Technologie

Farizon V7E im Test: Chinas Angriff auf Europas Transporter

Europas Transporterhersteller bekommen Konkurrenz aus China. Der Farizon V7E will mit viel Ladefläche, moderner Technik und einem attraktiven Preis überzeugen. Doch ausgerechnet bei der Reichweite zeigt der elektrische Lieferwagen Schwächen. Der Praxistest offenbart, was der Herausforderer wirklich kann und warum er für deutsche Unternehmen trotzdem interessant sein könnte.
19.10.2026 11:03
Lesezeit: 10 min
Farizon V7E im Test: Chinas Angriff auf Europas Transporter
Viel Platz, leiser Antrieb, attraktiver Preis: Der Farizon V7E will Europas Hersteller ärgern. (Bild: Matej Štakul)

Farizon V7E: Chinesischer Elektrotransporter fordert europäische Hersteller heraus

Ein Lieferwagen hat keine Zeit für Ausreden. Morgens muss er zuverlässig starten und anschließend stundenlang von Adresse zu Adresse fahren, Pakete oder größere Warenladungen transportieren, durch Stadt- und Vorortstraßen navigieren und am Ende des Arbeitstages wieder zum Betriebshof zurückkehren. Ob er besonders leise fährt, einen großen Bildschirm besitzt oder beeindruckend beschleunigt, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Entscheidend ist, dass er seine Arbeit erledigt. Das berichten unsere Kollegen von Finance.si.

Genau deshalb ist der Farizon V7E ein interessantes Testfahrzeug. Der chinesische Elektrotransporter tritt in Europa in einem Marktsegment an, in dem die heimischen Hersteller jahrzehntelang nahezu uneingeschränkt dominierten. Jetzt bekommen sie zunehmend Konkurrenz aus China, die auch mit moderner Elektrotechnik überzeugen will.

Farizon gehört zum chinesischen Automobilkonzern Geely und ist in Europa bislang noch vergleichsweise unbekannt. Der V7E zählt zu den Modellen, mit denen der Hersteller im europäischen Markt für städtische Lieferfahrzeuge Fuß fassen möchte. Gerade hier erscheint ein elektrischer Antrieb besonders sinnvoll. Häufiges Anhalten und Anfahren, kurze Fahrstrecken und zahlreiche Lieferstopps prägen den Alltag. Für Dieselmotoren sind solche Einsatzbedingungen nicht unbedingt ideal.

Der V7E verspricht einen leiseren Betrieb, keine lokalen Abgasemissionen und vor allem niedrigere Betriebskosten. Doch bei einem Lieferwagen steht eine Frage über allen anderen: Reicht die Batterie tatsächlich für einen ganzen Arbeitstag? Die Antwort liefert der Praxistest auf der Straße, zwischen Ampeln, Kreuzungen, Parkmanövern und alltäglichen Transportaufgaben. Denn ein Elektrotransporter erfüllt seinen Zweck erst dann richtig, wenn sich der Fahrer am Ende des Arbeitstages keine Gedanken mehr über den Akkustand machen muss, sondern nur noch darüber, wie viele Pakete auszuliefern sind.

Batterie und Reichweite könnten großzügiger ausfallen

Beginnen wir mit der Batterie. Sie besitzt eine Kapazität von 66,7 Kilowattstunden. Das klingt zunächst nach einem großzügigen Energiespeicher und ist es auch. Trotzdem könnte ein Lieferwagen, der als echtes Arbeitstier eingesetzt wird, durchaus einige zusätzliche Kilowattstunden vertragen.

Laut technischen Daten soll der Farizon V7E durchschnittlich 22,4 Kilowattstunden auf 100 Kilometer verbrauchen und damit eine Reichweite von 328 Kilometern erreichen. Der Praxistest ergab allerdings einen etwas höheren Verbrauch von 23,8 Kilowattstunden auf 100 Kilometer. Entsprechend sank die tatsächliche Reichweite auf rund 280 Kilometer.

Das überrascht kaum. Schließlich wiegt der V7E selbst fast zwei Tonnen, während sein zulässiges Gesamtgewicht bei 3.150 Kilogramm liegt.

Wer den Farizon V7E ausschließlich auf Stadtstraßen einsetzt, dürfte mit einer Batterieladung durchaus über den gesamten Arbeitstag kommen. Bei längeren Fahrten sieht die Situation anders aus. Wer beispielsweise von Ljubljana in die slowenischen Regionen Steiermark oder Primorska fährt, wird unterwegs ohne einen Ladestopp kaum auskommen.

Dann gewinnt die Ladeleistung entscheidend an Bedeutung. Der chinesische Elektrotransporter erreicht an einer Schnellladestation eine maximale Ladeleistung von rund 100 Kilowatt. Damit lässt sich die Batterie innerhalb von ungefähr einer halben Stunde auf 80 Prozent laden. An einer herkömmlichen Ladestation mit elf Kilowatt Leistung dauert der Vorgang dagegen mehrere Stunden.

Farizon V7E bietet fast sieben Kubikmeter Ladevolumen

Mit einer Länge von 4,99 Metern gehört der Farizon V7E nicht zu den größten Transportern. Dennoch lassen bereits seine Außenabmessungen ein großzügiges Platzangebot vermuten. Tatsächlich bietet der Laderaum ein Volumen von 6,95 Kubikmetern. Er misst 2,73 Meter in der Länge, 1,69 Meter in der Breite und 1,43 Meter in der Höhe.

Eine Stehhöhe bietet der Frachtraum damit zwar nicht. Dennoch bleibt genügend Platz, um beim Be- und Entladen bequem mit anzupacken und Waren ordentlich zu verstauen. Besonders praktisch ist, dass sich im Laderaum sogar drei Europaletten unterbringen lassen.

Am Heck besitzt der V7E zwei nach außen öffnende Flügeltüren. Auf der rechten Fahrzeugseite befindet sich zusätzlich eine Schiebetür. Beide Zugangsmöglichkeiten erleichtern das Be- und Entladen erheblich, insbesondere bei häufigen Lieferstopps.

Elektrischer Antrieb bringt Ruhe in den Arbeitsalltag

Im Fahrerhaus bietet der chinesische Lieferwagen Platz für zwei Personen. Die beiden Vordersitze sind ausreichend bequem, um auch einen langen Arbeitstag hinter dem Steuer zu verbringen. Für den Fahrer ist außerdem angenehm, dass der Einstieg in die Kabine eher an einen Pkw als an einen klassischen Transporter erinnert. Auch das Cockpit präsentiert sich modern und unterscheidet sich damit deutlich von der eher zweckmäßigen Gestaltung älterer Lieferfahrzeuge.

Der Elektromotor leistet 110 Kilowatt beziehungsweise 150 PS. Die Höchstgeschwindigkeit ist auf 120 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Seine größten Vorteile zeigt der elektrische Antrieb beim Anfahren. Der Fahrer muss nicht warten, bis der Motor eine bestimmte Drehzahl erreicht. Auch Gangwechsel entfallen. Stattdessen reagiert der V7E unmittelbar auf den Druck des Fahrpedals.

Im Stadtverkehr ist der elektrische Lieferwagen angenehm leise. Gerade bei morgendlichen Zustellungen in Wohngebieten kann das ein größerer Vorteil sein, als zunächst vermutet.

Der V7E verursacht weder das typische Motorengeräusch eines Dieselfahrzeugs im Leerlauf noch dessen charakteristisches Geräusch beim Anfahren. Das macht sich nicht nur außerhalb des Fahrzeugs bemerkbar. Auch der Fahrer profitiert von der geringeren Geräuschbelastung. Nach mehreren Stunden im dichten Stadtverkehr ist die Ruhe im Fahrerhaus eine willkommene Abwechslung.

Farizon V7E: Ausstattung, Fahrkomfort und Preis

Der Farizon V7E verbindet Eigenschaften, die auf den ersten Blick aus unterschiedlichen Fahrzeugwelten stammen. Einerseits ist er ein durch und durch zweckmäßiges Nutzfahrzeug. Sein großer Laderaum, die Möglichkeit, drei Europaletten zu transportieren, und die alltagstaugliche Nutzlast machen ihn zu einem praktischen Lieferwagen. Andererseits bietet er Ausstattungsmerkmale, die eher an moderne elektrische Pkw erinnern. Dazu gehören der leise Antrieb, ein großer Bildschirm und das insgesamt komfortable Fahrverhalten.

Etwas Eingewöhnung verlangt allerdings das Fahren ohne klassischen Innenspiegel. Neben den großen Außenspiegeln hilft eine Rückfahrkamera mit 360-Grad-Rundumsicht. Zusätzliche Sensoren an Front und Heck unterstützen den Fahrer beim Rangieren.

Zur Serienausstattung gehört außerdem ein intelligenter Fahrzeugschlüssel, mit dem sich die Türen automatisch entriegeln und verriegeln lassen. Hinzu kommt ein aktiver Tempomat, der selbstständig beschleunigt, bremst und den Sicherheitsabstand zum vorausfahrenden Fahrzeug einhält. Für zusätzlichen Komfort sorgen beheizbare Sitze und ein beheizbares Lenkrad. Viele Fahrzeugfunktionen lassen sich über einen 12,3 Zoll großen Farb-Touchscreen mit einer Bildschirmdiagonale von 31,2 Zentimetern bedienen.

Der getestete Farizon V7E mit der größeren Batterie kostet auf dem slowenischen Markt 38.428 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Ohne Mehrwertsteuer liegt der Preis bei 31.490 Euro. Daneben bietet der Hersteller eine kleinere Batterievariante mit einer Kapazität von 50 Kilowattstunden an.

Was der Farizon V7E für den deutschen Markt bedeutet

Für deutsche Unternehmen, insbesondere Paketdienste, Handwerksbetriebe und städtische Lieferdienste, könnte der Farizon V7E eine interessante Alternative zu etablierten europäischen Transportern sein. Das gilt vor allem für Betriebe mit regelmäßig wiederkehrenden Touren, überschaubaren Tagesfahrleistungen und eigenen Lademöglichkeiten. In Deutschland ist die chinesische Nutzfahrzeugmarke inzwischen ebenfalls vertreten. Farizon stellte seine Modelle SV und V7E am 29. April 2026 in Frankfurt vor. Ende September meldete das Unternehmen den Vertriebsstart über seinen ersten deutschen Partner Endeavour Mobility aus München. Damit tritt der Hersteller nun auch hierzulande unmittelbar gegen die etablierten Anbieter elektrischer Nutzfahrzeuge an.

Entscheidend wird für deutsche Gewerbekunden allerdings nicht allein der Anschaffungspreis sein. Auch die tatsächliche Reichweite bei voller Beladung, die Ladeinfrastruktur, Wartungsmöglichkeiten und die Verfügbarkeit von Ersatzteilen bestimmen, ob sich der chinesische Elektrotransporter im täglichen Betrieb rechnet.

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