Politik

Thüringen-Wahl: Fragen nach den finanziellen Belastungen des Klimapakets

Der SPD-Spitzenkandidat in Thüringen, Wolfgang Tiefensee, warnt zwei Tage vor der Wahl vor zu großen finanziellen Belastungen durch das Klimapaket. Er befürchtet, dass Geringverdiener die Hauptlasten tragen werden.
25.10.2019 10:50
Aktualisiert: 25.10.2019 10:58
Lesezeit: 2 min
Thüringen-Wahl: Fragen nach den finanziellen Belastungen des Klimapakets
SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Tiefensee. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Willnow

Zwei Tage vor der Landtagswahl in Thüringen hat SPD-Spitzenkandidat Wolfgang Tiefensee beim Klimaschutz vor zu großen Belastungen für die Bürger gewarnt. „Natürlich muss der Klimawandel so eingeordnet werden, dass der Pendler noch mit seinem Auto fahren kann, dass der Mieter, der die Heizung nicht umstellen kann, dass der nicht belastet wird“, sagte Thüringens Wirtschaftsminister am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Seine Sorge sei, dass „wieder die zur Kasse gebeten werden, die das schmale Portemonnaie haben“.

Diese Befürchtung Tiefensees könnte durchaus zutreffen – zumindest, wenn man einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Glauben schenken möchte. Demzufolge belastet das Klimapaket vor allem private Haushalte mit niedrigen Einkommen.

Insgesamt belasteten die Maßnahmen des Klimaschutzprogramms die privaten Haushalte im Durchschnitt um 0,7 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens, so das DIW. In den unteren Einkommensgruppen aber könnten die durchschnittlichen Belastungen auf über ein Prozent des Haushaltsnettoeinkommens steigen, in Einzelfällen noch ungleich stärker. Das oberste Zehntel der Haushalte dagegen habe nur eine Mehrbelastung von durchschnittlich 0,4 Prozent des Nettoeinkommens zu erwarten.

Das Institut fordert, Geringverdiener sollten stärker entlastet werden. "Das jetzige Klimapaket ist aus verteilungspolitischer Sicht sozial ungerecht und es erfüllt die Klimaziele nicht", sagte die Co-Autorin der Studie, DIW-Klimaexpertin Claudia Kemfert, der ARD.

In der Untersuchung wurden laut DIW weitere geplante Maßnahmen der Bundesregierung nicht berücksichtigt, wie etwa die Erhöhung des Wohngeldes. Aufgrund des geringen Personenkreises, der von diesen Maßnahmen betroffen sei, gehen die Ökonomen statistisch von keinem großen Effekt aus. Auch die Verteilungswirkung von Förderungen, etwa für Elektromobilität oder für die Gebäudesanierung, seien nicht einbezogen worden.

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer sagte mit Blick auf die DIW-Untersuchung: "Das Klimapaket der Bundesregierung ist auch ein sozialpolitischer Flop." Geringverdiener seien die eindeutigen Verlierer. "Kanzlerin Merkel sollte die klimapolitische Notbremse für einen grundsätzlichen Neustart in der Klimapolitik auf marktwirtschaftlicher Basis ziehen. Nur dann kann ein Klimakonsens gelingen und die weitere Spaltung der Gesellschaft verhindert werden."

Die Grünen-Klimapolitikerin Lisa Badum kritisierte: "Die Bundesregierung verzapft einen ökologisch komplett unwirksamen CO2-Preis und belastet zu allem Überfluss mit ihrem Versagen besonders die ärmsten Haushalte. Die beschlossenen Entlastungen sind dabei nur ein Tropfen auf den heißen Stein und helfen den betroffenen Haushalten praktisch gar nicht."

Im Bundestag werden am Freitag wichtige Bausteine des Klimapakets der schwarz-roten Koalition erstmals offiziell diskutiert. Dabei wird es unter anderem um höhere Steuern auf Flugtickets und eine höhere Pendlerpauschale gehen. Auch Steuerermäßigungen für die energetische Gebäudesanierung stehen auf der Tagesordnung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI beschleunigt Stellenabbau: Diese Branchen geraten unter Druck
27.02.2026

Weltweit treiben Unternehmen den Ausbau von Künstlicher Intelligenz voran und richten ihre Investitionsstrategien neu aus. Welche Folgen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Nvidias steiler Kurssturz drückte den Technologiesektor ins Rote
26.02.2026

Trotz der hervorragenden Finanzergebnisse des KI-Riesen Nvidia konnte das Unternehmen die Investoren nicht ausreichend überzeugen. Dies...

DWN
Politik
Politik EU-Klimazoll: CO2-Zoll soll auch für Waschmaschinen und andere Waren kommen
26.02.2026

Künftig sollen 180 Industrieprodukte, darunter auch Haushaltswaren, unter den EU-CO2-Zoll fallen. Was die Kommission damit erreichen will.

DWN
Politik
Politik Bundeswehr bekommt Kamikaze-Drohen: Stärkung der Nato-Ostflanke
26.02.2026

Deutschland stellt 540 Millionen Euro für Kamikaze-Drohnen bereit und stärkt damit gezielt die militärische Präsenz an der...

DWN
Politik
Politik AfD: Verwaltungsgericht Köln stoppt die vorläufige Einstufung der AfD als rechtsextrem
26.02.2026

Die AfD hat vor dem Verwaltungsgericht Köln mit einem Eilantrag einen Erfolg erzielt: Der Verfassungsschutz darf sie vorerst nicht als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KMU unter Druck: Deutscher Mittelstand leidet unter Konkurrenz aus China
26.02.2026

Einst brachte China deutschen Unternehmen glänzende Geschäfte, heute wächst der Druck aus Fernost. Einen harten Wettbewerb mit China...

DWN
Politik
Politik Epstein-Skandal: Chef des Weltwirtschaftsforums tritt zurück
26.02.2026

Der frühere norwegische Außenminister, Børge Brende, legt sein Amt als Präsident des WEF nieder. Was ist über seine Verbindungen zum...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Verlust 2025: Erneut keine Überweisung an die Bundesbank
26.02.2026

Die Zinspolitik der Euro-Währungshüter hinterlässt seit Jahren Spuren in der Bilanz der Europäischen Zentralbank. Über zehn Milliarden...