NATO-Truppenabzug erhöht Druck auf Europas Verteidigung
Washington hat seine Verbündeten darüber informiert, dass die USA die Zahl strategischer Bomber, Kampfjets, Drohnen, U-Boote und Kriegsschiffe für die NATO schrittweise reduzieren wollen. Damit erhöht die Regierung von US-Präsident Donald Trump den Druck auf Europa, mehr Geld in die eigene Verteidigung zu investieren. Das berichten unsere Kollegen von Verslo žinios.
Nach Angaben von "Politico" erklärte Pentagon-Berater Alexander Velez-Green diese Linie kürzlich bei einem nicht öffentlichen Treffen der politischen Direktoren der NATO. Das Medium beruft sich dabei auf zwei Diplomaten des Bündnisses, die anonym bleiben wollten.
USA nennen noch keinen Zeitplan für den NATO-Truppenabzug
Nach Angaben der Diplomaten steht das genaue Ausmaß der Reduzierung noch nicht endgültig fest. Die USA hätten außerdem keinen Zeitplan vorgelegt, wann die entsprechenden Fähigkeiten zurückgefahren werden sollen. Washington habe den Verbündeten zugleich zugesichert, dass es bei der nuklearen Abschreckung keine Änderungen geben werde.
Bei dem Treffen seien "keine ausführlichen Details" genannt worden, sagte ein dritter NATO-Diplomat, der ebenfalls anonym sprach. Dennoch sei nun vieles klarer. "Alles hängt davon ab, ob andere in der Lage sind, Alternativen anzubieten. Einige Fähigkeiten bleiben unangetastet, andere werden vollständig aufgegeben, von weiteren könnte die Hälfte oder ein Drittel bleiben." Die Frage des Zeitpunkts sei komplizierter, da sie unmittelbar mit der Glaubwürdigkeit von Abschreckung und Verteidigung verbunden sei, erklärten die Diplomaten. Auch innerhalb der USA sei noch nicht alles endgültig entschieden.
NATO-Truppenabzug stellt Deutschland vor neue sicherheitspolitische Fragen
Die europäischen Verbündeten und die USA dürften das Thema im kommenden Monat bei der NATO-Konferenz zur Streitkräftegenerierung weiter beraten. Bei diesem Treffen legen nationale Militärplaner fest, welche Fähigkeiten ihre Länder dem Bündnis unter welchen Bedingungen zur Verfügung stellen können. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte zuvor beschlossen, die Stationierung von Tausenden US-Soldaten in Polen und Deutschland zurückzunehmen. In der vergangenen Woche erklärte Trump jedoch in sozialen Netzwerken, die Vereinigten Staaten würden 5.000 Soldaten nach Polen entsenden.
Für Deutschland ist der mögliche NATO-Truppenabzug besonders relevant, da die Bundesrepublik ein zentraler Standort amerikanischer Streitkräfte in Europa bleibt und zugleich höhere Erwartungen an die eigene Verteidigungsfähigkeit erfüllen muss. Wenn Washington also konventionelle Fähigkeiten für Europa reduziert, steigt der Druck auf Berlin, Lücken bei Luftverteidigung, Aufklärung, Logistik und maritimer Sicherheit im europäischen Rahmen schneller zu schließen.
