Weltwirtschaft

Russland und Saudi-Arabien schmieden Allianz für Öl-Preis

Lesezeit: 3 min
03.06.2017 00:34
Russland und Saudi-Arabien wollen eine Allianz bilden, um den Verfall des Ölpreises zu stoppen.

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In der vergangenen Woche fand ein Treffen zwischen dem Rosneft-Chef Igor Sechin und Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser statt. Sechin und Nasser sprachen über Kooperationsmöglichkeiten in Asien, Indonesien, Indien, sowie in anderen Märkten. Eine energiepolitische Kooperation zwischen Russland und Saudi-Arabien wäre – wenn sie stattfindet – beispiellos, so der englischsprachige Dienst von Reuters. Konkrete Gesprächsinhalte wurden nicht veröffentlicht. Die sich anbahnende Kooperation zwischen beiden Ländern wird von Öl-Konsumenten genau beobachtet, da sich diese bisher auf die Rivalität zwischen den beide Energieproduzenten verlassen hatten. Bis zum vergangenen Jahr hatten Russland und Saudi-Arabien keinerlei Kontakte, um Absprachen auf dem Öl-Markt zu treffen. Auch während des Fracking-Booms in den USA Mitte 2014, der den Ölpreisverfall beflügelte, kam es zu keiner Annäherung, zumal Sechin sich durchgehend gegen eine Drosselung der Öl-Produktion aussprach.

Die Rivalität zwischen Rosneft und Aramco wurde offenkundig, als Rosneft im vergangenen Jahr den indischen Öl-Riesen Essar kaufte. Auch Aramco hatte ein Interesse an Essar, doch Rosneft überbot Aramco und erweiterte somit seinen Anteil auf dem Öl-Markt.

Trotzdem einigten sich Aramco und Rosneft im Dezember 2017 auf eine Drosselung ihres Öl-Outputs. „Es ist eine neue Achse der Liebe“, so ein hochrangiger Energiebeamter vom Golf.

Am 30. Mai 2017 traf sich der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau. „Das Wichtigste ist, dass es uns gelungen ist, eine solide Grundlage für die Stabilisierung der Ölmärkte und der Energiepreise zu schaffen“, sagte Bin Salman über das Treffen. Putin sagte, dass beide Länder zusammenarbeiten würden, um eine „schwierige Situation“ zu lösen. Das Verhältnis zwischen Riad und Moskau war nicht immer positiv. Im Dezember 2014 konnten sich Russland und Saudi-Arabien nicht auf eine Förderkürzung einigen. Sechin fügte eine provokante Aussage hinzu und sagte, dass Russland vorhabe, seine Förderung zu erhöhen, auch wenn der Ölpreis bei 20 Dollar pro Barrel liege. Der damalige saudische Ölminister Ali al-Naimi reagierte mit der Aussage, dass Russlands Öl-Produktion dann alsbald zusammenbrechen werde. Es war eine Zeit der Provokationen, die offenbar vorbei ist.

Die jüngste Annäherung hat einen pragmatischen Grund. Als der Ölpreis zusammenbrach, wurden beide Volkswirtschaften nach Jahren der hohen staatlichen Ausgaben in ein Defizit getrieben. Die Erholung hat erst vor kurzem eingesetzt. Russland wird im Frühjahr 2018 die nächste Präsidentschaftswahl abhalten und Prinz Mohammed hat sich verpflichtet, die saudische Wirtschaft zu reformieren. Keines der beiden Länder kann sich einen weiteren Ölpreisschock leisten.

Der neue saudische Öl-Minister Khalid al-Falih genießt viel Vertrauen bei den Russen. „Wenn Minister Falih etwas sagt, weiß ich, dass es geschehen wird“, sagte der russische Energieminister Alexander Novak in der vergangenen Woche in Wien, nachdem Russland und die OPEC dafür stimmten, ihre Produktionskürzungen zu verlängern. Der frühere saudische Öl-Minister Ali al-Naimi war hingegen bei den Russen unbeliebt und galt als nicht vertrauenswürdig.

Novak plant, gemeinsam mit Al-Falih eine Reise in die Arktis durchzuführen, um den Saudis die dortigen Bohrungen vor Augen zu führen. Zuvor hatte Al-Falih gemeinsam mit Novak eine Reise in die saudische Wüste unternommen, um Novak über die dortigen Öl-Operationen zu informieren. „Im vergangenen Jahr hatte uns Minister Al-Falih in die Wüste gebracht – wir wollen ihm nun eine Eiswüste zeigen“, so Novak.

Am vergangenen Dienstag erklärten Al-Falih und Novak, dass sie alles tun werden, um den Öl-Markt zu stabilisieren. „Sowohl Russland als auch die Golfstaaten interessieren sich für irgendeine Art von Ölpreisstabilisierung und sie hoffen, dass sie dies erreichen können, ohne massive Kürzungen vorzunehmen – wie in den 1980er Jahren“, so Paul Simons, Vize-Chef der internationalen Energieagentur EIA.

Allerdings möchten Al-Falih und Novak die Nicht-OPEC-Staaten in den Plan zur Stabilisierung des Ölpreises einbeziehen. „Es ist notwendig, neue Rahmenprinzipien für die weitere Zusammenarbeit zwischen der OPEC und Nicht-OPEC-Staaten – auch nach Ablauf der Wiener Vereinbarungen – zu erarbeiten“, so Novak.

Russland sucht seit längerem ein grundsätzliches Einverständnis mit Saudi-Arabien am Ölmarkt, um die Preise für Rohöl langfristig zu stützen. Der Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin, äußerte sich dahingehend kürzlich in Berlin. Ziel sei es, eine gewisse Kooperation auch nach dem Ende der von Russland und den Opec-Staaten vereinbarten Förderkürzung aufrecht zu erhalten. Erst kürzlich hatten beide Staaten ihren Wunsch bekräftigt, die Förderbeschränkung bis März kommenden Jahres zu verlängern.

Setschin sagte, dass ein „schonender Übergang“ notwendig sei, wenn die Förderkürzungen auslaufen, damit die „Märkte nicht leiden“ und damit „dramatische Konsequenzen und eine ‚Force Majeure‘-Situation“ abgewendet werden kann, zitiert ihn die Financial Times. Setschin geht es also darum, gewisse Absprachen zwischen Russland und Saudi-Arabien – den beiden weltgrößten Ölproduzenten – beizubehalten, um zu verhindern, dass zu große Mengen an Rohöl nach Ende der Förderbeschränkung auf den Markt fließen und die Notierungen in Mitleidenschaft ziehen.

Die Förderbeschränkung trat Anfang des Jahres in Kraft und soll zu einer Einsparung von täglich 1,8 Millionen Barrel (159 Liter) Rohöl führen, um den seit 2014 anhaltenden Preisverfall zu stoppen. Die Abmachung hatte tatsächlich dazu geführt, dass sich die Notierungen leicht erholten. Weil jedoch noch immer ein globales Überangebot besteht und amerikanische Hersteller ihre Produktion hochgefahren haben, bleiben die Aussichten auf eine grundlegende Erholung ungewiss.

Setschin galt lange Zeit als Befürworter einer eigenen russischen Strategie auf dem Ölmarkt, scheint aber zu der Einsicht gekommen zu sein, dass die Preise nur durch eine Zusammenarbeit mit anderen Förderstaaten langfristig wieder steigen können. Beide Länder sind in geostrategischer Hinsicht Rivalen – beispielsweise unterstützt Russland den syrischen Präsidenten Baschar al Assad, während Saudi-Arabien dessen Sturz anstrebt.


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