VW ID. Buzz im Test: Camping im Elektroauto wird immer einfacher
Viele neue Elektroautos verfügen über einen Campingmodus, der es ermöglicht, im Auto zu übernachten. Beim VW ID. Buzz gehört er inzwischen zur Serienausstattung. Doch er funktioniert nicht so gut wie erwartet. Das berichten unsere Kollegen von Borsen.
Mit dem Einzug der Elektroautos hat das Auto eine völlig neue Rolle im Leben vieler campingbegeisterter Menschen bekommen. Viele Elektroautos von Marken wie Kia, Tesla und Xpeng sind nämlich mit einem sogenannten Campingmodus ausgestattet. Dabei wird das Auto „ausgeschaltet“, aber es ist weiterhin möglich, Energie aus der Hochvoltbatterie zu nutzen, um die Klimaanlage zu betreiben, Telefone über die USB-Anschlüsse des Fahrzeugs aufzuladen oder eine Kaffeemaschine, einen Elektrogrill oder einen Fernseher mit Strom zu versorgen.
Eine große Gruppe von Elektroautokäufern musste bislang allerdings darauf verzichten. Denn die Fahrzeuge von Skoda, VW und dem restlichen VW-Konzern verfügten bisher nicht über einen Campingmodus. Wer die Besitzergruppen auf Facebook verfolgt, findet vor allem unter den Eigentümern des ID. Buzz zahlreiche Tipps und Tricks, mit denen sich das Auto zum Campen nutzen lässt. Doch frischgebackene Besitzer von VW-Elektroautos müssen nun nicht länger auf solche improvisierten Lösungen zurückgreifen.
Denn mit dem Modelljahr 2027, dessen Fahrzeuge bereits 2026 auf den Markt gekommen sind, haben die Autos auf der MEB-Plattform nun einen Campingmodus erhalten. Die Funktion wurde in einem VW ID. Buzz getestet. Das Ergebnis ist durchwachsen.
Der Camp Mode wurde gewissermaßen nachträglich in die Fahrzeuge von VW integriert. Der erste Hinweis darauf zeigt sich leider bereits bei der Aktivierung des Modus. Im Fahrzeugmenü hat er keinen eigenen Platz bekommen, sondern wurde unter den Einstellungen für die Ambientebeleuchtung untergebracht.
Das ist an sich noch kein großes Problem. Problematisch ist dagegen, dass sich die Innenraumüberwachung nicht automatisch ausschaltet, wenn das Fahrzeug in den Camp Mode versetzt wird. Daran muss man separat denken, wenn man sich selbst und dem gesamten Campingplatz ein abruptes Erwachen ersparen möchte.
VW ID. Buzz im Praxistest mit unerwarteten Problemen
Während der Vorbereitung des Fahrzeugs für die Übernachtung wurde der Alarm im Test mehrmals wieder aktiviert. Dabei ließ sich schlicht kein Muster erkennen, wann er deaktiviert blieb und wann er erneut eingeschaltet wurde. Das kann schnell zu einem Problem werden, wenn man nicht die ganze Zeit über äußerst aufmerksam ist.
Im Camp Mode lässt sich außerdem einstellen, dass das Fahrzeug beim Öffnen und Schließen die Außenbeleuchtung nicht einschaltet. Doch bei einer Gelegenheit ließen sich die Scheinwerfer im Test nicht ausschalten, ganz gleich, was versucht wurde. Schließlich blieb nichts anderes übrig, als nach vorne zu kriechen, das Auto einzuschalten, den Camp Mode aus- und wieder einzuschalten, das Fahrzeug auszuschalten und den Alarm zu deaktivieren. Erst danach waren die Scheinwerfer aus und die Nachtruhe konnte beginnen.
Mehrere Funktionen arbeiteten dagegen einwandfrei. Mit dem Modelljahr 2027 haben die Fahrzeuge auch V2L (Vehicle-to-Load) erhalten. Das bedeutet, dass sich über einen Adapter, der in den Ladeanschluss gesteckt wird, 230-Volt-Strom aus dem Auto beziehen lässt. Das funktioniert hervorragend. Im Test wurde die Funktion unter anderem genutzt, um morgens Kaffee zuzubereiten.
Allerdings sollte man beachten, dass V2L in den VW-Fahrzeugen „nur“ 2.000 Watt liefern kann. Wer sich für eine richtige 230-Volt-Steckdose im Fahrzeug entscheidet, muss dafür umgerechnet rund 307 Euro zusätzlich bezahlen. Dabei ist zu beachten, dass diese Steckdose lediglich eine Dauerleistung von 300 Watt bereitstellen kann.
Auch der Betrieb der Klimaanlage während der gesamten Nacht funktionierte hervorragend. Die Temperatur blieb stabil und die Lüfter verursachten praktisch keine Geräusche. Wie viel Strom dabei verbraucht wird, hängt vom Unterschied zwischen der Außentemperatur und der gewählten Temperatur im Innenraum ab. Im Test lag der Verbrauch für eine ganze Nacht bei rund fünf Prozent der 79-kWh-Batterie des Fahrzeugs.
Campingmodus im VW ID. Buzz mit Grenzen für Käufer
Am ärgerlichsten am Camp Mode von VW ist, dass er nicht abwärtskompatibel ist. Wer einen älteren ID. Buzz oder ein anderes Fahrzeug auf derselben Plattform besitzt und darin übernachten möchte, kann den Camp Mode nicht durch ein Update nachrüsten. Laut VW fehlt diesen Fahrzeugen die notwendige Hardware.
In mehrfacher Hinsicht merkt man, dass der Camp Mode eine nachträgliche Überlegung ist, die leider nicht richtig in das übrige Fahrzeug integriert wurde. Es bleibt zu hoffen, dass VW die Funktion durch regelmäßige Updates und langfristig durch ein echtes Facelift des ID. Buzz verbessern kann.
Für deutsche Autofahrer ist der neue Campingmodus besonders interessant, weil der VW ID. Buzz als elektrischer Nachfolger des klassischen Bulli auch für Freizeitfahrten und Campingausflüge infrage kommt. Mit dem neuen Übernachtungsmodus und der Vehicle-to-Load-Funktion erweitert Volkswagen die Einsatzmöglichkeiten des in Hannover produzierten Elektrotransporters. Die Möglichkeit, den Innenraum über Nacht zu klimatisieren und gleichzeitig Elektrogeräte mit Strom zu versorgen, macht das Fahrzeug für spontane Kurzreisen attraktiver.
Volkswagen bietet in Deutschland außerdem ein sogenanntes Gute-Nacht-Paket für den ID. Buzz an. Es umfasst unter anderem eine Schlafmöglichkeit für zwei Personen und eine Verdunkelung der Fenster. Der neue Übernachtungsmodus kann die Innentemperatur nach Angaben des Herstellers bis zu 48 Stunden konstant halten. Über V2L lassen sich externe Geräte mit bis zu 2.000 Watt versorgen. Allerdings sollten deutsche Käufer genau auf das Modelljahr und die Ausstattung achten. Da ältere Fahrzeuge laut VW nicht über die erforderliche Hardware verfügen, lässt sich der Campingmodus nicht einfach per Softwareupdate ergänzen. Gerade auf dem Gebrauchtwagenmarkt kann dieser Unterschied für Interessenten entscheidend sein.
Der VW ID. Buzz bringt gute Voraussetzungen mit, um als elektrischer Camper genutzt zu werden. Die zuverlässige Klimatisierung, der vergleichsweise geringe Energieverbrauch während der Nacht und die Möglichkeit, externe Geräte mit Strom zu versorgen, sprechen für das Konzept.
Doch die Probleme mit der Alarmanlage, der Beleuchtung und der umständlichen Aktivierung des Campingmodus trüben den Gesamteindruck. Volkswagen hat eine nützliche Funktion nachgereicht, deren Integration noch nicht vollständig überzeugt. Wer den ID. Buzz regelmäßig zum Übernachten nutzen möchte, sollte den Campingmodus deshalb vor der ersten längeren Reise gründlich ausprobieren.


