und Transportkosten. Damit bleibt der Stepway auch hier preislich unter vielen klassischen Kleinwagen-SUVs.


