Politik

EU-Ratsvorsitz: Kroatien will Geburtenrückgang in Europa umkehren

Kroatien hat den EU-Ratsvorsitz inne. Das Land will den drastischen Geburtenrückgang in Europa eindämmen. Ungarns Premier Orban plädiert für “Fruchtbarkeitskliniken”.
10.01.2020 16:00
Aktualisiert: 10.01.2020 16:11
Lesezeit: 1 min

Der kroatische Ministerpräsident Andrej Plenkovic hat beschlossen, den Bevölkerungsrückgang an die Spitze seiner Tagesordnung zu setzen. Kroatien hat kürzlich die EU-Präsidentschaft übernommen.

Wie er den Financial Times im Dezember 2019 mitteilte, handelt es sich um ein existenzielles Thema für viele EU-Mitgliedstaaten - insbesondere für diejenigen im Osten und Südosten der EU, die mit niedrigen Geburtenraten und der Auswanderung in reichere Länder zu kämpfen haben, was durch die EU-Freizügigkeit gefördert wird. Die Zahl der Bewohner Kroatiens könnte nach UN-Angaben bis 2050 um 17 Prozent sinken. “Das ist ein strukturelles, nahezu existenzielles Problem”, so Plenkovic.

Nach Angaben von Eurostat waren die größten Geburtenrückgänge im Jahr 2018 in Lettland, Bulgarien, Kroatien, Rumänien und Litauen zu verzeichnen, und die EU-Staaten stehen bis 2050 an der Spitze der Liste der Bevölkerungsrückgänge UN.

Kroatien möchte die EU-Mechanismen prüfen lassen, um Möglichkeiten zur Umkehrung dieses Trends zu erörtern.

Laut Liam Patuzzi, Analyst am Migration Policy Institute, müssen Länder, die mit schrumpfenden Bevölkerungsgruppen konfrontiert sind, die Einwanderung in Betracht ziehen, um Qualifikationslücken zu schließen und Steuereinnahmen zu steigern. Einwanderung ist keineswegs ein Allheilmittel, wenn es um strukturelle Probleme wie sinkende Geburtenraten geht, betont Patuzzi.

In Ungarn hat Viktor Orban erklärt, dass er Fruchtbarkeitskliniken als “strategischen” Sektor bezeichnet, um die Geburtenraten zu erhöhen, ohne die Einwanderung zu steigern.

Für Mittel- und Osteuropa könnten EU-Kohäsionsfonds die Wirtschaftsleistung anheben und jüngere Einwohner davon abhalten, nach Westen zu ziehen. Kroatien fordert die EU auf, eine Reihe von familienfreundlichen Maßnahmen abzuwägen, einschließlich einer großzügigeren Unterstützung der Eltern.

In Europa - demografisch derzeit der älteste Kontinent - sowie in Nordamerika geht die Alterung laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) in den kommenden Jahren auf hohem Niveau weiter: Während heute fast jeder fünfte Europäer der Generation “65 plus” (19 Prozent) angehört, ist es 2050 bereits mehr als jeder Vierte (28 Prozent). Anders die Situation in Afrika, wo der Anteil alter Menschen lediglich um zwei Punkte auf sechs Prozent ansteigt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

DWN
Finanzen
Finanzen Renk-Aktie: Dividende und Ausblick unter Druck
05.03.2026

Die Renk-Aktie schwankt weiter trotz Rekordumsätzen und stabiler Dividende. Analysten sehen Chancen für Investoren in einem geopolitisch...

DWN
Politik
Politik Putin-Gas: EU wird der Hahn abgedreht, Russland prüft vorzeitiges Embargo
05.03.2026

Putin erwägt, Gaslieferungen an die EU vorzeitig zu stoppen. Ein solches Vorgehen könnte die Energiepreise massiv anheizen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Überverantwortung im Job: Wenn Engagement zur Dauerbelastung wird – diese Lösungen gibt es
05.03.2026

Überverantwortung im Job gilt oft als Tugend: engagiert, gewissenhaft, verlässlich. Doch wer dauerhaft mehr trägt, als eigentlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und KI: Warum Maschinen die Cyberdevise bevorzugen
05.03.2026

Bitcoin behauptet sich als bevorzugtes Geld der Künstlichen Intelligenz – Fiatgeld verliert deutlich. Die Studie des BPI offenbart,...

DWN
Finanzen
Finanzen Bundesbank macht Verlust von 8,6 Milliarden Euro
05.03.2026

Die Bundesbank schreibt erneut Milliardenverluste, eine Auszahlung an den Bund bleibt aus. Die Geldpolitik der EZB hinterlässt tiefe...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Auswirkungen auf Russlands Krieg in der Ukraine
05.03.2026

Der Iran-Krieg überschattet den Ukraine-Konflikt und verunsichert Kiew wie Moskau. Besonders Waffenlieferungen und Drohnenstrategien...

DWN
Finanzen
Finanzen Merck-Aktie und US-Geschäft: Währungsprobleme und Generika belasten Ergebnis
05.03.2026

Die Merck-Aktie gerät unter Druck: Schwacher Dollar und Generika bremsen das Wachstum. Anleger müssen sich auf sinkende Gewinne und...

DWN
Politik
Politik China: Niedrigstes Wachstumsziel seit mehr als drei Jahrzehnten
05.03.2026

Chinas Wirtschaft verliert an Tempo – und die Führung in Peking senkt erstmals seit Jahrzehnten ihre Erwartungen. Das neue Wachstumsziel...