Finanzen

Tankrabatt dämpft Inflation - aber noch keine Entwarnung

Mit dem erneuten Tankrabatt ist die Inflationsrate in Deutschland deutlich gesunken. Doch eine Trendwende sehen Volkswirte nicht.
30.10.2026 15:08
Lesezeit: 2 min
Tankrabatt dämpft Inflation - aber noch keine Entwarnung
Um an der Tankstelle für etwas Entlastung zu sorgen, hatte die Bundesregierung trotz Kritik vieler Experten zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Tankrabatt auf den Weg gebracht. (Foto: dpa)

Tankrabatt dämpft Inflation - aber noch keine Entwarnung

Der Tankrabatt hat bei den Verbraucherpreisen in Deutschland im Oktober für deutliche Entlastung gesorgt. Die Inflationsrate fiel auf 2,8 Prozent nach 3,3 Prozent im September, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten errechnet hat.

"Dass die Inflation unter die Marke von 3 Prozent fällt, liegt vor allem am Tankrabatt", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Doch für eine Entwarnung sei es zu früh. Die massiv gestiegenen Energiepreise dürften schrittweise andere Güter und Dienstleistungen verteuern. "Um die Jahreswende wird die Inflation wohl wieder über 3 Prozent liegen."

Inflationsrate sinkt auf 2,8 Prozent im Oktober

Im Oktober mussten Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland zwar 12,2 Prozent mehr für Kraftstoffe und Haushaltsenergie zahlen als ein Jahr zuvor, wie die Statistiker mitteilten. Damit verlor der Preisauftrieb aber an Tempo nach knapp 15 Prozent im Vormonat.

Nahrungsmittel waren auch im Oktober 0,4 Prozent teuer als ein Jahr zuvor. Dienstleistungen, wozu unter anderem Pauschalreisen und Restaurantbesuche zählen, verteuerten sich um 2,5 Prozent und damit erneut weniger als in den Vormonaten.

"Dennoch keine große Freude bei Verbrauchern"

"Der Rückgang der Inflationsrate ist etwas stärker als erwartet", sagte Michael Heise, Chefökonom beim Vermögensverwalter HQ Trust. "Dennoch wird bei den Verbrauchern keine große Freude aufkommen, denn mit 2,8 Prozent liegt der Kaufkraftverlust immer noch auf sehr hohem Niveau." Sprit sei trotz Tankrabatt erheblich teuer als vor einem Jahr, das gelte ebenso für den Energieverbrauch insgesamt.

Kein schnelles Nachlassen der Inflation erwartet

Volkswirte erwarten, dass die Inflation vorerst erhöht bleibt: Der Konflikt zwischen den USA und Iran, der die Energiepreise seit Ende Februar treibt, ist weiter nicht gelöst. "Die Verteuerung von Energie dürfte trotz der befristeten Wiedereinführung des Tankrabatts für die Monate Oktober bis Dezember auf sehr hohem Niveau verbleiben", heißt es im Monatsbericht der Bundesbank.

Zudem könnten infolge des Energiepreisschocks nach und nach andere Preise anziehen, weil Transport und Lagerung teurer werden oder sich Rohstoffe verteuern. Je höher die Teuerungsrate, umso niedriger die Kaufkraft der Menschen: Sie können sich für einen Euro dann weniger leisten.

Neuer Tankrabatt trotz viel Kritik

Um an der Tankstelle für etwas Entlastung zu sorgen, hatte die Bundesregierung trotz Kritik vieler Experten zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Tankrabatt auf den Weg gebracht. Vom 1. Oktober bis Ende 2026 wird die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 14 Cent je Liter gesenkt. Mit Mehrwertsteuer ergibt sich nach Angaben der Koalition aus Union und SPD eine Entlastung von bis zu 17 Cent pro Liter.

Höhere Inflation belastet Kaufkraft der Menschen

Seit Monaten ist Energie Haupttreiber der Inflation - nicht nur in Deutschland. Im September war die Inflationsrate in Europas größter Volkswirtschaft auf den höchsten Stand seit Dezember 2023 geklettert. Auch im Euroraum wurde im September mit 3,8 Prozent der höchste Wert seit drei Jahren erreicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den Euroraum mittelfristig 2,0 Prozent Inflation an. Bei dieser Marke sieht die Notenbank ihr wichtigstes Ziel erfüllt: Für einen stabilen Euro zu sorgen und die Kaufkraft der Menschen zu erhalten.

Um den Preisauftrieb zu bremsen, hat die EZB im laufenden Jahr bereits zwei Mal die Leitzinsen angehoben. «Verändert sich die Lage nicht, wird die EZB im Dezember aller Voraussicht nach mit einer weiteren Zinsanhebung gegensteuern», meint Stephanie Schoenwald, Ökonomin bei KfW Research.

Nach Einschätzung der EZB müssen sich die Menschen im Euroraum bis mindestens 2027 auf eine erhöhte Inflation einstellen. Und auch für Deutschland rechnen führende Wirtschaftsforschungsinstitute damit, dass die Teuerung von 2,8 Prozent in diesem Jahr auf 3,2 Prozent 2027 steigt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold erlebt ein Comeback: Wie das MTS Money Transfer System Sicherheit und digitale Freiheit verbindet

Steigende Staatsverschuldung, Inflation und geopolitische Spannungen stärken die Bedeutung von Gold als Vermögenswert. Das MTS Money...

 

DWN
Finanzen
Finanzen Verwirrung bei Rentenzahlung: Wer das November-Geld bekommt – und wem ein Zahlungsstopp droht
30.10.2026

An diesem Freitag werden die gesetzlichen Renten überwiesen. Doch die Zahlung betrifft je nach Rentenbeginn unterschiedliche Monate. Für...

DWN
Finanzen
Finanzen Wenn Paris brennt, denkt man an Anlageratschläge, Straßen und Blut
30.10.2026

Kann ein brennendes Paris gute Nachrichten für Anleger bedeuten? Auf den ersten Blick klingt diese Frage zynisch. Doch an den...

DWN
Finanzen
Finanzen Tankrabatt dämpft Inflation - aber noch keine Entwarnung
30.10.2026

Mit dem erneuten Tankrabatt ist die Inflationsrate in Deutschland deutlich gesunken. Doch eine Trendwende sehen Volkswirte nicht.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das ist Russlands neuer Albtraum
30.10.2026

Das deutsche Verteidigungsunternehmen Helsing bringt zwei neue Luftabwehrraketen und ein KI-gestütztes Abwehrsystem auf den Markt. Ziel...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 49: Die Woche im Rückblick – KW 44
30.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Finanzen
Finanzen Silberpreis fällt zum Monatsende deutlich: Warum selbst ein Angebotsdefizit den Kurs nicht stützt
30.10.2026

Der Silberpreis steht zum Monatsende erneut unter Druck. Am Freitagmorgen rutschte der Kurs des Edelmetalls zeitweise nur rund 50,65...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Warum der Körper im Urlaub schlappmacht
30.10.2026

Der letzte Arbeitstag ist geschafft, der Urlaub beginnt – und plötzlich kommen Kopfschmerzen, Erschöpfung oder Infekte. Warum der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Audi rutscht fast in die roten Zahlen - Audi-Chef weiter unter Druck
30.10.2026

Die Krise trifft Autobauer Audi immer härter. Im dritten Quartal fahren die Ingolstädter nur noch einen vergleichsweise winzigen Gewinn...