Wirtschaft

Trotz Energie-Schock: Teuerungswelle in Deutschland flaut im Mai ab

Die deutsche Wirtschaft stemmt sich gegen die Krisenfolgen: Trotz der durch den Iran-Krieg sprunghaft gestiegenen Kosten für Haushaltsenergie und Sprit hat sich die Inflation im Mai auf 2,6 Prozent abgeschwächt. Ökonomen führen den Rückgang vor allem auf politische Gegenmaßnahmen und statistische Effekte zurück.
29.05.2026 14:35
Lesezeit: 2 min

Heiz- und Tankkosten bleiben auf hohem Niveau

Entlastung für Verbraucher: Die Inflationsrate in Deutschland ist im Mai deutlich auf 2,6 Prozent gesunken. Das geht aus einer ersten Schätzung des Statistischen Bundesamtes hervor. Im April waren die Verbraucherpreise noch um 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen und damit so stark wie seit Januar 2024 nicht. Der Iran-Krieg hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und bremst die Konjunktur aus.

Heiz- und Tankkosten sind hierzulande seit März sprunghaft gestiegen. Im Mai kosteten Haushaltsenergie und Sprit 6,6 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, wie die vorläufigen Berechnungen der Statistiker ergaben.

"Tankrabatt hat Zweck erfüllt"

Immerhin dämpfte der von der Bundesregierung auf den Weg gebrachte Tankrabatt den Preisauftrieb im Mai: Auf den Liter Diesel und Benzin fallen vom 1. Mai bis 30. Juni rund 17 Cent weniger Energiesteuer an. Im April hatten die Energiepreise in Deutschland noch um gut 10 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats gelegen.

"Entscheidend waren der Rückgang der Rohölpreise gegenüber April und der seit Anfang des Monats geltende Tankrabatt", sagt Silke Tober, Inflationsexpertin des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung. "Damit hat der Tankrabatt seinen Zweck erfüllt." Die Bundesbank hatte zuletzt geschätzt, dass der Tankrabatt die Inflationsrate im Mai und Juni je um rund einen Viertelprozentpunkt senkt.

Preisanhebungen erwartet

Volkswirte erwarten, dass Unternehmen höhere Energie-, Produktions- und Transportkosten nach und nach an Kunden weitergeben und die Preise für Lebensmittel und Dienstleistungen weiter steigen werden. Der Anteil der Firmen, die Preiserhöhungen planen, ist nach Daten des Ifo-Instituts hoch, wenngleich er zuletzt etwas sank.

Für Nahrungsmittel mussten die Menschen in Deutschland im Mai nur 0,4 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Im April waren es noch 1,2 Prozent gewesen. Dienstleistungen, zu denen Restaurantbesuche und Reisen zählen, verteuerten sich zudem um 3,1 Prozent. Insgesamt ließen die Verbraucherpreise von April auf Mai laut Statistik um 0,2 Prozent nach.

Inflationsrate könnte 2026 auf 3,0 Prozent steigen

Je länger der Krieg im Nahen Osten andauert, umso größer die Unsicherheit. Das bremst den privaten Konsum, der eine wichtige Stütze für die Konjunktur ist. Die "Wirtschaftsweisen" trauen der deutschen Wirtschaft 2026 nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent zu.

Der Sachverständigenrat erwartet im Jahresschnitt eine Inflationsrate bei 3,0 Prozent. Es könnten aber auch 3,5 Prozent werden, wie das Beratungsgremium der Bundesregierung in seinem Frühjahrsgutachten vorrechnet: Denn angesichts des Kriegs am Golf könnte das Angebot von Rohöl und Flüssigerdgas längere Zeit eingeschränkt sein. Der Iran blockiert seit Wochen die Straße von Hormus, durch die Meerenge wird üblicherweise etwa ein Fünftel des globalen Rohöls und Flüssiggases transportiert. Die Bundesbank rechnet mit einer erhöhten Inflationsrate in den kommenden Monaten.

Zinserhöhung der EZB erwartet

Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft der Verbraucher: Sie können sich dann für einen Euro weniger leisten. Nach der Preiswelle infolge des Ukraine-Krieges ebbte die Teuerung ab, die Inflationsrate in Deutschland lag 2025 bei moderaten 2,2 Prozent. Viele Preise sind aber dauerhaft erhöht.

Die Europäische Zentralbank strebt für den Euroraum mittelfristig eine Rate von 2,0 Prozent an. Bei dieser Marke sieht die EZB ihr oberstes Ziel erreicht, für einen stabilen Euro zu sorgen und die Kaufkraft der Menschen zu sichern.

Weil der Ölpreisschub mit dem Iran-Krieg die Inflation im Euroraum im April auf 3,0 Prozent getrieben hat, erwarten Ökonomen, dass die EZB die Leitzinsen bei ihrem nächsten Entscheid am 11. Juni anhebt. Höhere Zinsen würden Kredite verteuern, was die Nachfrage bremsen und die Teuerung dämpfen kann. Allerdings sind höhere Zinsen eine Bürde für die ohnehin schwache Wirtschaft.

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