Finanzen

Trump eröffnet Handelskrieg mit Ermittlungen gegen China

Lesezeit: 2 min
29.11.2017 17:08
Die US-Regierung hat Ermittlungen zu chinesischen Aluminiumimporten eingeleitet.
Trump eröffnet Handelskrieg mit Ermittlungen gegen China

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

+++Werbung+++

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

Die seit Monaten schwelenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China eskalieren. Wie die Financial Times berichtet, hat die US-Regierung am Dienstag Ermittlungen wegen mutmaßlichen Preis-Dumpings sowie wegen angeblicher staatlicher Subventionen bei chinesischen Aluminiumimporten angekündigt.

Der Schritt ist bemerkenswert, weil das Handelsministerium die Untersuchung zum ersten Mal seit Jahrzehnten auf eigene Initiative und nicht auf Bitte eines US-Unternehmens einleitete. Die Chinesen fassen das Vorgehen als Akt der Aggression auf.

Die Regierung in Peking reagierte auf die US-Ermittlungen mit scharfer Kritik. Solch ein Verhalten sei „extrem selten in der Geschichte des internationalen Handels“, erklärte das chinesische Handelsministerium. China bringe daher seine „große Unzufriedenheit mit der Tendenz zum Handelsprotektionismus“ zum Ausdruck, den die Vereinigten Staaten zeigten, hieß es. China werde die „notwendigen Maßnahmen ergreifen, um seine Rechte und die legitimen Interessen seiner Unternehmen zu schützen“.

„Präsident Trump hat vom ersten Tag an klargemacht, dass unfaire Handelspraktiken unter seiner Regierung nicht toleriert werden. Er versprach den amerikanischen Unternehmen, Arbeitern und Landwirten, dass er unsere Handelsgesetze rigoros durchsetzen werde. Die heutigen Maßnahmen zeigen, dass wir gewillt sind, dieses Versprechen einzulösen“, wird der amerikanische Handelsminister Wilbur Ross von der FT zitiert.

Beobachter rechnen damit, dass China die Ermittlungen als unfreundlichen Akt einstufen und wahrscheinlich darauf mit eigenen Maßnahmen reagieren werde. Der Ausbruch eines heißen Handelskrieges könne die Folge davon sein. Der Politikwissenschaftler Graham Allison glaubt, dass die Androhung eines Handelskrieges für Präsident Donald Trump Teil seiner Verhandlungsstrategie mit China im Nordkorea-Konflikt ist. Die Drohungen sollen dazu führen, dass China mehr Druck auf Nordkorea ausübt.

Sollte sich China in dieser Frage „nicht in den kommenden Wochen“ bewegen, würden die USA „zu einem frühen Zeitpunkt im neuen Jahr“ Strafmaßnahmen ergreifen, sagte Allison zur South China Morning Post. „Wenn die Trump-Administration diese einseitigen Maßnahmen trifft, dann hat die chinesische Seite für diesen Fall schon Gegenmaßnahmen angekündigt. Also könnten wir uns in etwa 6 Monaten in einem Handelskrieg wiederfinden, der für beide Länder sehr schädlich wäre.“

„Während Ermittlungen zu Dumpingpreisen zum normalen Prozedere gehören, sendet eine Regierung, die die Ermittlungen selbst anstößt, ein aggressives Signal, dass sie bereit ist, protektionistische Importbeschränkungen einzuführen“, sagt ein von der FT zitierter Analyst des Peterson Institute for International Economics. „Die Trump-Administration wartet nicht einfach, bis sich ein Unternehmen bei ihr beschwert, sondern sie zeigen Interesse an Protektionismus, selbst wenn das einige US-Unternehmen nicht wollen.“

Der Kongress berät zudem über ein Gesetz, dass die Überwachung ausländischer Direktinvestitionen in den USA ausweiten soll. Dabei geht es den Amerikanern in erster Linie um chinesische Beteiligungen an Unternehmen, die als relevant für die nationale Sicherheit eingestuft werden.

Einige Interessengruppen hatten Trump ist in den vergangenen Monaten dafür kritisiert, dass er China immer noch nicht als Währungs-Manipulator gebrandmarkt habe – wie er es während des Wahlkampfes versprochen hatte. Die Ermittlungen wurden nur wenige Wochen nach Trumps Asienreise eingeleitet, bei der beide Regierungen in Peking auf einvernehmliche Bilder und kooperative Töne gesetzt hatten.

Im vergangenen Jahr importierten die USA Aluminiumbleche im Wert von fast 604 Millionen Dollar (509 Millionen Euro) aus China. Sie werden unter anderem in der Baubranche und zur Herstellung von Transportmitteln und Geräten verwendet.

Die USA sind der zweitgrößte Handelspartner Chinas nach der Europäischen Union. Die Kritik aus Washington an chinesischen Handelspraktiken ist nicht neu, erreichte unter Trump aber einen Höhepunkt. Der US-Präsident hat sich wiederholt für einen Kurs der wirtschaftlichen Abschottung stark gemacht und verspricht, durch die Globalisierung verloren gegangene Industriejobs wieder zurückzuholen.

Unter seiner Regierung wurden bislang 65 Prozent mehr Untersuchungen zu mutmaßlich unfairen Handelspraktiken eingeleitet als im letzten Jahr der Regierung von Trumps Vorgänger Barack Obama. Das letzte Mal, dass das Handelsministerium auf eigene Initiative eine Untersuchung zu Kompensationszöllen einleitete war 1991. Damals ging es um Nutzholz von Nadelbäumen aus Kanada – ein Streit der bis heute andauert. Die letzte vom Handelsministerium selbst initiierte Untersuchung zu möglichem Preisdumping befasste sich 1985 mit Halbleitern aus Japan.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Europäische Handelskammer warnt vor wirtschaftlicher Abkopplung des Westens von China

Die Europäische Handelskammer in China warnt vor den Folgen einer wirtschaftlichen Abkopplung der USA von China. Europäische Unternehmen...

DWN
Politik
Politik Offizieller Kindesmissbrauch in Kitas? Merkel-Regierung will kein bundesweites Verbot von „Original Play“

Die Bundesregierung will angeblich die Rechte von Kindern stärken und hat dafür eine Änderung des Grundgesetzes auf den Weg gebracht....

DWN
Finanzen
Finanzen Corona 2020: US-Bank Morgan Stanley mit bestem Jahr ihrer Geschichte

Die US-Bank Morgan Stanley hat im vergangenen Jahr ihr bestes Jahr ihrer Geschichte verzeichnet. Eine wichtige Rolle spielte dabei das...

DWN
Finanzen
Finanzen DWN-ANALYSE: Die Deutsche Bank warnt vor einer Öko-Diktatur in Europa

Analysten der Deutschen Bank kritisieren die „unehrliche Debatte“, mit der die EU den Völkern Europas ihren „Green Deal“ verkauft,...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin: Lohnt sich der Einstieg noch oder ist es zu spät?

Wer in Bitcoin investieren will, braucht aufgrund der extremen Kurssprünge starke Nerven. Wer dafür bereit ist, erfährt hier, wie in...

DWN
Politik
Politik Nach Todesfällen in Norwegen: China fordert Streichung des Impfstoffs von Pfizer und BioNTec

China fordert, dass der Corona-Impfstoff von BioNTec/Pfizer weltweit gestrichen wird. Zuvor waren 23 Personen in Norwegen nach einer...

DWN
Politik
Politik Die Welt tritt ein in die Phase des Propaganda-Kriegs um Impfstoffe

Egal, ob man Impfstoffe befürwortet oder nicht, muss gesagt werden: Derzeit läuft eine Kampagne gegen den deutsch-amerikanischen...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Netflix knackt Marke von 200 Millionen Nutzern – Aktie auf Höhenflug

Netflix wird von der Konkurrenz gejagt, doch der Pionier des Online-Fernsehens bleibt auf Erfolgskurs. Dank des Streaming-Booms in der...

DWN
Deutschland
Deutschland Steinmeier verkündete im April 2020: „Wir werden einiges von dem gemeinsam erarbeiteten Wohlstand preisgeben“

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilte im vergangenen Jahr in einer Videobotschaft mit, dass die Deutschen aufgrund der...

DWN
Politik
Politik Maas über Trump: „Natürlich. Ich bin auch froh, dass er weg ist“

Bundesaußenminister Heiko Mass hat im Gespräch mit „Bild Live“ über Trump gesagt: „Natürlich. ich bin auch froh, dass er weg...

DWN
Politik
Politik Aus Liebe zu China: Merkel übergeht Deutschlands EU-Partner

Mit Angela Merkels pro-chinesischem Kurs sind mehrere EU-Staaten unzufrieden, zumal sie befürchten, dass China nach der Pandemie...

DWN
Deutschland
Deutschland Online-Apotheken erleben Boom während der Pandemie

Online-Apotheken erleben während der Pandemie einen Boom. Das beflügelt auch die Aktienkurse von diversen Online-Apotheken-Firmen.

DWN
Deutschland
Deutschland Hoteliers am Ende: „Ein Zurück zu 2019 wird es nicht geben“

Messen sind abgesagt, Veranstaltungen finden online statt. Die Corona-Pandemie schränkt Geschäftsreisen massiv ein. Manche Firmen werden...

DWN
Finanzen
Finanzen Dax: Corona-Verschärfungen lassen Anleger nur mit den Achseln zucken

Das deutsche Leitbarometer legt zu - der verschärften Maßnahmen zum Trotz. Der wichtigste Termin ist heute Abend die Inthronisierung von...