Finanzen

Rohstoffkrise: Bergbau-Unternehmen geraten unter Druck

Lesezeit: 3 min
02.02.2016 23:16
Das Überangebot an Rohstoffen wie Öl, Kupfer und Stahl belastet die zahlreichen Minen weltweit. Rund zwei Drittel der Minenprojekte weisen explodierende Kosten auf. Die Branche wackelt und trotzdem werden neue Minen eröffnet und die Fördermengen erhöht. Doch Chinas Abschwung und die Währungsschwankungen könnten zur Zerreißprobe werden.
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Die Talfahrt der Rohstoffpreise geht weiter. Nach der Veröffentlichung des chinesischen Einkaufsmanager-Index fiel der Preis des Nordseeöls Brent Anfang der Woche auf 35,14 Dollar. Das US-Öl WTI verbilligte sich auf 32,78 Dollar. Der Index lag den elften Monat in Folge unter der 50-Punkte-Grenze, die Wachstum markiert. Auch Kupferpreise fielen um 1,1 Prozent und kosteten zwischenzeitlich nur mehr 4.513 Dollar pro Tonne.

Seit 2011 verlor der CRB-Index rund 25 Prozent. Der Index gilt als Rohstoffbarometer und beinhaltet 19 Futures auf Rohstoff wie etwa Öl, Gas, sowie Edel- und Industriemetalle. Überproduktion, China und Wechselkurs-Effekte spielen bei dieser Entwicklung eine große Rolle.

Der Abschwung in China hält unvermindert an. Mit einem BIP-Wachstum von 6,9 Prozent im vergangenen Jahr, war das chinesische Wachstum so schwach wie zuletzt vor 25 Jahren. China ist der weltgrößte Importeur von Rohstoffen. Doch Chinas Importe brachen 2015 um 14,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Die Exporte gingen um 2,8 Prozent zurück. Der Übergang Chinas von einer exportorientierten Wirtschaft hin zu einer konsumorientierten Wirtschaft wird das Wachstum des Landes auch in den kommenden Monaten schwächen. Darüber hinaus sind viele staatliche Unternehmen unrentabel und die Schulden des Landes engen die Eingriffsmöglichkeiten der Regierung ein.

Bei vielen Metallen beträgt der Anteil Chinas am Weltverbrauch mehr als 50 Prozent. „Nach Modellsimulationen reduziert sich das Wirtschaftswachstum in der übrigen Welt um rund 0,5 Prozentpunkte, wenn sich Chinas Wirtschaftswachstum um 3 Prozentpunkte verringert“, so Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel zu den Deutschen Wirtschafts Nachrichten.

Wie stark der Einfluss Chinas auf den Rohstoffmarkt ist, zeigt der Kupferhandel. 45 Prozent des weltweiten Kupfers gehen nach China. Doch nicht alles davon wird zur Weiterverarbeitung in der Autoindustrie oder in anderen Branchen verwendet. Schätzungen zufolge werden 70 Prozent des importierten Kupfers in China als so genanntes Phantom-Inventar genutzt. Unternehmen erhalten günstige Kredite mit vergleichsweise niedrigen Zinsen, um Kupfer ins Land einführen zu können. Und ein Großteileben dieses Kupfers wird dann als Sicherheit für einen größeren Bankkredit hinterlegt. Chinas Banken sitzen auf Kupferbeständen.

Die Kupferminenbetreiber haben dabei derzeit zwei Sorgen. Einerseits droht in China aufgrund der konjunkturellen Abschwächung und der Umbaumaßnahmen der Regierung eine Pleitewelle. Und andererseits haben die Wechselkursschwankungen immer häufiger Geschäfte mit dem Rohstoff gefährdet und Gewinne der chinesischen Unternehmen geschmälert. Die chinesischen Banken könnten bei der anhaltenden schlechteren Wirtschaftslage versuchen, die Kupferbestände auf den Markt zu werfen, um so zumindest an einen Teil ihres verliehenen Geldes zu kommen.

„Der Abschwung in China und in Brasilien, die schwache Erholung in den USA und die schwierigen Bedingungen in Europa, werden die Metallpreise weiter unter Druck setzen“, warnte die Ratingagentur Moody’s bereits im November. Die Agentur rechnet in diesem Jahr mit weiteren Schwierigkeiten für die Unternehmen, schlechtere Ratings werden erwartet. Moody’s zufolge gibt es kaum Hoffnung auf eine schnelle Erholung der Branche. Gleichzeitig werde aber die Nachfrage nach den Rohstoffen weiter steigen.

Trotz der aktuellen Lage wurden in den vergangenen zwei Jahren zahlreiche neue Minenprojekte gestartet. Mitte Januar lieferte MMG Ltd. Aus Peru seine ersten 10.000 Tonnen Kupfer nach China. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Australien, wird aber von der China Minmetals Corp geführt. Ab 2017 wollen 400.000 Tonnen Kupfer jedes Jahr die neue Mine verlassen. Weitere neue Minenprojekte Perus sollen in diesem Jahr die Produktion auf 2,8 Millionen Tonnen verdoppeln. Das würde Peru auf Rang zwei hinter Chile bringen.

Trotz schlechter Zahlen gab Anglo American bekannt, die Produktion zu erhöhen und gleichzeitig aber Kosten durch Entlassungen zu sparen. Die Produktion des Unternehmens war im vergangenen Jahr stark gefallen. Nach Glencore lieferte Anglo American im vergangenen Jahr die zweitschlechteste Performance am FTSE 100. Das Unternehmen hat mehr als 75 Prozent seines Wertes verloren. Der weltweit größte Produzent von Kaliumchlorid, Potash Corp aus Kanada, vermeldete einen Rückgang des Gewinns um 50 Prozent im vierten Quartal.

Viele der neuen Minenprojekte geraten zunehmend in Bedrängnis. Eine aktuelle Analyse von Ernst & Young kommt zu dem Schluss, dass von 108 Minenprojekten 62 Prozent das Budget überschritten haben (Ende 2014), unrentabel sind. Hohe Personalkosten, Währungsschwankungen und  logistische Herausforderungen sind nur ein paar Faktoren, die dazu geführt haben. Der Abschwung in China wird hier zu weiteren Problemen bei den Investoren und den Bergbau-Unternehmen führen.

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