Opel Frontera Electric: Fahrkomfort statt Geländetauglichkeit
Sport hält Körper und Geist gesund. Fragt man die Menschen in Slowenien nach ihren liebsten Freizeitsportarten, nennen die meisten Fußball, Basketball, Radfahren, Laufen, Tennis und Skifahren. Auch beim Autor steht eine dieser Sportarten einmal pro Woche auf dem Programm. Natürlich gibt es noch viele weitere gesunde Freizeitaktivitäten, darunter solche, die weniger Menschen begeistern. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.
Tauchen mit Pressluftflaschen beispielsweise. Dass diese Sportart in Slowenien weniger verbreitet ist, hat gute Gründe. Das Land bietet nur begrenzte Möglichkeiten, eine besonders vielfältige Unterwasserwelt zu erkunden. Wer zwischen Fischen und Korallen in allen Farben und Größen tauchen möchte, muss deshalb meist in ein Flugzeug steigen. Seit 30 Jahren gehören die Malediven zu den bevorzugten Reisezielen des Autors.
Ein Aquarium. Dieses Wort beschreibt das Tauchen im Indischen Ozean wohl am besten. Das zweite passende Wort lautet Stille. Unter Wasser kann sich der Geist erholen. Da Tauchen körperlich nicht besonders anstrengend sein muss, eignet es sich auch für etwas ältere Menschen. Doch die Aufforderung „Der Stille lauschen“ gilt nicht nur für die Unterwasserwelt. Sie könnte ebenso gut als Motto für Elektroautos dienen.
Wie angenehm das nahezu geräuschlose Fahren tatsächlich ist, hängt vor allem davon ab, wie gut die Entwickler ihre Arbeit erledigt haben. Der elektrisch angetriebene Opel Frontera blickt zwar auf eine lange Geschichte zurück, doch die beiden Generationen, die 1991 und 2024 auf den Markt kamen, haben nur wenig gemeinsam.
Der ursprüngliche Frontera war deutlich stärker auf den Geländeeinsatz ausgelegt. Er verfügte auch über einen Allradantrieb, den die aktuelle Generation nicht mehr bietet. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Der heutige Frontera ist nicht für anspruchsvolle Geländefahrten gedacht. Eine Erfahrung, die auch der Praxistest bestätigt.
Opel Frontera Electric: Reichweite bleibt die größte Schwäche
Bei einem Elektroauto dreht sich vieles um den Stromverbrauch und die daraus resultierende Reichweite. Auf diesem Gebiet kann der Frontera Electric allerdings nicht vollständig überzeugen. Der gemessene Durchschnittsverbrauch von 19,3 Kilowattstunden auf 100 Kilometer wäre bei einem Fahrzeug der nächsthöheren Größenklasse durchaus akzeptabel, zumal solche Modelle häufig über leistungsfähigere Batterien verfügen.
Beim Opel Frontera Electric beträgt die Batteriekapazität jedoch „nur“ 54 Kilowattstunden. Daraus ergibt sich im Praxistest eine tatsächliche Reichweite von rund 280 Kilometern.
Wer hauptsächlich auf Stadt- und Landstraßen unterwegs ist und Autobahnen meidet, kann allerdings bis zu 350 Kilometer erreichen. Das erhöht die Alltagstauglichkeit des elektrischen SUV spürbar.
Natürlich lassen sich mit dem Frontera auch längere Strecken zurücklegen. Dann gewinnt allerdings eine sorgfältige Routenplanung an Bedeutung. Wichtig ist dabei die maximale Ladeleistung von 100 Kilowatt. Für einen Ladevorgang nennt der Test eine Dauer von 26 Minuten. An einer gewöhnlichen Ladestation mit elf Kilowatt dauert das Laden gut fünf Stunden.
Der Elektromotor steht nicht unbedingt für Sportlichkeit. Mit seinen 113 PS beziehungsweise 83 Kilowatt bietet er jedoch ausreichend Leistung für die Anforderungen durchschnittlicher Autofahrer.
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 143 Kilometern pro Stunde. Für den Sprint von null auf 100 Kilometer pro Stunde benötigt der elektrische Frontera vergleichsweise lange 13 Sekunden.
Mehr Leistung wurde im Test allerdings nicht vermisst. Wesentlich wichtiger war, dass sich der Frontera angenehm und komfortabel fahren lässt. Und genau darin gehört er zu den besseren SUV seiner Fahrzeugklasse.
Der Fahrersitz bietet einen ausgesprochen hohen Komfort. Die erhöhte Sitzposition sorgt gleichzeitig für eine gute Übersicht über das Verkehrsgeschehen.
Die wichtigsten Funktionen lassen sich entweder über einen farbigen Touchscreen mit einer Diagonale von 25,4 Zentimetern beziehungsweise zehn Zoll oder über die Bedienelemente am Lenkrad steuern.
Für kleinere Gegenstände stehen zwei geschlossene Ablagefächer und mehrere zusätzliche Ablagemöglichkeiten zur Verfügung. Besonders praktisch sind außerdem die Parksensoren und die Rückfahrkamera. Sie erleichtern das Rangieren und helfen, die Karosserie auch in engen Straßen vor Beschädigungen zu schützen.
Opel Frontera GS: Viel Platz, aber wichtige Extras fehlen
Zu den typischen Käufern des Frontera dürften nach den Erfahrungen mit vergleichbaren Modellen vor allem Rentner und sportlich aktive Paare gehören. Anders ausgedrückt: Häufig werden wohl nicht mehr als zwei Personen gleichzeitig im Fahrzeug sitzen.
Eigentlich ist das schade. Denn auch auf der Rückbank bietet der Frontera erstaunlich viel Komfort. Die Platzverhältnisse vermitteln den Eindruck, als wäre das Auto deutlich länger als seine tatsächlichen 4,38 Meter.
Der Kofferraum verdient mit einem Volumen von 460 Litern ebenfalls eine gute Bewertung. Allerdings fällt er relativ flach aus und besitzt einen doppelten Boden. Ein Nachteil zeigt sich beim Umklappen der Rücksitze: Es entsteht keine vollständig ebene Ladefläche.
Nicht alle Eigenschaften des elektrischen Frontera verdienen jedoch Bestnoten. Obwohl das getestete Fahrzeug über die umfangreiche Ausstattungslinie GS verfügt, fehlten drei Komfortmerkmale.
An erster Stelle steht ein adaptiver Tempomat, der die Geschwindigkeit automatisch an vorausfahrende Fahrzeuge anpasst. Stattdessen gibt es lediglich eine herkömmliche Geschwindigkeitsregelanlage. Ein adaptiver Tempomat ist für die getestete Variante nicht einmal gegen Aufpreis erhältlich.
Zweitens wäre ein schlüsselloses Zugangssystem mit Startfunktion wünschenswert. Stattdessen muss der Fahrer den herkömmlichen Schlüssel ins Zündschloss stecken und drehen, um das Fahrzeug zu starten.
Drittens wäre eine elektrische Sitzverstellung angenehmer als die vorhandene mechanische Lösung.
Bleibt die entscheidende Frage, ob sich der Kauf lohnt. Noch vor einiger Zeit wäre die Antwort wahrscheinlich positiv ausgefallen. Inzwischen fällt die Entscheidung jedoch weniger eindeutig aus.
Für deutsche Autokäufer ist der Opel Frontera Electric ebenfalls interessant, vor allem wegen seines großzügigen Raumangebots, des hohen Fahrkomforts und seiner überschaubaren Abmessungen. Allerdings sollten Interessenten die begrenzte Reichweite und die tatsächliche Ladeleistung berücksichtigen. Auch die Ausstattung und der Kaufpreis müssen anhand der deutschen Modellvarianten beurteilt werden. Ein direkter Vergleich mit dem slowenischen Testpreis ist wegen unterschiedlicher Marktpreise und Förderbedingungen nicht sinnvoll.


