Finanzen

Warum die Aktienkurse trotz Corona-Krise weiter steigen

Die Korrektur im US-Aktienmarkt infolge des sich ausbreitenden Corona-Virus war geringfügig und schnell wieder vorbei. Und auch in den kommenden Monaten werden die Kurse weiter steigen, so eine aktuelle Analyse von Morgan Stanley.
15.02.2020 12:43
Lesezeit: 2 min
Warum die Aktienkurse trotz Corona-Krise weiter steigen
Die Korrektur an der New Yorker Börse war geringfügig und schnell wieder vorüber. (Foto: dpa) Foto: Wang Ying

Zwar sind die US-Aktien Ende Januar wegen der Sorgen um die Folgen des Corona-Virus vorübergehend um 3,5 Prozent zurückgegangen, da die Anleger traditionell weniger volatile Anlagen wie Anleihen bevorzugten. Doch seit Anfang Februar erreichte der S&P 500 wieder mehrere neue Rekordhochs. Und trotz der mittlerweile mehr als 1.000 Todesopfer durch den Virus notiert der Index noch immer nahe seinem Rekordhoch.

Der Bullenmarkt am US-Aktienmarkt ist laut Morgan Stanley immer noch im Gang und hat in der ersten Jahreshälfte auch noch viel Spielraum. Die Bank geht davon aus, dass der S&P 500 in der ersten Jahreshälfte zwischen 3.100 und 3.500 schwanken wird. Am Dienstagnachmittag liegt der Aktienindex bei 3.365 Punkten, was einem Anstieg von etwa 4,41 Prozent seit Jahresbeginn entspricht.

Man erwarte, dass der Ausbruch des Coronavirus die beginnende globale Erholung verzögert, aber nicht zum Stehen bringt, sagt Morgan Stanleys Chefstratege Michael Wilson. Morgan Stanley nennt fünf Gründe, warum die Korrektur der US-Aktien so gering ausfiel und warum der Index bis Juni um mehr als 5 Prozent steigen kann, wie Markets Insider berichtet.

Erstens: Obwohl der Ausbruch des Coronavirus die Zahl der Todesfälle durch SARS am Wochenende überstiegen hat, deuten neue Daten aus China darauf hin, dass "sich das Tempo der Infektion verlangsamt hat", so Wilson. Jede positive Entwicklung zur Eindämmung der Pandemie würde den Abwärtsdruck auf die Aktien wahrscheinlich wegnehmen.

Die Ungewissheit über die Auswirkungen des Virus hat viele Analysten und Unternehmen davon abgehalten, den Schaden zu quantifizieren. Dem Analysten zufolge ist die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus für die Märkte von Bedeutung, insbesondere wenn sie begonnen haben, eine weitere Beschleunigung einzupreisen.

Zweitens: Die Korrektur des S&P 500 um 3,5 Prozent war im Vergleich zu den deutlich größeren Einbrüchen in ganz Asien nur gering. So fiel der chinesische Index CSI 300 am 3. Februar bei seiner ersten Sitzung nach 11 Schließtagen um 9 Prozent, und während sich die US-Märkte schnell erholten, bleiben die Indizes in ganz Asien weiterhin deutlich unter den Niveaus vor dem Ausbruch. Viele Vermögenswerte in China und anderen asiatischen Märkten würden jetzt auf dem gleichen Niveau wie im letzten Sommer vor dem Hintergrund einer drohenden Rezession gehandelt.

Drittens: Zwar sei es unwahrscheinlich, dass die US-Notenbank nach ihren drei Zinssenkungen im vergangenen Jahr ihren Leitzinssatz im laufenden Jahr erneut anpasst. Doch die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus in China, Japan und Europa könnten einen bisher unerwarteten fiskalischen Impuls auslösen, so Wilson.

Die deutschen und französischen Daten zur Industrieproduktion vom am Freitag waren schlechter als erwartet, dennoch fielen die jeweiligen Aktienindizes der Länder im Laufe des Tages kaum. Dies könnte ein Zeichen dafür sein, dass die Investoren die bevorstehenden Konjunkturprogramme einpreisen, und Anzeichen für Zinssenkungen in anderen Ländern könnten auch die US-Märkte nach oben ziehen.

Viertens: Viele Analysten hatten gewarnt, dass die Marktvolatilität in den Monaten vor den US-Präsidentschaftswahlen im November wahrscheinlich zunehmen wird. Doch die Vorwahlen der Demokraten in Iowa in der vergangenen Woche ohne klaren Sieger und der Freispruch von US-Präsident Donald Trump im Amtsenthebungsverfahren haben die Wahrscheinlichkeit eines Regierungswechsels gesenkt, so der Stratege.

Fünftens: Der S&P 500 mag zwar relativ volatile Aktien abbilden, gleichzeitig werde der Index aber auch als ein relativ sicherer Hafen angesehen, so der Stratege. "Kurz gesagt, es ist der angemessene Vermögenswert, den man besitzen sollte, falls die Zinsen weiter fallen, solange wir keine Rezession haben."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Politik
Politik "Fröhlichkeit bei der Arbeit": Merz strebt zweite Amtszeit an
19.02.2026

"Alle mal zusammen ins Rad packen": Bundeskanzler Friedrich Merz will, dass die Deutschen mehr arbeiten - und eine zweite Amtszeit.

DWN
Politik
Politik Ukraine vor politischer Weichenstellung: Mögliche Wahlen und Friedensreferendum unter US-Druck
19.02.2026

Unter US-Druck treibt Präsident Wolodymyr Selenskyj Präsidentschaftswahlen und ein mögliches Friedensreferendum in der Ukraine voran....

DWN
Politik
Politik Trump-Friedensrat: Gaza, Entwaffnung und internationale Fronten
19.02.2026

Trump will die Weltpolitik neu ordnen – mit einem eigenen Friedensrat und milliardenschweren Versprechen für Gaza. Wird aus politischer...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Ringen um 5.000 Dollar – wie geht die Goldpreis-Entwicklung weiter?
19.02.2026

Der Goldpreis hat nach einer monatelangen Aufwärtsrally einen deutlichen Rücksetzer erlebt. Viele Beobachter verweisen dennoch auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rückkehr zur Präsenzpflicht? Wann die Produktivität im Homeoffice sinkt – und wie Unternehmen dies vermeiden
19.02.2026

Homeoffice ist inzwischen in einigen Branchen selbstverständlich - wird aber oft von Arbeitgebern kritisch beobachtet. Dabei kann die...

DWN
Technologie
Technologie "Tod der E-Zigarette"? Branche warnt vor Verbotsplänen
19.02.2026

Sind E-Zigaretten ein Segen, weil sie Kettenraucher von der klassischen Zigarette wegführen, oder ein Risiko, weil ihr Konsum Schadstoffe...

DWN
Politik
Politik Iran: Wann greift Trump an?
19.02.2026

Die Atomgespräche zwischen Washington und Teheran scheitern erneut. Experten warnen vor einem möglichen militärischen Konflikt, der die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DB Cargo-Stellenabbau: 6.200 Jobs fallen bei Deutsche Bahn-Tochter weg
19.02.2026

Fast jede zweite Stelle soll weg – DB Cargo steht vor einem historischen Einschnitt. Der neue Chef setzt alles auf eine Karte, denn...